Darum gehts
- Im Kanton Schwyz drohen 5000-Franken-Bussen für falsche Wolf-Abschüsse.
- SVP-Politiker organisierte Spendenaktion: 370 Personen wollen Busse mitfinanzieren.
- Kritik von SP und Tierschutz: Regulierung des Wolfs als unnötig bezeichnet.
Die Jäger im Kanton Schwyz laufen Sturm. Erst kürzlich hat der Kanton rund 200 Personen ausgebildet, die bei der Regulierung des Wolfs mithelfen sollen. Nun sehen sie sich jedoch mit finanziellen Hürden konfrontiert: Wer bei einem Abschuss versehentlich einen falschen Wolf erwischt, muss eine Busse von 5000 Franken zahlen, wie der «Bote der Urschweiz» berichtete.
«Das geht gar nicht!», sagt SVP-Kantonsrat Samuel Lütolf (29) zu Blick. Die Jäger engagierten sich ehrenamtlich. Während der ordentlichen Jagdzeit erhalten sie keine Entschädigung, ausserhalb der Jagdzeit gibt es eine Pauschale von 50 Franken pro Tag. «Derart hohe Bussen machen diese Aufgabe höchst unattraktiv.»
Der 29-Jährige setzt sich seit längerem für eine präventive Wolfsregulierung ein. «Der Kanton Schwyz ist zu klein und wir haben keinen Platz für ein Wolfsrudel.» Um Älpler und Landwirte vor dem Raubtier zu schützen, betreibt Lütolf einen von der SVP lancierten «Wolf-Ticker». In der Whatsapp-Gruppe informiert er über Wolfsichtungen und Nutztierrisse im Kanton. Mit 1024 Mitgliedern hat die Gruppe die maximale Grösse erreicht.
Als Lütolf vergangene Woche von der 5000-Franken-Busse erfuhr, startete er in der Gruppe eine Umfrage. Er fragte die Mitglieder, ob sie bereit wären, sich mit einem Beitrag an einer allfälligen Busse zu beteiligen. Knapp 250 Personen willigten ein, je 50 Franken beizusteuern, weitere rund 120 würden einen kleineren Betrag spenden.
Danach machte der SVPler den Jägern klar: «Sollte es tatsächlich zu einem Fehlschuss kommen, werden wir einen Spendenaufruf lancieren.»
Scharfe Kritik an Spendenaufruf
Dieses Vorgehen stösst bei SP-Kantonsrat Jonathan Prelicz (36) sauer auf. Wer bereits im Voraus zusichere, allfällige Bussen zu übernehmen, schaffe einen Anreiz, das Gesetz zu brechen, sagt er. Nach dieser Logik könnte man bei jeder Straftat einen Solidaritätsfonds einrichten. «Damit werden Sanktionen ausgehebelt.»
Für Prelicz ist ein solcher Spendenaufruf darum der falsche Weg. Der Kanton Schwyz verfüge über vergleichsweise liberale Regeln im Umgang mit dem Wolf. Stattdessen sollte man den Herdenschutz weiter ausbauen und gezielt stärken.
Noch schärfer wird der Ton bei Christina Steiner (62), Präsidentin vom Wolfschutzverein «ChWolf». «So ein Spendenaufruf ist primitiv und einfach niveaulos!», sagt sie. Von November bis Januar sei es fast unmöglich, erwachsene Wölfe von den Jungtieren zu unterscheiden. «Mit diesem Spendenaufruf schiessen die Jäger auf alles, was sie sehen.»
Für Steiner ist zudem nicht nachvollziehbar, weshalb der Kanton 200 Jäger für die Wolfsregulierung ausgebildet hat. Das Rudel im Kanton Schwyz sei unauffällig und habe noch nie geschützte Nutztiere gerissen. Eine Regulierung sei darum ohnehin rechtswidrig.