Der Kraftort des abtretenden SVP-Manns
Der Bundesrat, der auch Bauer blieb – Guy Parmelin ganz privat

Vom unterschätzten SVP-Kandidaten zum krisenfesten Staatsmann, vom Landwirt zum zweifachen Bundespräsidenten: Nun zieht es Guy Parmelin zurück nach Hause – zu den Rebbergen und zu seiner Frau Caroline, an seinen Kraftort. Ein Rückblick.
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Guy Parmelin tritt Ende Jahr zurück. 2019 wanderte er mit seiner Frau Caroline und 200 Leserinnen und Lesern der SI durch seine Heimat.
Foto: Kurt Reichenbach

Darum gehts

  • SVP-Politiker Guy Parmelin hört Ende 2026 als Bundesrat auf
  • Er will künftig wieder mehr Zeit mit seiner Frau verbringen
  • Ein Rückblick auf intensive Momente während Parmelins Amtszeit
Silvana Degonda
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Guy Parmelin begutachtet die feinen Knospen seines Apfelbaums daheim in Bursins VD. Es ist 2020, die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr. Simonetta Sommaruga hat ihm das Bäumchen zu seiner Wahl als Bundespräsident geschenkt. «Ein wunderschönes Symbol für das Leben», sagt er. Über den Winter pflegt er es im Haus, im Frühling pflanzt er es mit seiner Frau Caroline im Garten ein.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Blick+ Nutzer haben exklusiv Zugriff im Rahmen ihres Abonnements. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

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Nun kehrt der Mann, der auch im höchsten Amt des Landes nie die Bodenhaftung verloren hat, wieder ganz heim. Ende 2026 tritt Parmelin zurück.

Zu seiner Wahl als Bundespräsident schenkt Simonetta Sommaruga ihrem Nachfolger einen Apfelbaum. Parmelin hatte neben der Politik nur wenig Zeit für den Hof – die Hauptarbeit macht sein Bruder Christophe Parmelin.
Foto: Kurt Reichenbach

Als der gelernte Meisterlandwirt und Weinbauer aus der Waadt im Dezember 2015 in den Bundesrat gewählt wird, ist er für viele ein Mann aus der zweiten Reihe, ein «Alibi-Kandidat» der SVP. Bei den Hearings wird er nach seinen Sprachkenntnissen gefragt. «I can English understand, but je préfère répondre en français.» Sogar die «New York Times» druckt den Satz. Parmelin nimmt den Spott mit Humor. Am Wahltag sagt er den Journalisten: «Im Herzen bleibe ich Bauer. Aber mein Beruf ist nun Bundesrat.»

Auf dem Waffenplatz in Thun BE übt der Bundesrat 2017 mit Soldaten den Dienst an der Waffe. Parmelin, der in der Armee «nur» den Grad eines Korporals erreichte, ist von Anfang 2016 bis Ende 2018 Verteidigungsminister.
Foto: Kurt Reichenbach

Er hält sich daran – und wächst in das Amt hinein. Sechs Jahre später, im Juni 2021, stehen auf den Stufen der Villa La Grange in Genf drei Männer vor der Weltpresse: Wladimir Putin, Joe Biden – und Guy Parmelin. Der Mann, über dessen Englisch gelacht wurde, empfängt den Präsidenten der USA und Russlands. Er spricht Französisch, Englisch und ein paar Worte Russisch. Plötzlich wirkt er wie geschaffen für die Weltpolitik.

2021 ist der Waadtländer zum ersten Mal Bundespräsident. Wegen der Pandemie müssen viele Geschäfte schliessen. «Ich habe Unternehmer mit Tränen in den Augen gesehen», sagt Parmelin.
Foto: keystone-sda.ch

Die schwierigste Zeit

Die schwierigste Zeit seiner Amtsjahre erlebt Parmelin während der Corona-Pandemie. Als Wirtschaftsminister organisiert er Hilfe für die gebeutelten Branchen. Er betont, die Schweiz sei «recht soft» durch die Krise gekommen, besser als viele andere Länder. Zu seinen Erfolgen zählen verschiedene Freihandelsabkommen, darunter jenes mit Indien.

Ein «Meilenstein für die Schweizer Handelspolitik», sagt er. Doch auch ihm gelingt nicht alles: Der 2024 verabschiedete «Aktionsplan Wohnungsknappheit» hat wenig bewirkt, und den Kampf um die Agrarpolitik ab 2030 überlässt er seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin. Als zweifacher Bundespräsident führt er das Land durch schwierige Zeiten. Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana versichert er den Betroffenen: «Sie sind nicht allein.» Die Schweiz werde die Verletzten mit allen medizinischen Mitteln unterstützen.

Daheim in Bursins VD erholt sich der 66-Jährige beim Comiclesen. «Diese Ausgabe von ‹Leutnant Blueberry› haben die beiden Autoren signiert», sagt der Wirtschaftsminister 2024 beim Besuch der SI.
Foto: Kurt Reichenbach

Zurück zu den Wurzeln

Wer Guy Parmelin verstehen will, muss den «Homme du terroir» in Bursins erleben. Seit Jahrhunderten lebt seine Familie in dem 830-Seelen-Dorf. Seine Ehefrau Caroline weicht all die Jahre nicht von seiner Seite.

Für ihren Mann gibt die Sekundarlehrerin 2016 ihre Stelle auf, um unter der Woche mit ihm in Bern zu leben. «Unser Leben hat sich seit der Wahl von Guy komplett verändert.» Zu Beginn seiner Bundesratszeit hilft sie ihm, Deutsch zu lernen. Später verweigert sie das Training zu Hause: «Ich spreche und höre die ganze Woche Deutsch. Ich habe das Recht, mich in einem französischsprachigen Umfeld zu erholen.»

Wenn der Waadtländer spöttisch als «der nette Herr Parmelin» oder «radikal kollegial» betitelt wird, hält seine Frau dagegen: «Ich finde es gut, dass mein Mann anständig und nett ist. Das sind Werte, die wichtig sind.»

2015 posiert der damalige SVP-Nationalrat während des Wahlkampfs zu Hause mit seiner Frau.
Foto: Monika Flueckiger

Nun freut sich Guy Parmelin darauf, morgens den Kaffee mit seiner Frau zu geniessen, mit ihr in die Oper zu gehen und wieder Zeit in den Weinbergen zu verbringen. Mit einem Glas Chasselas oder bei der Pflege seines Apfelbaums.

«Switzerland – Great Since 1291»: An der Fussball-WM legt Parmelin neben Fifa-Boss Gianni Infantino einen Auftritt mit Augenzwinkern hin. Nach dem Match der Schweiz gegen Algerien wird die Kappe zum Verkaufsschlager.
Foto: Toto Marti
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