Putins Propaganda-TV mischt sich bei Neutralitäts-Initiative ein
«Hans-Ueli Läppli» aus Russland berät die SVP – ungefragt!

Ein Sprachrohr des Kremls findet, die Neutralitäts-Initiative müsse stärker auf Social Media setzen – und liefert gleich weitere Kampagnentipps. Kampagnenchef Walter Wobmann will von der ungefragten Hilfe aus Russland allerdings nichts wissen.
Kommentieren
1/5
Das Nachrichtenportal RT DE gilt als Propagandainstrument des Kremls.
Foto: imago images/ZUMA Wire

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Das Portal RT DE unterstützt die SVP-Neutralitäts-Initiative mit Social-Media-Tipps
  • Angeblicher RT-Autor Hans-Ueli Läppli wirft Fragen auf
  • SVP-Kampagnenchef Walter Wobmann findet ausländische Einflussnahme bedenklich
Janic_Urech_Praktikant Redaktor Politik_Blick_3-Bearbeitet.jpg
Janic UrechRedaktor Politik

Mehr Influencer, mehr junge Gesichter: So soll die Neutralitäts-Initiative in der Schweiz bessere Chancen haben.

Der ungefragte Rat kommt ausgerechnet aus Russland, genauer gesagt vom Staatsmedium RT DE (vormals Russia Today). Dessen jüngster Artikel zur Initiative liest sich nicht wie eine Berichterstattung, sondern wie eine Wahlkampfhilfe für das Ja-Lager.

«Anti-SVP-Medien»

Die Neutralitäts-Initiative müsse verstärkt auf die sozialen Medien setzen, um ein jüngeres Publikum zu mobilisieren, schreibt der RT-DE-Autor Hans-Ueli Läppli (siehe Textkasten). Der Artikel kritisiert, dass die Kampagne zu viel Geld in die – so heisst es – «Anti-SVP-Medien» «NZZ», SRF und «Tages-Anzeiger» investiere. Stattdessen müssten Influencer her. Es brauche junge, glaubwürdige Gesichter, die auf den sozialen Medien für die Initiative werben. Als positive Beispiele nennt der Artikel die beiden Rechtsaussenparteien AfD in Deutschland und FPÖ in Österreich.

Läppli im Schafspelz?

Als Autor der Geschichte wird «Hans-Ueli Läppli» aufgeführt. Ob hinter dem klischeehaft wirkenden schweizerischen Namen – er tritt immer wieder auf dem Portal RT auf – wirklich ein Schweizer Autor steckt, lässt sich nicht unabhängig verifizieren. Auch SRF brachte diesbezüglich schon Zweifel an: Kürzlich versuchte der Autor mit einem schweizerdeutschen Kommentar, angelehnt an Alfred Rassers Kultfigur HD Läppli, seine Schweizer Identität zu beweisen. Die brüchigen Sätze und der Dialekt-Mischmasch hinterlassen allerdings Fragezeichen.

Als Autor der Geschichte wird «Hans-Ueli Läppli» aufgeführt. Ob hinter dem klischeehaft wirkenden schweizerischen Namen – er tritt immer wieder auf dem Portal RT auf – wirklich ein Schweizer Autor steckt, lässt sich nicht unabhängig verifizieren. Auch SRF brachte diesbezüglich schon Zweifel an: Kürzlich versuchte der Autor mit einem schweizerdeutschen Kommentar, angelehnt an Alfred Rassers Kultfigur HD Läppli, seine Schweizer Identität zu beweisen. Die brüchigen Sätze und der Dialekt-Mischmasch hinterlassen allerdings Fragezeichen.

Die ungefragte «Wahlkampfhilfe» aus Kreml-nahen Kreisen dürfte den Initiativgegnern gelegen kommen. Sie bezeichnen die Vorlage als «Pro-Putin-Initiative».

Initianten winken ab

Das Ja-Lager hingegen winkt ab. «Es interessiert mich nicht, was die Russen machen. Wir sind hier in der Schweiz und wissen, wie man Abstimmungen gewinnt», sagt Walter Wobmann (68), Präsident des Abstimmungskomitees, auf Anfrage von Blick. Auf die Berichterstattung von Medien habe die Kampagne ohnehin keinen Einfluss, betont der frühere SVP-Nationalrat.

Auch andere erhielten Unterstützung aus dem Ausland, sagt Wobmann weiter: «Die Gegner machen dasselbe, wenn man schaut, wen sie in das Land holen, um gegen die Initiative zu kämpfen.»

Er bezieht sich dabei einerseits auf den – regulären – Besuch des deutschen Aussenministers Johann Wadephul (63) bei Bundesrat Ignazio Cassis (65). Andererseits spricht er ein Interview mit Carl Bildt (77) im «Tages-Anzeiger» an. Der ehemalige schwedische Ministerpräsident kritisierte darin die Schweizer Neutralität und bezeichnete die Schweiz als Trittbrettfahrer der Nato. Für Wobmann ein Unding: «Es ist bedenklich, wenn ausländische Leute das Gefühl haben, sie müssten in Schweizer Abstimmungen eingreifen.»

Der aktuelle Abstimmungskampf erhitzt die Gemüter. Nach der «10-Millionen-Schweiz» ist es bereits die zweite Vorlage in diesem Jahr, die auch im Ausland für Aufsehen sorgt. Umfragen zufolge hat die Neutralitäts-Initiative jedoch einen schweren Stand.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen