Notstand bei den Kleinen
Immer mehr Kantone bieten Dreijährige zu Sprachtests auf

Im Kanton Zug müssen Dreijährige mit ungenügenden Sprachkenntnissen bald verpflichtend in eine Kita. Bildungsdirektor Stephan Schleiss will so die Sprachförderung verbessern. Auch andere Kantone ziehen mit – mit unterschiedlich strengen Massnahmen.
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Im Kanton Zug sollen bald alle Dreijährigen auf ihre Sprachkenntnisse geprüft werden.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zug plant ab 2027 Sprachtests für Dreijährige mit verpflichtenden Förderprogrammen
  • Basel-Stadt investiert jährlich 2,4 Mio. Franken in kostenlose Sprachförderung
  • 80 % der Kinder in Basel erreichen ausreichende Deutschkenntnisse vor Kindergarten
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Joschka SchaffnerRedaktor Politik

Geht es mit den Deutschkenntnissen unserer Kinder den Bach ab? Man könnte es fast meinen, wenn man die Rufe aus den Schulen hört. Vergangenes Jahr warnte selbst die OECD, die internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Hierzulande sprechen zu viele Kinder mit Migrationshintergrund zu Hause keine Landessprache.

Um das Sprachniveau an den Primarschulen sicherzustellen, setzen die Kantone immer früher an. Mit sogenannten Sprachstandserhebungen soll bereits den Dreijährigen auf den Puls gefühlt werden. Im Kanton Zug droht Nachzüglern gar bald die Straf-Kita.

Auch Aargau startet obligatorische Erhebungen

So soll es jedenfalls werden, wenn man den Worten des Zuger SVP-Bildungsdirektors Stephan Schleiss (53) glaubt. «Wir werden bei allen Dreijährigen im Kanton Sprachstandserhebungen durchführen», kündigte der Regierungsrat im Interview mit der «NZZ am Sonntag» an. «Und wer dort gewisse Mindestwerte nicht erfüllt, muss an zwei Halbtagen pro Woche eine Kita oder Spielgruppe besuchen.»

Inwiefern die Zwangsförderung zulasten der Eltern gehen wird, lässt Schleiss noch offen. Zug ist aber keineswegs der einzige Kanton, der diesen Weg geht: Im Kanton Aargau gilt die Sprachstandserhebung etwa ab diesem Schuljahr als obligatorisch – «eineinhalb Jahre vor dem Kindergarten für alle Gemeinden», schreibt die Bildungsdirektion.

Basel-Stadt ist der grosse Vorreiter

Anders als in Zug sind die Massnahmen jedoch freiwillig. Und es sei den Gemeinden auch frei überlassen, wie sie die Sprachförderung gestalten sollen. Klar ist nur: «Die Elternbeiträge für den Besuch eines solchen Deutschförderangebots werden möglichst tief gehalten.» Dafür erhalten die Gemeinden eine jährliche Pauschale.

Ähnlich wie der Aargau handhaben es beispielsweise auch die Kantone Solothurn und Luzern. Auch dort können letztlich die Gemeinden entscheiden, ob sie die Kinder mit Förderbedarf zum Sprachkurs verpflichten möchten.

Deutlich strenger ist es im Kanton Basel-Stadt, dem Vorreiter bei der sprachlichen Frühförderung: Dort müssen bereits seit 13 Jahren alle Eltern einen Fragebogen zu den Sprachkenntnissen ihres Kindes ausfüllen. Und wird ein Förderbedarf festgestellt, müssen die Kinder zwingend an drei Halbtagen pro Woche in eine Kita oder Spielgruppe. Also wohl genau so, wie es sich nun auch der Kanton Zug vorstellt.

Zürich hinkt weiter nach

Das Angebot lässt sich Basel-Stadt jährlich rund 2,4 Millionen Franken kosten, für die Eltern ist es kostenlos. Mit Erfolg: Dank der Massnahmen würden am Ende rund 80 Prozent der Kinder kurz vor Kindergarteneintritt über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, teilte die Basler Erziehungsdirektion bereits im Frühling mit. Die Studie der Universität Basel, auf deren Expertise auch der Aargau zurückgriff, bilanzierte zudem: Ob die Kinder in einer Kita oder in einer Spielgruppe gefördert werden, macht keinen Unterschied.

Kein Wunder weckt dies in immer mehr Kantonen Interesse. Neben Zug tut sich auch in Zürich etwas: Zwar wurde die obligatorische Frühförderung in den vergangenen Jahren bereits mehrfach verworfen. Im Juli reichte eine GLP-Parlamentarierin die Forderung nach einer gesetzlichen Grundlage dieses Jahr erneut im Kantonsparlament ein. Doch so ganz weit wie in Basel will der Vorstoss nicht gehen: Auch hier sollen die Gemeinden vorerst selbst entscheiden.

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