Sterben sie unnötig? Mäuse-Debatte erreicht Bundeshaus
«Das ist der grausamste und brutalste Tierversuch, den es gibt»

Viele Pharmaunternehmen und Universitäten haben den sogenannten Forced Swim Test längst aufgegeben. In der Schweiz wird er dennoch weiter eingesetzt. Eine Grünen-Nationalrätin fordert nun ein Verbot – und legt sich dabei mit der ETH Lausanne an.
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Nationalrätin Léonore Porchet fordert ein Verbot des Forced Swim Test.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Nationalrätin Porchet fordert Verbot des umstrittenen Forced Swim Test in der Schweiz
  • Der Test wird trotz Kritik an der ETH Lausanne und an den Universitäten Zürich und Lausanne weiter genutzt
  • Jährlich werden 100 bis 200 Millionen Franken für Tierversuche ausgegeben – Alternativen werden kaum gefördert
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

Grünen-Nationalrätin Léonore Porchet (36, VD) nimmt kein Blatt vor den Mund: «Das ist der grausamste und brutalste Tierversuch, den es gibt.» Sie fordert in einem Vorstoss ein Verbot des sogenannten Forced Swim Test. Wie der Name es schon erraten lässt, werden dafür Nagetiere zum Schwimmen gezwungen. Der umstrittene Tierversuch wird bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Depressionen angewendet und kommt in der Schweiz noch immer an der ETH Lausanne sowie an den Universitäten Lausanne und Zürich zum Einsatz. 

Das sorgt für Kritik. Eine Studentenvereinigung an der ETH Lausanne forderte eine öffentliche Debatte über den Forced Swim Test. Die Veranstaltung wurde jedoch bereits zweimal verschoben. «Die ETH Lausanne versucht offenbar, der Debatte aus dem Weg zu gehen. Das ist eine absolut undemokratische Haltung», sagt Porchet. 

Die Hochschule weist den Vorwurf zurück. Die Podiumsdiskussion sei verschoben worden, weil die Studentenvereinigung die Voraussetzungen für eine ausgewogene Debatte nicht erfüllt habe. «Die Diskussion wird nun im September stattfinden, sofern die vereinbarten Rahmenbedingungen respektiert werden», sagt ein Sprecher gegenüber Blick. Thema seien dabei Tierversuche allgemein.

Kein Modell für menschliche Depression

An der ETH Lausanne laufen derzeit zwei Forschungsprojekte, in denen der Forced Swim Test eingesetzt werden könnte. Für den Versuch setzt man Mäuse oder Ratten in einen tiefen Wasserzylinder, aus dem sie nicht entkommen können. Zunächst kämpfen sie gegen das Ertrinken an. Schliesslich geben sie auf und treiben bewegungslos an der Wasseroberfläche. Mäuse werden nach maximal 6 Minuten, Ratten nach 20 Minuten aus dem Wasser genommen. An der ETH wird der Test genutzt, um den Zusammenhang zwischen der Aktivität des Gehirns und motiviertem Verhalten zu erforschen.

In anderen Studien wird der Test häufig eingesetzt, um zu prüfen, ob Antidepressiva wirken: Behandelte Tiere sollen länger schwimmen und weniger Zeit regungslos im Wasser verbringen als unbehandelte.

Die Hochschule verweist darauf, dass jeder Tierversuch von einer unabhängigen kantonalen Kommission bewilligt werden muss. Ein Forscher, der den Test anwendet und seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, betont zudem, dass das Leid der Tiere möglichst gering gehalten werde. Das Wasser werde erwärmt, Tiere mit Schwierigkeiten sofort herausgenommen.

Der Stress sei vergleichbar mit jenem, den eine wilde Ratte an einem kalten Wintertag erlebe. «Ein pauschales Verbot wird der Realität der Forschung deshalb nicht gerecht», sagt er. Gleichzeitig räumt der Forscher gegenüber Blick ein, dass der Test keine menschliche Depression abbilde. «Zu sagen, dass eine treibende Maus depressiv ist, wäre eine zu vereinfachende Interpretation.» Auch der Bundesrat hält dies in seiner Stellungnahme zum entsprechenden Vorstoss fest.

«Test hat nie zur Entwicklung neuer Medikamente geführt»

Die Schweizer Liga gegen Tierversuche setzt sich seit Jahren für ein Verbot ein. «In den 50 Jahren seit seiner Erfindung hat der Test nie zur Entwicklung neuer Medikamente oder Therapien geführt», sagt Mediensprecherin Athénais Python. «Im Gegenteil: Es werden öffentliche Gelder verschwendet, während Menschen mit Depressionen auf bessere Medikamente hoffen. Umso grausamer ist es, Tiere für einen solchen Versuch leiden zu lassen.» In der Schweiz und in der EU ist der Forced Swim Test der Belastungsklasse 3 zugeordnet. Das ist die höchste Kategorie. 

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Für Python gibt es zwei Gründe, weshalb der Test in der Schweiz weiterhin eingesetzt wird: «Viele ältere Forschende führen diesen Test seit Jahrzehnten durch. Sie haben ihn nie hinterfragt und geben ihn nun an die nächste Generation weiter.» Gleichzeitig werde die Forschung an Tieren mit öffentlichen Geldern gefördert, während Alternativmethoden kaum Unterstützung erhielten. «Wir sprechen hier von 100 bis 200 Millionen Franken für Tierversuche und von nur wenigen Hunderttausend Franken für Ersatzmethoden.» 

Zahlreiche Pharmaunternehmen wie Sanofi, Bayer, Roche und Pfizer sowie viele Universitäten weltweit haben angekündigt, auf den Test zu verzichten. Auch von den Schweizer Universitäten fordert die Tierschutzorganisation eine klare Positionierung.

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