Darum gehts
- Albert Rösti senkt SRG-Gebühren von 335 auf 300 Franken pro Haushalt
- Bis 2029 sollen bei der SRG 900 Vollzeitstellen abgebaut werden
- Webmagazin «Die Umwelt» kostete 2025 online 340'000 Franken
Albert Rösti (58) streicht das Budget der SRG zusammen. Die Gebühren sinken von 335 auf 300 Franken. Und das, obwohl das Stimmvolk die Halbierungs-Initiative deutlich versenkt hat. Möglich macht die Gebührensenkung ein Gegenvorschlag, den Rösti noch vor der Abstimmung durch den Bundesrat manövriert hat. Als Folge muss SRG-Chefin Susanne Wille (52) das Medienhaus kräftig umpflügen. Bis 2029 sollen 900 Vollzeitstellen verschwinden.
Während also bei der SRG der Gürtel enger geschnallt wird, leistet sich Röstis Bundesamt für Umwelt (Bafu) unter Direktorin Katrin Schneeberger (59) ein eigenes digitales Sprachrohr. Das Webmagazin namens «Die Umwelt» hat 2025 allein für den Onlineauftritt 340’000 Franken verschlungen. Wer nun für dieses Steuergeld unabhängig recherchierte Infos erwartet, reibt sich die Augen. Das Portal will die Bevölkerung wöchentlich über «umweltverträgliches Verhalten» informieren, seine Leserschaft gewissermassen erziehen.
Ein Amt missioniert
Ein Beitrag handelt etwa von einer Küchenchefin, wie sie «Ökologie, Soziales und Wirtschaft miteinander verknüpft» und so Nachhaltigkeit in der Gastronomie vorlebt. Oder ein Interview mit dem Bafu-Wissenschaftschef thematisiert Biodiversität als tragenden Pfeiler «wirtschaftlicher Stabilität». Alles sauber aufbereitete Inhalte, und doch haftet den Texten ein Hauch Aktivismus an. Das Bafu hingegen rechtfertigt sich auf Anfrage, es erfülle mit dem Webmagazin den gesetzlich verankerten Informationsauftrag.
Wie sehr Rösti an den Inhalten seiner Behörde gefallen findet, sei dahingestellt. Bekanntlich knirscht es bisweilen zwischen dem SVP-Vorsteher und seinen Ämtern. So strich Rösti auf 2024 die Printausgabe von «Die Umwelt». Seither erscheint die Broschüre nur noch online. Dort allerdings soll es in den kommenden Jahren weiter existieren, wie eine Ausschreibung auf der Beschaffungsplattform Simap andeutet.
Das Bafu sucht eine Text- und Digitalagentur, die das Webmagazin bis mindestens 2032 bespielt. Ziel sei es, Themen aus dem Bafu für ein «breites Publikum» aufzubereiten. Es ist jedoch fraglich, wie «breit» dieses Publikum effektiv ist. Auf Instagram erhalten die Posts des Magazins im Schnitt 15 bis 20 Herzchen, auf Facebook ein bis zwei Likes.
Im Hinterhof des Internets
Ob das Bafu diese Resonanz zufriedenstellt? Die Behörde weicht auf Anfrage aus, verweist stattdessen auf angeblich 15’000 Personen, die das Portal abonniert hätten. In Zukunft sei zudem mit Einsparungen von 35 Prozent beim Webmagazin zu rechnen. Und abgesehen davon besitze das Bafu «keine weiteren grossen Verbreitungskanäle».
Angesichts der überschaubaren Breitenwirkung drängt sich die Frage auf, ob es zielführend ist, wenn der Bund solch aktivistisch anmutende Websites in den Hinterhöfen des Internets betreibt. Vor allem, da es kein Einzelfall ist, sondern einem Trend in Bundesbern entspricht. Die Verwaltung hat in den letzten Jahren einen PR-Kosmos erschaffen, mit Formaten, Inhalten und Podcasts, deren Hörerzahlen gegen null tendieren. Inwiefern das im Interesse der Steuerzahler ist, dürfte noch für Gesprächsstoff sorgen.