Darum gehts
- Burgdorf BE debattiert über das Pissoirverbot an städtischen Schulen
- Jonas Lauwiner vergleicht das Verbot mit dem Vorgehen in Nazi-Deutschland
- Abstimmung: Deutliches Nein, doch die Stadtregierung entscheidet letztlich über den Toilettenbau
In Burgdorf BE schwelt ein Streit ums kleine Geschäft. An den städtischen Schulen sollen zukünftig keine Pissoirs mehr in die Toiletten eingebaut werden. So entschied es das Gemeindeparlament bereits letzten November. Das solle für mehr Sauberkeit sorgen, fanden die Ratsmitglieder.
Nur: Die Sache ist damit noch lange nicht gegessen. Mittendrin ist der selbst ernannte «König der Schweiz», Jonas Lauwiner (31). Der Burgdorfer Möchtegernherrscher politisiert in seiner Heimatgemeinde auch im Stadtrat – und will sich mit dem Pissoirverbot nicht abfinden. Dabei sorgt er für einen regelrechten Eklat.
Stadtregierung stärkt Lauwiner den Rücken
Wie die «Berner Zeitung» berichtet, verlangte Lauwiner diese Woche in einem Vorstoss, das erst gerade beschlossene Verbot wieder zu kippen. Und erreichte damit überraschend bereits vor der Debatte einen Teilerfolg: Der Burgdorfer Gemeinderat, die Stadtregierung, stärkte dem Vorhaben den Rücken. Die Pissoirs seien nämlich nicht nur ergonomisch vorteilhaft, sondern würden auch Wasser sparen, und sie seien – hier ist der Gemeinderat anderer Ansicht als das Parlament – einfacher zu reinigen.
Im Parlament zeigte man sich über eine zweite Runde in der Pissoirposse jedoch gar nicht erfreut. Dass der Lokalprovokateur das Thema bereits nach so kurzer Zeit wieder aufwärmte, brachte ihm vonseiten der Geschäftsprüfungskommission eine satte Rüge ein.
Nazi-Keule im Parlament
Lauwiner selbst schien dies aber nicht zu kümmern. Beflügelt durch den Rückenwind aus der Stadtregierung redete sich der König im Parlamentssaal in einen Rausch – und griff zu sonderbaren Vergleichen: Das Pissoirverbot stellte er dabei etwa in Zusammenhang mit Nazi-Deutschland.
Spätestens da war für viele das Fass definitiv übervoll: Wie die «Berner Zeitung» schreibt, verliessen Vertreterinnen und Vertreter der SP, Grünen und EVP während des Votums des «Königs» demonstrativ den Saal. Und als die Empörten den Saal wieder betraten, unterstellte ihnen Lauwiner «kindisches Verhalten».
Am Schluss entscheidet die Exekutive
Lauwiner hatte mit seinem Vorstoss im Prinzip schon gewonnen. Doch das Poltern des Politikers führte schlussendlich dazu, dass die GLP davon abwich, ihn zu unterstützen. In der folgenden Abstimmung resultierte daher ein deutliches Nein für die Aufhebung des Pissoirverbots.
Nur: Wie es sich für eine richtige Lokalposse gehört, war auch die zweite Runde des Burgdorfer WC-Streits bloss viel Lärm um nichts. Denn wie Stadtpräsident Stefan Berger im Anschluss an die Diskussion betonte: Beim Bau von Toilettenanlagen lägen die Details nämlich in der Kompetenz der Exekutive.
Kein Wunder, bilanzierte laut der «Berner Zeitung» ein Parlamentsmitglied danach konsterniert: Ihn pisse dieses Geschäft an.