Die integrative Schule steht nicht nur politisch unter Beschuss. Eine Umfrage zeigt: Auch bei den Lehrpersonen hat sie einen schweren Stand. Über 10'000 Personen hat der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer (LCH) befragt. Das Ergebnis: ein Patt. 51 Prozent stehen hinter der integrativen Schule, 48 dagegen. Klingt nach Halbe-Halbe. Ist es aber nicht.
Blendet man Schulleitungen und Heilpädagoginnen aus und schaut nur auf jene, die täglich allein vor der Klasse stehen, lehnt eine klare Mehrheit von über 54 Prozent das Modell ab. Die Lehrpersonen können nicht allen Kindern gerecht werden. Ein vernichtendes Verdikt. Gescheitert ist das System der integrativen Schule deshalb nicht. Aber dessen Umsetzung.
Dabei ist nicht zu wenig Geld das Problem, sondern die falsche Verteilung. Die Ressourcen sind da – sie stecken in privat geführten Sonderschulen. Genau dort sitzt geballtes sonderpädagogisches Fachwissen, das den überlasteten Klassenlehrpersonen fehlt: im Umgang mit herausforderndem Verhalten, Lernblockaden und Diagnosen.
Würden Sonderschulklassen unter dasselbe Dach wie Regelklassen kommen, könnte dieses Wissen dorthin fliessen, wo es täglich gebraucht wird. Die Trennung schafft ohnehin ein perverses System: Sonderschulen leben von ihren Fallzahlen, die Regelschule hat wenig Interesse an Rückkehrern. Wer einmal aussortiert ist, bleibt es fast immer.
Die Lösung liegt nicht in der Abschaffung der Integration, sondern in ihrer Weiterentwicklung: ein gemeinsames Haus, fächerweise durchlässig, mit geteiltem Fachwissen statt geteilter Welten. Bis dahin verlangt das System von den Lehrpersonen Integration – und verweigert ihnen die Mittel dafür.