«Bald können sie es nicht mehr richten»
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Trump über Einwanderung:«Bald können sie es nicht mehr richten»

SRF-Arena rund um Trump und die Schweiz
«Wir dürfen durchaus Kante gegen ihn zeigen»

Mehrfach ist Donald Trump über die Schweiz und Bundesrätin Karin Keller-Sutter hergezogen. Soll die Schweiz gegenüber den USA mehr Rückgrat zeigen? Oder geht es nur um Pragmatismus? In der SRF-«Arena» gingen die Wogen hoch.
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Trotz öffentlicher Demütigung durch Donald Trump: Karin Keller-Sutter und Guy Parmelin (M.) machten am WEF gute Miene zum bösen Spiel.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Donald Trump kritisierte die Schweiz öffentlich am WEF in Davos 2026
  • Schweizer Politiker debattieren über Umgang mit Trumps provokativem Verhalten
  • US-Präsident Trump erhöhte Zölle wegen Kritik an Keller-Sutter
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel BallmerRedaktor Politik

«Sie hat mich wirklich auf die Palme gebracht.» Vor versammelter Weltöffentlichkeit war US-Präsident Donald Trump (79) am Weltwirtschaftsforum in Davos über die Schweiz und Bundesrätin Karin Keller-Sutter (62) hergezogen. Wegen ihr habe er die Zölle erhöht.

Bundespräsident Guy Parmelin (66) machte beim persönlichen Treffen gute Miene zum bösen Spiel und schmeichelte: «Davos ohne Trump wäre nicht wirklich Davos.» Anders Ignazio Cassis (64). «Es war inakzeptabel, so behandelt zu werden», kritisierte der Aussenminister.

Wie reagiert ein Kleinstaat, wenn eine Weltmacht nicht mehr nur Druck macht, sondern auch öffentlich demütigt? Das war das Thema in der SRF-Sendung «Arena» vom Freitagabend. «Soll die Schweiz gegen Trump mehr Kante zeigen?», fragte Moderator Sandro Brotz (56). «Oder ist der Pragmatismus von Bundespräsident Parmelin der zielführende Weg?»

«Man soll nicht so sensibel sein»

Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan (45) wehrt sich gegen einen «Kniefall» vor Trump, «der unsere Demokratie angreift und uns sagt, wie unfähig wir sind». Sie wolle einen Zolldeal mit den USA, aber nicht um jeden Preis. Daher erwarte sie vom Bundesrat, standhaft zu sein und sich nicht zu verbiegen. Die Schweiz verliere in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt.

«Man soll nicht so sensibel sein wegen irgendwelchem Geschwätz», entgegnete SVP-Nationalrat Benjamin Fischer (34). Letztlich gehe es nur darum, wie man etwa beim Zolldeal das Maximum erreicht. «Hier geht es um Arbeitsplätze und unseren Wohlstand.» Parmelin habe hierbei einen hervorragenden Job gemacht. «Das nennt sich Realpolitik.»

Es gehe nicht darum, sich lauthals zu beschweren, solange man nicht tatsächlich etwas dagegen tun könne. Und die Schweiz wie auch Europa seien nun mal in verschiedenen Bereichen hochgradig von den USA abhängig.

«Respekt und Anstand ist das Mindeste»

Das wiederum wollte SP-Nationalrat Eric Nussbaumer (65) nicht so stehenlassen: «Es ist kein Bluff, dass wir einen anständigen Umgang fordern. Respekt und Anstand ist das Mindeste, was wir von einem US-Präsidenten erwarten dürfen.» Und er fuhr Fischer direkt an den Karren: «Was ist das für eine Art zu sagen, es ist halt so? Was haben sie für eine Lebensphilosophie, wenn man sich einfach wie ein Bulldozer verhält? Wir dürfen durchaus Kante gegen Trump zeigen.»

Fischer blieb unbeeindruckt. «Wir müssen nicht so sensibel tun», wiederholte er. Die Schweiz sei schon früher von den USA hart angegangen worden, etwa beim Bankgeheimnis. Der ehemalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (79) habe sogar die «Kavallerie» schicken wollen. Fischer und Nussbaumer sollten noch mehrmals aufeinander krachen.

Auch FDP-Ständerat Damian Müller (41) möchte Trump Grenzen setzen: «So geht man nicht miteinander um», meinte er angesprochen auch auf das Ringen um Grönland. Er wehrte sich gegen Aussagen von SVP-Fischer, wonach die USA sich Grönland nehmen, wenn sie es wollten und Europa nichts dagegen tun könne. Wenn Landnahme salonfähig werde, habe die Welt ein Problem – und dann ziehe Putin daraus die nächsten Konsequenzen, die für Europa gravierend seien, warnte Müller.

«Ich schenke Fischer ein Geschichtsbuch»

Mehrfach betonte SVP-Nationalrat Fischer, es gebe nun mal Realitäten – und die Schweiz müsse entscheiden, wie sie damit umgeht. «Wir sind auf eine regelbasierte Weltordnung angewiesen. Aber die Realität ist, die haben wir nicht – und das nicht erst seit Trump.» Für die USA oder China habe stets die Logik des Stärkeren gegolten.

Nussbaumer aber liess nicht locker: «Wenn Fischer sagt, eine regelbasierte Weltordnung gibt es nicht, dann schenke ich ihm ein Geschichtsbuch.» Letztlich zählten nach der SVP nur noch Macht und Brutalität. «Ich sehe eine andere Realität: Eine Staatengemeinschaft, die Freiheit und Regeln überhaupt erst möglich gemacht hat. Das müssen wir verteidigen – und Fischer verteidigt das nicht mehr, er sagt, ‹es ist jetzt halt so›.»

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