Darum gehts
- Die Schweiz dominiert den globalen Kaffeemarkt
- 70 Prozent des weltweiten Rohkaffeehandels läuft über Schweizer Unternehmen
- Kaffeeexporte der Schweiz erreichten 2026 einen Wert von 3,3 Milliarden Franken
In der Schweiz wächst keine einzige Kaffeebohne – und trotzdem dominieren hiesige Unternehmen den globalen Kaffeemarkt. Sie handeln mit riesigen Mengen Rohkaffee und verarbeiten ihn zu hochwertigen Produkten. In den letzten Jahren hat sich Kaffee sogar zum wichtigsten landwirtschaftlichen Exportprodukt der Schweiz entwickelt – vor Käse und Schokolade.
Ein wichtiger Pfeiler im Schweizer Kaffeegeschäft ist der Handel. 70 Prozent des weltweiten Rohkaffeehandels werden laut der französischen Zeitung «Le Monde» über Schweizer Unternehmen abgewickelt. Oft gelangen die Bohnen dabei gar nie in die Schweiz. Die Handelsunternehmen kaufen die Bohnen im Ausland und verkaufen sie direkt an ausländische Abnehmer weiter.
Für die Schweizer Firmen ist das ein lukratives Geschäft: Denn versteuert werden nur Waren, die tatsächlich Schweizer Boden erreichen. Zu den grössten Kaffeehändlern mit Sitz in der Schweiz gehören Louis Dreyfus Company, Ecom und Sucafina.
Veredelung der Kaffeebohne
Doch nicht nur der Handel ist ein bedeutendes Geschäftsfeld. Die Schweiz importiert auch grosse Mengen Rohkaffee und verarbeitet ihn zu qualitativ hochwertigen Endprodukten. Dabei entsteht eine hohe Wertschöpfung: Laut dem Handelsbarometer der Universität St. Gallen wird Rohkaffee durchschnittlich für 5 US-Dollar pro Kilogramm importiert und nach der Verarbeitung für rund 27 US-Dollar wieder exportiert.
Gemessen am Handelswert ist die Schweiz nach Brasilien der zweitgrösste Kaffeeexporteur der Welt. Die Ausfuhren erreichen jährlich einen Wert von rund 3,3 Milliarden Franken. Seit den 2000er-Jahren hat sich der Exportwert mehr als verzehnfacht. Der grösste Verarbeiter von Kaffee in der Schweiz ist Nespresso. Weitere wichtige Akteure sind die Migros sowie die JAB Holding.
Bitterer Nachgeschmack
Auch bei der Herstellung von Kaffeemaschinen nimmt die Schweiz eine führende Rolle ein. Rund 70 Prozent aller vollautomatischen Kaffeemaschinen stammen aus Schweizer Produktion. Zu den bekanntesten Herstellern gehören Jura, Schaerer, Franke und Thermoplan.
Das Geschäft mit dem Kaffee wirft hohe Gewinne ab, hat aber auch seine Schattenseite. In einem Bericht aus dem Jahr 2024 machte «Public Eye» darauf aufmerksam, dass viele Kaffeeproduzentinnen und -produzenten unter schwierigsten Bedingungen arbeiten und in bitterer Armut leben.