Darum gehts
- Ständerat bewilligt für Landwirte 517 Millionen bis 2032. Der Bundesrat wollte 158 Millionen.
- Schweizer Bauernverband bleibt mächtigste Lobby, Markus Ritter der zentrale Strippenzieher
- 2025: SVP-Nationalrat Didier Calame erhielt Direktzahlungen in Höhe von 239’217 Franken
Für die Schweizer Bauern läuft es derzeit wie geschmiert. Das Zocken beim Freihandelsabkommen Mercosur hat sich gelohnt: Das Parlament beschloss für sechs Jahre Begleitmassnahmen in Höhe von 517 Millionen Franken – der Bundesrat hatte 158 Millionen Franken beantragt. Wieder einmal zeigte sich: Wenn der Schweizer Bauernverband im Bundeshaus aufmarschiert, knickt die Politik ein. Hinter den Kulissen rollt bereits die nächste grosse Reform an: Der Bundesrat hat die Vernehmlassung zur Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) eröffnet. Bis zum 8. Dezember 2026 können Verbände, Parteien und Kantone Stellung beziehen.
Markus Ritter – ein gnadenloser Strippenzieher
Für die Jahre 2030 bis 2033 will der Bund einen Zahlungsrahmen von knapp 14 Milliarden Franken für die Bauern bereitstellen – weniger als in den vergangenen vier Jahren. Bei den individuellen Agrarsubventionen – Direktzahlungen genannt – soll sich ebenfalls etwas ändern. «Heute sind die Direktzahlungen in den Bereichen Ökologie und Tierwohl stark an die Einhaltung von Handlungsanweisungen geknüpft. In Zukunft sollen sie vermehrt für konkrete Ergebnisse ausgerichtet werden», schreibt der Bundesrat. Damit sollen Landwirte mehr Handlungsspielraum erhalten.
Bauern bilden die mächtigste und am meisten gefürchtete Lobby-Gruppe im Schweizer Parlament. Angeführt wird sie von Bauernpräsident Markus Ritter (59, Mitte). Der St. Galler Nationalrat gilt als gnadenloser Strippenzieher. Dass er im März 2025 die Bundesratswahl gegen seinen Parteikollegen Martin Pfister (63) verlor, hat ihn sichtlich gekränkt. Seinem Engagement für die Bauern hingegen tat die Niederlage keinen Abbruch.
Didier Calame kassiert 239’217 Franken
Ritter selbst bezog 2022 noch 83’262 Franken an Direktzahlungen. Mittlerweile hat er seinen Hof in Altstätten SG an die Söhne übergeben. Seither tauchen Subventionen, die der Ritter-Hof an Direktzahlungen erhält, nicht mehr in Listen auf, die Blick über das Öffentlichkeitsgesetz einsehen kann.
2025 war der Neuenburger SVP-Nationalrat Didier Calame (53) bei den Direktzahlungen Spitzenreiter mit 239’217 Franken, an zweiter Stelle folgte sein Waadtländer Parteikollege Sylvain Freymond (42) mit 167’240. SVP-Parteipräsident Marcel Dettling (45) erhielt letztes Jahr 78’201 Franken, der Grünen-Nationalrat Kilian Baumann (45) kam auf 34’550. In der Aufzählung fehlen Direktzahlungen, die die Nationalräte Martin Hübscher (57, SVP), Andreas Meier (64, Mitte) und Thomas Stettler (56, SVP) erhalten. «Sie alle sind keine alleinigen Bewirtschafter, sondern Mitbewirtschafter. Sie machen geltend, dass die Privatsphäre von ihren Mitbewirtschaftern zu schützen ist», teilt das Bundesamt für Landwirtschaft mit.
Vroni Thalmann nicht mehr Bäuerin
Aus völlig anderen Gründen fehlt eine weitere Agrarpolitikerin auf den entsprechenden Listen: die SVP-Nationalrätin Vroni Thalmann-Bieri (57). Früher erhielt sie 38’363 Franken an Direktzahlungen. Mittlerweile ist das Land ihres Hofes in Flühli LU verpachtet, sie selbst besitzt keine Kühe mehr, keines ihrer drei erwachsenen Kinder wollte die Nachfolge antreten. «Geregelte Arbeitszeiten und ein freies Wochenende sind attraktiver, als Bürokratie und die vielen Vorschriften zu erfüllen. So ist der Lauf der Zeit», sagt Thalmann im Gespräch mit Blick. Dafür ist die Frau aus dem Kanton Luzern gerne Politikerin – Nationalrätin und mit einem 30-Prozent-Pensum in ihrer Gemeinde tätig –, Ländlermusikerin und Grosi: «Ich freue mich auf jede Gelegenheit, mit den beiden Enkelkindern zu spielen. Das sind die echten guten Werte im Leben.»