Darum gehts
- Guy Parmelin, Bundesrat und Ex-Weinbauer, bleibt bescheiden und bodenständig
- Seine Auftritte sind legendär, seine Hobbys sympathisch
- Er hat eine Vorliebe für Comics und ein spezielles Blumenritual
Fertig! Guy Parmelin (66) hört auf. Der Waadtländer SVP-Mann hat seinen Rücktritt aus dem Bundesrat angekündigt. Damit geht eine politische Karriere ihrem Ende entgegen, die wohl nur wenige so vorausgesehen hätten.
Elf Jahre wird Parmelin am Ende dem Bundesrat angehört haben, zweimal präsidierte er die Landesregierung. Doch wer ist der Mann, der immer wieder für Überraschungen gut war? Elf Jahre – elf erstaunliche Fakten.
Seine Liebe zur Deutschschweiz
Deutsch spricht der Waadtländer SVP-Mann längst ziemlich gut – kein Geheimnis ist allerdings, dass er es nicht besonders gern tut. «Ich habe einfach kein Feeling für Sprachen», witzelte er vor Jahren in einem Interview. «Meine Frau lacht mich aus, wenn ich versuche, Deutsch zu sprechen.» Sie muss es wissen: Caroline Parmelin (62) ist Deutschlehrerin, in Zürich geboren und als Kind mit ihrer Familie in die Romandie gezogen.
Unter der Woche verbringt sie aktuell in der Regel einige Tage mit ihrem Mann in Bern, wo das Paar eine Wohnung gemietet hat. Am Freitagabend geht es meist gemeinsam zurück nach Bursins VD. Im Vergleich mit anderen Ländern habe sie als Ehefrau eines Bundesrats das Glück, ein Privatleben zu haben, sagte Caroline Parmelin einmal.
Parmelin «can English understand»
Die Worte schafften es sogar in die «New York Times»: Vor seiner Wahl in den Bundesrat machte Parmelin 2015 mit dem holprigen Satz «I can English understand, but je préfère répondre en français» international Schlagzeilen – und erntete Spott. Seine Englischkenntnisse galten als bescheiden.
Längst beherrscht er die Sprache gut. Am vorletzten WEF erklärte Parmelin, er brauche sie regelmässig und nehme gezielt Englischlektionen. Dabei diskutiert er Texte aus dem «Wall Street Journal».
Der Wein prägt seine Familie
Parmelin ist von Haus aus Weinbauer. Das familieneigene Weingut in Bursins wird heute von seinem Bruder Christophe (64) allein weitergeführt. Zu Hause trinke die Familie «eigentlich recht wenig Wein», sagte Parmelin einst der «SonntagsZeitung». «Normalerweise öffnen wir nur sonntags eine gute Flasche mit meinem Vater, meiner Schwiegermutter und meiner Frau.»
Unter der Woche halte er sich an Wasser – ausser bei Besuch. Parmelin gilt dennoch als Genussmensch. Sein Lieblingsrestaurant verriet er dem GaultMillau: Table des Suter in Lucens VD.
Seine Comics sind ihm heilig
Zu Parmelins Lieblingslektüre gehören Comics. Er verfügt über eine ansehnliche Sammlung. Besonders angetan haben es ihm Western wie Lucky Luke. Auch Asterix mag er – gerade «Asterix bei den Schweizern» bringe ihn regelmässig zum Lachen.
Jede Woche ein Blumenstrauss-Foto
Parmelin pflegt eine ungewöhnliche Sammelleidenschaft. Woche für Woche fotografiert er mit seinem Handy die Blumensträusse im Bundesratszimmer – ein Ort, der der Öffentlichkeit verschlossen bleibt. Und warum das? Er habe damit begonnen, weil er die Bouquets «so wunderschön» finde – und um die Arbeit der Floristinnen und Floristen zu ehren. Was mit den Bildern geschehen soll, wisse er noch nicht. Denkbar sei «vielleicht ein Fotobuch».
Bei Parmelin spielt die Musik
Welche Instrumente spielen Bundesräte? Darüber weiss man in der Regel nichts, wenn nicht gerade eine ausgebildete Konzertpianistin wie Simonetta Sommaruga (66) im Bundesrat sitzt. In seiner Studienzeit in Genf war Parmelin ambitionierter Musiker: «Meine Gitarre habe ich noch, aber zum Spielen komme ich nur noch selten.»
Zur Entspannung besucht Parmelin gern klassische Konzerte. Der «Aargauer Zeitung» sagte er vor seiner Wahl: «Ich liebe klassische Musik. Beethoven und Mozart sind meine Lieblingskomponisten.» Seine Frau und er besassen damals die Saisonkarte vom Orchestre de Chambre de Lausanne. «Die Konzerte dort lassen wir uns nicht entgehen.»
Der Parmelin-Rücken
Er nennt ihn selbst den Parmelin-Rücken. Guy Parmelin leidet an Rückenschmerzen, wie sein Vater, sein Grossvater und sein Urgrossvater. Manchmal hat er Mühe, aus dem Wagen auszusteigen. Medikamente nehme er keine, vertraute Parmelin der «SonntagsZeitung» an. Manchmal sei sein Rücken «fast ein zu grosses Thema». Je mehr er laufe, desto besser werde es. Leider aber sitze er sehr oft im Büro.
Der Hipster mit Hut
Mode kann unerbittlich sein. Guy Parmelin legt in seiner Freizeit offenbar nicht viel Wert auf ein piekfeines Auftreten, sondern mag es praktisch: Auf den Bundesratsreisen sorgte er mit kurzen Hosen, Handytäschli am Gurt oder seinem faltbaren Safarihut immer wieder für Kommentare – auch 2026 nochmals.
Parmelin trägt seine Stilsünden allerdings mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass es schon fast Kult ist. «Auf den Ausflügen des Bundesrats ist es mir vor allem wichtig, dass ich mich wohlfühle. Den Hut werde ich weiterhin tragen. Man kann ihn zusammenfalten und in die Tasche stecken», sagte Parmelin zur «SonntagsZeitung». Dass er nicht eitel ist, zeigt sich auch an seinem Humor: Er betrachtet sich – oder Kritik an ihm – selbstironisch.
Parmelin, der Unterschätzte
In der Deutschschweiz war er nahezu unbekannt, als Guy Parmelin 2015 für den Bundesrat kandidierte. Weder hatten ihn viele Politikbeobachter auf dem Radar, noch wurden ihm die besten Chancen zugestanden.
Erst nach einigen Jahren galt es als ausgemacht, dass Parmelin oft unterschätzt wird und seine Karriereziele still und ohne viel Aufhebens erreicht. Er ist ein stiller, aber tatkräftiger Schaffer: Im Bundeshaus ist er morgens oft der erste und schliesst noch vor 6 Uhr das Büro auf. Höhepunkt seiner bisherigen Karriere: Als Parmelin 2021 erstmals Bundespräsident war, empfing er in Genf US-Präsident Joe Biden (83) und Russlands Machthaber Wladimir Putin (73).
Das Auto: rot und bescheiden
Guy Parmelin gilt als bescheiden. Das zeigt sich auch bei seinen Autos. Jahrelang fuhr er einen roten Mazda 6. Als er Bundesrat wurde und Anrecht auf ein privates Dienstfahrzeug hatte, kaufte ihm der Bund das Auto als Occasion ab – und sparte Geld.
2025 gab es für Parmelin nochmals ein neues Auto auf Staatskosten. Doch während andere Bundesräte wie Ignazio Cassis oder Doris Leuthard BMW wählten, blieb Parmelin der Marke Mazda treu. Er griff allerdings zu einem noch kleineren Modell, dem Mazda 3.
Dieser Mann hat Ironie
Ja, seine Hüte nimmt Parmelin ernst – sich selbst manchmal weniger. Der Waadtländer besitzt eine gehörige Portion Selbstironie. Wer dafür noch einen Beweis brauchte, bekam ihn diesen Sommer.
Als Bundespräsident organisierte er die traditionelle Reise der Landesregierung. Und offenbar gab er einen Hutbefehl aus: Die Bundesräte fuhren mit Booten auf der Rhone. Und die Bilder der Bundeskanzlei zeigten alle mit dem Armee-Safari-Hut des Typs Parmelin. Nur die beiden Bundesrätinnen widersetzten sich dem Hutbefehl.