Darum gehts
- SVP-Politiker Guy Parmelin hört Ende 2026 als Bundesrat auf
- Er will künftig wieder mehr Zeit mit seiner Frau verbringen
- Ein Rückblick auf intensive Momente während Parmelins Amtszeit
Guy Parmelin begutachtet die feinen Knospen seines Apfelbaums daheim in Bursins VD. Es ist 2020, die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Simonetta Sommaruga hat ihm das Bäumchen zu seiner Wahl als Bundespräsident geschenkt. «Ein wunderschönes Symbol für das Leben», sagt er. Über den Winter pflegt er es im Haus, im Frühling pflanzt er es mit seiner Frau Caroline im Garten ein.
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Nun kehrt der Mann, der auch im höchsten Amt des Landes nie die Bodenhaftung verloren hat, wieder ganz heim. Ende 2026 tritt Parmelin zurück.
Als der gelernte Meisterlandwirt und Weinbauer aus der Waadt im Dezember 2015 in den Bundesrat gewählt wird, ist er für viele ein Mann aus der zweiten Reihe, ein «Alibi-Kandidat» der SVP. Bei den Hearings wird er nach seinen Sprachkenntnissen gefragt. «I can English understand, but je préfère répondre en français.» Sogar die «New York Times» druckt den Satz. Parmelin nimmt den Spott mit Humor. Am Wahltag sagt er den Journalisten: «Im Herzen bleibe ich Bauer. Aber mein Beruf ist nun Bundesrat.»
Er hält sich daran – und wächst in das Amt hinein. Sechs Jahre später, im Juni 2021, stehen auf den Stufen der Villa La Grange in Genf drei Männer vor der Weltpresse: Wladimir Putin, Joe Biden – und Guy Parmelin. Der Mann, über dessen Englisch gelacht wurde, empfängt den Präsidenten der USA und Russlands. Er spricht Französisch, Englisch und ein paar Worte Russisch. Plötzlich wirkt er wie geschaffen für die Weltpolitik.
Die schwierigste Zeit
Die schwierigste Zeit seiner Amtsjahre erlebt Parmelin während der Corona-Pandemie. Als Wirtschaftsminister organisiert er Hilfe für die gebeutelten Branchen. Er betont, die Schweiz sei «recht soft» durch die Krise gekommen, besser als viele andere Länder. Zu seinen Erfolgen zählen verschiedene Freihandelsabkommen, darunter jenes mit Indien.
Ein «Meilenstein für die Schweizer Handelspolitik», sagt er. Doch auch ihm gelingt nicht alles: Der 2024 verabschiedete «Aktionsplan Wohnungsknappheit» hat wenig bewirkt, und den Kampf um die Agrarpolitik ab 2030 überlässt er seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin. Als zweifacher Bundespräsident führt er das Land durch schwierige Zeiten. Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana versichert er den Betroffenen: «Sie sind nicht allein.» Die Schweiz werde die Verletzten mit allen medizinischen Mitteln unterstützen.
Zurück zu den Wurzeln
Wer Guy Parmelin verstehen will, muss den «Homme du terroir» in Bursins erleben. Seit Jahrhunderten lebt seine Familie in dem 830-Seelen-Dorf. Seine Ehefrau Caroline weicht all die Jahre nicht von seiner Seite.
Für ihren Mann gibt die Sekundarlehrerin 2016 ihre Stelle auf, um unter der Woche mit ihm in Bern zu leben. «Unser Leben hat sich seit der Wahl von Guy komplett verändert.» Zu Beginn seiner Bundesratszeit hilft sie ihm, Deutsch zu lernen. Später verweigert sie das Training zu Hause: «Ich spreche und höre die ganze Woche Deutsch. Ich habe das Recht, mich in einem französischsprachigen Umfeld zu erholen.»
Wenn der Waadtländer spöttisch als «der nette Herr Parmelin» oder «radikal kollegial» betitelt wird, hält seine Frau dagegen: «Ich finde es gut, dass mein Mann anständig und nett ist. Das sind Werte, die wichtig sind.»
Nun freut sich Guy Parmelin darauf, morgens den Kaffee mit seiner Frau zu geniessen, mit ihr in die Oper zu gehen und wieder Zeit in den Weinbergen zu verbringen. Mit einem Glas Chasselas oder bei der Pflege seines Apfelbaums.