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Prämien-Irrsinn im Amateursport?
Trainer bekommen 100 Franken Sackgeld – aber der Verein eine 50'000-Franken-Rechnung

Die Versicherungsprämien belasten Amateursport: Der FC Solothurn muss über 50'000 Franken für Unfallprämien zahlen. Präsident Marc Kalousek fordert Entlastung. Doch ganz so einfach ist das nicht.
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Marc Kalousek ist der Präsident des FC Solothurn. Er ärgert sich über hohe Versicherungsprämien.
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Darum gehts

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  • FC Solothurn kämpft mit hohen Unfallversicherungsprämien von über 50'000 Franken
  • 13 von 70 Mitarbeitenden verdienen über der 10'080-Franken-Grenze, alle versichert
  • Nationalrat debattiert am Mittwoch über Entlastung von Sportvereinen bei Prämien

Eine Grätsche, und die Saison ist vorbei: Verletzungen belasten den Amateursport. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch bei den Versicherungen. 

Beim FC Solothurn ist die Saison gelaufen, der Rasenplatz gesperrt. Den Aufstieg hat die Mannschaft verpasst. Präsident Marc Kalousek (38) hat längst die Vorbereitung für die nächste Saison begonnen. Ein zentraler Punkt: die Sponsorensuche. Obwohl der Verein nur in der vierthöchsten Schweizer Liga spielt, muss er mehrere hunderttausend Franken auftreiben. Ein grosser Teil geht für die Unfallversicherungsprämien drauf. «Wir zahlen über 50'000 Franken, das sind zwischen fünf und zehn Prozent unseres Budgets. Eine enorme Belastung», sagt Kalousek.

Verdient nur schon ein einziger Sportler oder ein Trainer mehr als 10'080 Franken pro Jahr, muss der Verein für alle Mitarbeitenden Prämien zahlen, selbst bei kleineren Entschädigungen.

«Mit dem Geld könnten wir in junge Talente investieren»

Beim FC Solothurn verdienen 13 Personen über der Schwelle. Doch 70 Mitarbeitende erhalten Geld, teilweise nur 100 bis 200 Franken. Trotzdem müssen sie unfallversichert sein. «Mit dem Geld für die Prämien könnten wir Nachwuchstrainer einstellen oder in junge Talente aus der Region investieren», ärgert sich Kalousek. «Fabian Rieder, der jetzt mit der Schweizer Nati in den USA an der WM spielt, hat hier angefangen. Wollen wir solche Juwele ausbilden, kostet das.» 

Im Bundeshaus hat FDP-Co-Präsident Benjamin Mühlemann (47) nun einen Vorstoss eingereicht. Sportvereine sollen bei der Versicherung entlastet werden. «Bis vor wenigen Jahren war es gängige Praxis, dass Unfälle im Rahmen von Vereinsaktivitäten im Breitensport als Nichtberufsunfälle galten und ohne Weiteres über die Unfallversicherung des Hauptarbeitgebers abgewickelt wurden», erinnert er sich. Das Problem betrifft nicht nur den Fussball. Alle Sportarten sind davon betroffen.

Kalousek kritisiert noch anderes. «Unsere Spieler haben Hauptberufe oder studieren. Sie sind bereits über die Krankenversicherung oder den Arbeitgeber abgesichert.» Den Vorwurf, das Risiko auf andere abzuwälzen, weist er zurück. «Es geht um Alltagsverletzungen, die auch in der Freizeit passieren könnten. Unsere Sportler sind trainiert, das senkt das Risiko.» Bei Kontaktsportarten wie Fussball steigen die Prämien. «Unser Satz gehört zu den Höchsten überhaupt.»

«Unser Satz gehört zu den Höchsten überhaupt», sagt Marc Kalousek.
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Beim FC Solothurn ist nur ein technischer Leiter Vollzeit angestellt. Die meisten der 45 Coaches stehen ohne grossen Lohn durchschnittlich dreimal pro Woche auf dem Platz. «Die Erwartungen an sie sind extrem hoch. Nicht nur vom Verein, auch vom Verband.» Ein Ehrenamt sei so nicht mehr möglich: «Wenn sie nichts bekommen, wechseln sie zu anderen Clubs. Es geht nicht um Luxus, sondern um eine kleine Anerkennung.» Würde der Verein alle ehrenamtlich beschäftigen, verlöre er sein Ausbildungslabel – und damit die Chance, Talente wie Rieder zu entdecken. 

Jedes Jahr versucht der Klub, die Beiträge zu senken. «Zum Beispiel, indem wir Spieler nur elf statt zwölf Monate beschäftigen.» Andere Vereine würden teure Spieler über die Firma des Clubchefs abrechnen lassen.

Krankenkassen helfen weniger

Im Ständerat fand Mühlemanns Vorstoss eine Mehrheit – ohne Gegenstimmen. Im Nationalrat gibt es Widerstand. Grünen-Nationalrätin Manuela Weichelt-Picard (58) führt ihn an – weil sie sich um die Athletinnen und Athleten sorgt. «Wenn Spieler oder Trainerinnen nicht unfallversichert sind, springt die Krankenkasse ein. Doch deren Leistungen sind schlechter», erklärt sie.

Weichelt-Picard weiter: «Die Betroffenen zahlen bei einem Unfall beispielsweise Franchise und Selbstbehalt, erhalten keine lebenslange Rente aus der Unfallversicherung und keine Lohnfortzahlung. Gerade Studierende oder Pensionierte mit einer kleinen Altersrente erhöhen ihre Franchise auf das Maximum, um Krankenkassenprämien zu reduzieren. Kommt es zu einem Unfall, etwa einem Kreuzbandriss, wird es für sie sehr teuer.»

Weichelt-Picard versteht die Sorgen der Vereine, betont aber: «Viele Spieler oder Trainerinnen studieren oder sind pensioniert.» Diese hätten nach dem entsprechenden Gesetz (UVG) keine andere Unfallversicherung. Auch ein Teil der Selbständigen habe dies nicht. Zudem habe man erst vor zwei Jahren die Freigrenze zugunsten der Vereine des Breitensports auf über 10'000 Franken erhöht – «wir sprechen also von einem Einkommen von mehr als 800 Franken pro Monat».

Dazu kommt: «Auf Spesen wird keine Unfallversicherung bezahlt und bei Einkommen ist es immer ein Prozentsatz. Verdient also mindestens eine Person 10'080 Franken und eine weitere Person 1000 Franken, dann erhöht sich der Versicherungsbeitrag nur marginal. Es ist je nach Branche sehr wenig Geld.»

Weichelt-Picard stammt aus dem Kanton Zug, wo 2001 ein Attentat im Parlament geschah. «Zum Glück hatte der Kanton Zug damals für die Parlamentarierinnen und Parlamentarier freiwillig eine Unfallversicherung nach UVG abgeschlossen, denn auch für diese sieht die Gesetzgebung eine Ausnahme vor. Dies hat damals im Kanton Zug einigen Personen, die nicht gegen Unfall versichert waren, gerade auch Selbständigerwerbenden und ihren Familien, das Leben finanziell sehr erleichtert.»

Auch der Bundesrat um Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) lehnt den Vorschlag ab. Sportvereine, die so viel Lohn auszahlen können, «bewegen sich nicht mehr im Rahmen des Breitensports», heisst es. Zudem müssten alle gleich behandelt werden. Es wäre «heikel», wenn einige Personen in einem Sportverein versichert wären und andere für dieselbe Tätigkeit nicht.

Der Nationalrat entscheidet am Mittwoch.

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