Pöstlijäger unter Druck
«Hans Wicki setzt ruchlos seine Interessen durch»

Er wollte Bundesrat werden – und verlor gegen Karin Keller-Sutter. Dafür scheffelt der Freisinnige Mandate – und gilt als «Mr. Seilbahn».
Kommentieren
1/6
So zeigt sich FDP-Ständerat Hans Wicki am liebsten: als Bergler mit Ehefrau Monika.
Foto: STEFAN BOHRER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hans Wicki nach Titlis-Unfall unter Druck, verteidigt Mitarbeiter öffentlich
  • Kritiker werfen ihm Lobbyismus und Interessenkonflikte bei Grimselbahn vor
  • Wicki hat zig Mandate
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Raphael_Rauch (1).jpg
Raphael RauchBundeshausredaktor

FDP-Ständerat Hans Wicki (62) steht nach dem Absturz einer Seilbahn-Gondel unter Druck. Der Nidwaldner Politiker ist Verwaltungsratspräsident der Titlis-Bergbahnen sowie Präsident von Seilbahnen Schweiz – und betont gern, wie sicher und professionell in der Branche gearbeitet werde. Nun muss er erklären, wie es zu dem tödlichen Unglück kam. Dabei greift er möglicherweise zu vorschnellen Aussagen. Und behauptete, die Titlis-Mitarbeiter hätten alles richtig gemacht.

Bei den Bundesratswahlen 2018 trat Wicki gegen Karin Keller-Sutter (62) an – und zog den Kürzeren, unter anderem wegen seiner bescheidenen Französischkenntnisse. Im Bundeshaus gilt der Freisinnige als Pöstlijäger: «Hans macht nichts mehr für die Partei. Er macht nur, was ihm persönlich etwas bringt», sagt ein ihm nahestehender Parlamentarier.

Die Liste der Mandate ist lang, die Honorare üppig

Ausser beim Verband der Bergbahnen ist er Präsident der Grimselbahn, der Baulobby «Bauen Schweiz», des Zentralschweizer Komitees Durchgangsbahnhof Luzern, der Vereinigung für autonome Mobilität und des Glasfasernetzes Schweiz. Hinzu kommt sein Engagement für den Schindler-Konzern. Die Liste seiner Mandate ist lang, seine Honorare sind üppig. Der Spruch, ein Ständerat müsse mindestens eine Million im Jahr kassieren, dürfte im Falle Wicki keine Polemik sein, sondern gelebte Realität.

In Bern erzählt man sich, der Nidwaldner habe das Honorar für sein Bergbahn-Präsidium verdoppelt. Schon früher sorgte Wicki für Kritik: Als Nidwaldner Baudirektor segnete er einen Entscheid zugunsten der Titlis-Bahnen ab – kurz darauf liess er sich in deren Verwaltungsrat wählen, später wurde er Präsident. Kritiker sehen darin einen offensichtlichen Interessenkonflikt.

Wicki geht direkt zu Albert Rösti

Nirgendwo zeigt sich Wickis Neigung zum Lobbyismus deutlicher als beim Grimseltunnel. Einer, der ihn gut kennt, sagt es deutlicher: «Hans Wicki setzt ruchlos seine Interessen durch.» Als Präsident der Verkehrskommission gab er in einer Stichabstimmung den Ausschlag für eine Motion, die eine Finanzierung des Tunnels im Express-Tempo verlangte. Zugleich sitzt er als VR-Präsident der Grimselbahn AG genau in jener Firma, die Planung und Bau des Tunnels übernehmen soll.

Wicki soll sogar seine Innerschweizer Kollegen unter Druck gesetzt haben. «Wer den Grimsel nicht unterstützt, riskiert, dass der Durchgangsbahnhof Luzern auf der Strecke bleibt», soll er gesagt haben. Dem Vernehmen nach interveniert er bei Bedarf direkt bei SVP-Bundesrat Albert Rösti (58), um damit die Beamten des Bundesamts für Verkehr (BAV) auszubooten.

Wicki verhindert Verordnung

Zwischen dem BAV und dem Seilbahnverband bestehen schon länger Spannungen. Schon unter Wickis Vorgänger gab es Probleme, später wurde der Machtkampf heftiger. Als die damalige Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga (65) strengere Vorgaben für Seilbahnbauten per Verordnung einführen wollte, stemmte sich die Branche mit voller Wucht dagegen – und Wicki stand dabei an vorderster Front, wie der «Beobachter» enthüllte. Unter Sommarugas Nachfolger Rösti wurden die Regulierungen wieder aufgeweicht, Wicki triumphierte.

Kurz nach dem Gondel-Unglück blieb Wicki im Bundeshaus – es war Session. Nun ist er abgetaucht. Gut möglich, dass seine Lobby-Maschinerie derzeit nicht mehr läuft wie geschmiert.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen