Darum gehts
- Peter Bodenmann (73) kritisiert in der «Weltwoche» scharf die SP-Führung
- Er wirft ihr Passivität bei der Währungspolitik vor
- Die SP-Spitze moralisiere, statt sich um Werkplatz und sozialen Wohnungsbau zu kümmern
Der ehemalige SP-Präsident Peter Bodenmann (73) holt zum medialen Rundumschlag gegen seine eigene Partei aus. In seiner aktuellen Kolumne in der «Weltwoche» spart der SP-Doyen nicht mit Häme für derzeitige Aushängeschilder der Genossen. Unter dem Schlagwort der «rosaroten Barbershop-Linken» kritisiert er eine Generation von Politikern, die den Fokus auf den Industriestandort Schweiz verloren habe. Sein Vorwurf: zu viel Moral, zu viel Freizeit.
Bodenmann wirft der SP-Spitze insbesondere eine gefährliche Passivität in der Währungspolitik vor. Während Industrielle wie Nick Hayek (71) den starken Franken als Jobkiller betiteln, bleibe der Widerstand der Sozialdemokraten aus. Früher habe die Linke eng mit dem Werkplatz zusammengearbeitet, um strategische Erfolge zu erzielen, kritisiert der Walliser Hotelier.
Mehrere SP-Politiker im Visier
Eine schlagkräftige SP muss laut Bodenmann die Nationalbank dazu zwingen, den Franken an den Euro zu binden, ähnlich wie es skandinavische Länder tun. Doch anstatt sich mit Industrie- und Währungspolitik zu befassen, verliere sich die heutige Führung in moralisierenden Debatten.
Bodenmann stört sich an einer ganzen Reihe von SP-Politikern und teilt happig aus. Dem Zürcher Nationalrat Fabian Molina (35) wirft er vor, sich in einem ideologischen Kampf gegen China zu verrennen, während er historische Notwendigkeiten und wirtschaftliche Realitäten ignoriere. Beat Jans (61) kritisiert er für seine Bewunderung des Dalai Lama, den Bodenmann in der Kolumne als «Sprüche-Onkel» bezeichnet.
Kritisiert Auszeiten der Parteispitze
Der Luzerner Nationalrat David Roth (40) wiederum kümmere sich lieber um das Verbot von Touristenbussen, anstatt zukunftsweisende Projekte wie den Bau von Sozialwohnungen voranzutreiben. Und der Bündner Jon Pult (41) habe zwar Potenzial, aber: «Er hat den Verein Alpeninitiative inhaltlich entleert: zu einem Wanderverein, der Alpenhonig verkauft.»
Besonders hart trifft es das Duo an der Parteispitze. Bodenmann bemängelt, dass sich Cédric Wermuth (40) und Mattea Meyer (38) regelmässig monatelang vom Co-Präsidium «erholen» müssten. Damit spielt er auf die Auszeiten der beiden an: Wermuth nahm sich 2023 zwischen der Winter- und Frühjahrssession eine Familienpause von rund zwei Monaten, während Mattea Meyer vor der Wintersession 2025 eine Auszeit ankündigte. Für den ehemaligen Parteipräsidenten ist diese Abwesenheit angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes unbegreiflich.
Bodenmann hatte Wermuth immer wieder kritisiert. Jetzt aber wirkt seine Kolumne wie eine Abrechnung. Das Fazit des Parteidoyens zur aktuellen Spitze: «Null Ahnung vom Winterstrombonus, von Brandschutz- und Erdbebenversicherungen sowie Industrie- und Währungspolitik. Anstatt konzeptionell zu arbeiten und arbeiten zu lassen, führen sie die Partei wie eine private Spendenkasse.»