Wie das «Arena»-Konzept verwässert wurde
Das dümpelnde SRF-Flaggschiff

Die «Arena» verliert ihren Moderator. Zuschauer verliert die SRF-Sendung schon lange. Gegenüber den Neunzigern hat sich die Quote beinahe halbiert.
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Christoph Blocher im Jahr 2000 im «Arena»-Duell mit der damaligen SP-Präsidentin Ursula Koch.
Foto: Reto Oeschger

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In den Neunzigern erreichte die «Arena» einen Marktanteil von nahezu 40 Prozent
  • Eine Konzeptänderung brachte im Jahr 2000 einen Zuschauereinbruch
  • Je nach Thema können die Zahlen auch heute noch stark ansteigen
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Marco LüssiBlattmacher

Sandro Brotz (56) verlässt die «Arena». Der Journalist, der die Sendung seit sieben Jahren moderiert, hängt seinen Job beim SRF an den Nagel und wechselt als Podcaster zum Blick. Brotz begründet den Abgang mit seinem Wunsch, noch einmal etwas Neues anzupacken, und weist die Darstellung zurück, dass er ein sinkendes Schiff verlasse.

Das Bild vom sinkenden Schiff ist in der Tat falsch. Das SRF-Flaggschiff «Arena» dümpelt seit Jahren bei einem Marktanteil von 17, knapp 18 Prozent dahin – weder geht es steil abwärts, noch ist ein Aufwärtstrend in Sicht. Dynamik ist hier nicht mehr zu erkennen, sondern solides Mittelmass. Die Sendung hat sich damit immer mehr ihrem Gegenstand angeglichen, der Schweizer Innenpolitik.

Fast 40 Prozent Marktanteil

Nach ihrer Erfindung im Jahr 1993 hatte sich die «Arena» schnell zum Quotenhit entwickelt. Der Marktanteil lag bei nahezu 40 Prozent, deutlich über 300’000 Zuschauer sassen in den Neunzigern jeweils am späten Freitagabend vor dem Röhrenfernseher.

Um den damaligen Erfolg zu verstehen, muss man sich in Erinnerung rufen, dass die «Arena» noch ein viel radikaleres Konzept verfolgte als heute: Unter ihrem ersten Moderator Filippo Leutenegger wurden die Diskussionen als Duell inszeniert. Im inneren Ring standen sich in der Regel nur zwei Persönlichkeiten gegenüber, die jeweils gegenteilige Meinungen vertraten. Nur in absoluten Ausnahmefällen wurde diese Runde auf maximal vier Personen erhöht.

Polarisierung und Personalisierung

Diese Reduktion auf zwei Duellanten vereinfachte es, einen Sieger und einen Verlierer zu benennen. Und es ermöglichte eine echte Debatte. Es waren zwei da, die viel sagen konnten, die dank ihrer Redezeit viel zu gewinnen, aber auch viel zu verlieren hatten.

Während der intensive Schlagabtausch zwischen zwei Politikerinnen oder Politikern die Zuschauer faszinierte, sahen Kritiker eine besorgniserregende Entwicklung: Sie bemängelten die Polarisierung und Personalisierung, der die «Arena» Vorschub leiste – und die damit, so der häufige Vorwurf aus dem linken Lager, zum Aufstieg von Rechtspopulisten wie Christoph Blocher beitrage.

Kurswechsel führte zu Einbruch

Beim SRF nahm man sich diese Kritik offenbar sehr zu Herzen. Jedenfalls kam es in der Ära von Leuteneggers Nachfolger Patrick Rohr zu einer Abkehr von der ursprünglichen Form: Statt zweier Duellanten standen nun sechs bis acht Protagonisten im inneren Kreis.

Das Publikum goutierte diesen Kurswechsel nicht: Schnell sanken nach der Jahrtausendwende die Zuschauerzahlen auf unter 300’000, und der Marktanteil sackte auf weniger als 30 Prozent ab.

«Immergleiches Streithähne-Ritual»

Den Zuschauerrückgang habe man mit der Konzeptänderung bewusst in Kauf genommen, hiess es 2003 in der Medienmitteilung von SRF zum 10-Jahr-Jubiläum der Sendung.

«Mit der Abkehr von der Duell-Form bietet die ‹Arena› sicher etwas weniger Spektakel», liess sich der damalige SRF-Chefredaktor Ueli Haldimann zitieren. «Dass die Marktanteile heute etwas tiefer liegen, beunruhigt uns aber nicht. Sie sanken schon am Schluss der Duell-Phase, weil sich die Wiederholung des immergleichen Streithähne-Rituals abnützte.»

Statements statt Debatten

Statt Duellen, in denen zwei viel sagten und sich damit auch viele Blössen gaben, gibt es seither in der «Arena» viele, die bloss wenig sagen können. Und die alle als Erstes jene Sätze abspulen wollen, die sie für ihren Auftritt eingeübt haben. Wenn dann die Statements abgegeben sind und die eigentliche Diskussion beginnen würde, kommen sie oft gar nicht mehr zu Wort.

Wer die wilden Neunziger der «Arena» noch miterlebt hat, muss daher Ueli Haldimanns Worten beipflichten, dass die «Arena» weniger Spektakel bietet als einst. Richtig spektakulär war es noch, als 1994 der damalige Bundesrat Adolf Ogi in der Sendung zur Alpen-Initiative den Landammann von Uri, Hansruedi Stadler, anfuhr: «Ihr Urner müsst gar nichts sagen, ihr, denen wir ja alles zahlen!» Die Szene wurde zum bekanntesten Moment im Abstimmungskampf, der mit dem überraschenden Ja zur Volksinitiative endete.

Spektakulär war es auch, als 1995 der damalige SP-Präsident Peter Bodenmann nach sechs Minuten aus der Aufzeichnung lief.

Als der Europarechtler rausstürmte

Ein bisschen Spektakel gabs aber auch noch in der jüngeren Vergangenheit, etwa, als 2016 der als Experte geladene Europarechtler Dieter Freiburghaus beleidigt aus der Sendung stürmte. Im Unterschied zu Bodenmann kehrte Freiburghaus allerdings nach einer kurzen Verschnaufpause wieder ins Studio zurück.

Spektakel garantiert mit ihrem eigenwilligen Auftreten immer wieder Stammgast Jacqueline Badran (SP). Eine spektakuläre Szene lieferte auch Noch-Moderator Sandro Brotz, als er 2022 SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi Rassismus vorwarf und damit einen heftigen Shitstorm lostrat – gegen sich selber.

Quotenhoch dank CS-Aus

Die «Arena» totzusagen, wäre stark übertrieben. Noch immer kann sie massiv Quote machen, wenn sie sich Themen widmet, die das Land stark bewegen: 2023 etwa erreichte die Sendung zum Ende der Credit Suisse mit 384’000 Zuschauern einen Wert, der sich mit den Rekorden aus den Neunzigern messen konnte.

Sollte das SRF den Ehrgeiz entwickeln, wieder regelmässiger in solche Sphären vorzustossen, könnte man den Verantwortlichen nahelegen, sich wieder am einstigen Duell-Format zu orientieren: weniger Gäste, mehr Redezeit. Einen Versuch wärs wert.

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