Schweizer Gemeinden im Blindflug
Tausende Schweizer Spielplätze könnten verseucht sein

Auf Schweizer Spielplätzen droht Gefahr: Tausende Spielplätze in der Schweiz könnten mit Blei verseucht sein. Das kann schlimmstenfalls die Hirnentwicklung von Kleinkindern schädigen. Nun müssen die Gemeinden bei ihren Anlagen Abklärungen vornehmen.
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In den Böden von Schweizer Spielplätzen könnte Blei versteckt sein. Das kann die Hirnentwicklung von Kleinkindern schädigen. (Symbolbild)
Foto: Imago

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kinderspielplätze mit verseuchtem Boden gefährden Hirnentwicklung von Kindern in der Schweiz
  • Rund 36’000 Liegenschaften könnten betroffen sein, Sanierungspflicht seit April 2025
  • Sanierungskosten von 1,1 bis 1,6 Milliarden Franken in 35 Jahren erwartet
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Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

Für die ganz Kleinen ist die Gefahr am grössten: Dreijährige krabbeln auf dem Boden herum, haben dreckige Hände und nehmen Erde in den Mund. Und vielleicht bleibt es auf Schweizer Spielplätzen nicht bei der Erde: Kinder könnten dort auch Blei aufnehmen, das die Hirnentwicklung schädigt. Denn auf zahlreichen Anlagen gibt es verseuchte Böden. 

Wie viele es tatsächlich sind, weiss derzeit niemand. Das muss erst herausgefunden werden. In den kommenden Monaten müssen die Gemeinden unzählige ihrer Spielplätze überprüfen und mögliche Verdachtsfälle den Kantonen melden. Seit April 2025 gilt eine Sanierungspflicht, wenn der Spielplatz der öffentlichen Hand gehört. 

Noch 2021 war das Bundesamt für Umwelt (Bafu) von möglicherweise 6000 belasteten Standorten ausgegangen. Heute ist die Behörde deutlich zurückhaltender. Rund 200 sanierungsbedürftige Kinderspielplätze zählte das Bundesamt für Umwelt vor April 2025, wie es gegenüber Blick erklärt. Sie liegen auf ehemaligen Industrie-, Ablagerungs- oder Unfallstandorten. Inzwischen sind jedoch neue Flächen hinzugekommen.

Es geht nun nicht mehr nur um Abfälle: Wurde früher mit Kohle oder Holz geheizt, wurde die Asche oft im Garten verstreut. Über längere Zeit konnten sich so Schwermetalle im Boden sammeln. Auch teerhaltige Eisenbahnschwellen sind ein Problem. Die Zahl sanierungsbedürftiger Flächen habe sich damit wohl «deutlich erhöht», so das Bafu. Luzern hat 21 Spielplätze untersucht, nur einer davon muss saniert werden. Bei 20 weiteren laufen Abklärungen. 

Die Sanierung kostet wohl über eine Milliarde

Der Bund rechnet mit massiven Kosten. Für Untersuchung und Sanierung von Kinderspielplätzen werden in den kommenden 35 Jahren 1,1 bis 1,6 Milliarden Franken veranschlagt. Einen Teil davon übernimmt der Bund: Bei Spielplätzen im Besitz der öffentlichen Hand sind es 60 Prozent der Untersuchungs- und Sanierungskosten. Bei privaten Spielplätzen sind es 40 Prozent. Private Eigentümer sind allerdings nicht zur Sanierung verpflichtet.

Trotz der möglichen Dimension sind bisher nur wenige Gesuche eingegangen. Laut Bund liegt das auch daran, dass das Thema neu ist und viele Gemeinden wohl gar nicht wissen, wo auf ihren Spielplätzen Bodenbelastungen möglich sind. 

Nun sind die Kantone am Zug: «Sie werden in den kommenden Monaten die Gemeinden auffordern, eine Liste der öffentlichen Kinderspielplätze zu erstellen», erklärt das Bafu den weiteren Fahrplan. Die Gemeinden müssen Abklärungen treffen und Verdachtsfälle melden. Der Kanton wird dann entscheiden, bei welchen Kinderspielplätzen weitere Untersuchungen anstehen. Für die Gemeinden stellt das Bundesamt für Umwelt bereits einen Leitfaden bereit.

In Bern wird bald saniert

Wird ein Spielplatz überprüft, kommt zuerst ein Handbohrstock zum Einsatz. Ist eine Sanierung nötig, werden «in der Regel die obersten 20 bis 30 Zentimeter Boden entfernt», wie das Bundesamt für Umwelt schreibt. 

Konkrete Fälle gibt es bereits. Die Plattform Schweizer Gemeinde berichtet von Sanierungen in Reconvilier BE und in der Stadt Bern. In Bern soll im Sommer der Spielplatz Alte Gärtnerei saniert werden. In Teilen des Areals waren die Grenzwerte für Blei überschritten. Bereits heute wurde der Boden mit Rollrasen überdeckt, um die Kinder vorübergehend zu schützen. Rund 600'000 Franken kostet die Sanierung.

Für Eltern bleibt die Unsicherheit: Wo genau belastete Spielplätze liegen, ist noch offen. Anlagen, die in den vergangenen 30 bis 40 Jahren gebaut wurden, gelten als kaum betroffen. Anders sieht es bei früheren Industriearealen oder in Gebieten aus, die bereits in den 1960er-Jahren besiedelt waren und Asche ausgetragen wurde. 

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