Polizeiaffäre in Uster ZH
Jetzt packt der Ex-Kommandant aus

Rechnungstricks und anonyme Briefe: Der Ex-Kommandant steht im Fokus der Polizeiaffäre von Uster. Im Blick-Interview schildert Andreas Baumgartner (48) nun erstmals seine Sicht der Dinge.
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Andreas Baumgartner wurde als Kommandant der Stadtpolizei Uster abgesetzt.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ex-Polizeikommandant Baumgartner spricht zur Affäre in Uster ZH
  • Er gibt Fehler zu, sagt aber: «Das war kein Alleingang»
  • Weiterhin bestreitet Baumgartner, anonyme Briefe verschickt zu haben

Herr Baumgartner, seit Wochen macht die Polizeiaffäre in Uster ZH Schlagzeilen. Sie haben seit Ihrem Abgang geschwiegen. Jetzt sind Sie bereit, mit Blick zu reden. Warum? 

Andreas Baumgartner: Eigentlich wollte ich weiter schweigen. Doch das Bashing meiner Person, verbunden mit geleakten Informationen, hat ein Ausmass angenommen, das ich nicht mehr hinnehmen kann. Es gab in den letzten Monaten Nächte, in denen ich kein Auge zugetan habe. Ich bin es mir, meiner Familie und auch meinem ehemaligen Korps schuldig, dass ich gewisse Dinge richtigstelle.

Der Skandal ist vielschichtig. Gehen wir die einzelnen Punkte durch. Erster Punkt: Laut einem Revisionsbericht wurden jahrelang Rechnungen bewusst gestückelt, um Ausgaben zu verschleiern.  

Ich stehe dazu: Bei den Rechnungen wurden teilweise Dinge gemacht, die formal nicht korrekt waren und die ich rückblickend anders machen würde. Doch das war kein Alleingang von mir. Und: Es ging immer um Anschaffungen, die für die Stadtpolizei Uster notwendig waren, um ihre Aufgaben im Dienste der Bevölkerung optimal zu erfüllen. Niemand hat sich persönlich bereichert, und es ging nie um Luxus. Und das Wichtigste ist: Es geschah nichts im Verborgenen. Meine Vorgesetzten wussten davon und haben es teilweise angeordnet.

Stadträtin Caviezel sagt, sie habe nur in einem Fall gesplittete Rechnungen visiert, beim Kauf von Strassenabsperrungen. Und sie habe nicht realisiert, dass sie bewusst gestückelt worden waren.  

Es kann sein, dass sie es so in Erinnerung hat. Ich erinnere mich anders. Und ich habe es auch anders notiert. Mehr will ich dazu hier nicht sagen.

Am meisten Schlagzeilen machte der BMW X2 mit 300 PS für 100'000 Franken, der über vier Rechnungen à 25'000 Franken gekauft wurde. Wie kam es dazu? 

Zu den Zahlen darf ich im Detail nichts sagen. Dass wir dieses Fahrzeug kauften, war richtig. Ich übernahm dafür im Korps die Verantwortung. Aber auch hier: Nichts ist im Verborgenen geschehen. Details werde ich der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) darlegen.

Zweiter Punkt: die hohen Busseneinnahmen. Haben Sie diese bewusst gesteigert, um sich Beschaffungen leisten zu können? Oder haben umgekehrt die hohen Einnahmen zu mehr Anschaffungen verleitet? 

Weder noch. Wir hatten am Bahnübergang beim Bahnhof Uster immer wieder Unfälle mit Automobilisten und Zügen. Um die Sicherheit zu erhöhen, stellten wir dort eine Kamera auf. Das war ein innovatives Pilotprojekt, das im Jahr 2025 mehr Einnahmen brachte als erwartet. Das ist die ganze Geschichte.

Kommen wir zum dritten Punkt: die anonymen Briefe an Bürger von Uster und an den damaligen Armeechef Thomas Süssli. Eine Administrativuntersuchung kommt zum Schluss, dass Sie mit «grosser Wahrscheinlichkeit» der Verfasser sind.  

Ich habe diese Briefe nicht geschrieben!

In der Untersuchung befragte man Sie, weil man sich von Ihnen Hinweise auf den Urheber erhoffte. Sie aber wollten vor allem Ihre eigene Unschuld beweisen und machten sich dadurch erst verdächtig. Ausserdem verweigerten Sie eine Handschriftenprobe. 

Hierbei bin ich lediglich dem Rat meiner Anwälte gefolgt und habe das Einverständnis zur Abgabe einer Handschriftenprobe zum Zeitpunkt der ersten Befragung nicht gegeben. Aus Verhältnismässigkeitsgründen. Noch mal: Ich habe die Briefe nicht geschrieben. Es gibt auch gewichtige Fakten, die mich entlasten. Zum Beispiel war ich zum Zeitpunkt, als eines der Schreiben verschickt wurde, im Ausland. Oder in einem Brief wurde ich ja selber kritisiert.

Sie haben einen eindrücklichen Lebenslauf: Staatsanwalt, Anwaltspatent, Doktor der Jurisprudenz, Karriere im Militär. Jetzt dieser unrühmliche Abgang in Uster. Wie verarbeiten Sie das? 

Ich wehre mich – als Mensch und als Vater. Ich bin weder naiv noch weltfremd, ich kann viel aushalten, und ich verstehe, dass es politische Interessen gibt. Aber wie man mit mir umging, geht man mit keinem Menschen um. Ich bin gegenüber meiner Familie, aber auch meinen Weggefährten und allen Angehörigen der Kommunalpolizeien des Kantons Zürich dazu verpflichtet, dass ich mich zur Wehr setze, wenn man mich zum politischen Spielball machen will. Ich habe in meinem Job in Uster nicht alles richtig gemacht, aber auch nicht alles falsch. Fast zehn Jahre habe ich Tag und Nacht mit grösstem Herzblut für Uster und seine Bevölkerung gearbeitet und meinem Korps immer den Rücken freigehalten. Ich stehe zu meinen Fehlern und übernehme dafür die Verantwortung. Deshalb habe ich mein Amt zur Verfügung gestellt. Ich würde mir wünschen, dass auch alle anderen Beteiligten sich ihrer Verantwortung stellen würden. Oder sich wenigstens fragen: Habe ich alles richtig gemacht?

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