Darum gehts
- Schweiz droht wegen Überalterung Steuerbasis zu verlieren, warnt Steuerverwaltung
- Zuwanderung könnte finanzpolitischen Druck mindern, da Zugewanderte mehr beitragen
- OECD-Studien: Effekt auf Steuerbasis mässig, genaue Schweiz-Folgen unklar
Die Schweiz droht immer älter zu werden. Die Warnung davor ist nicht neu, doch bezieht sie sich meistens auf die naheliegendsten Konsequenzen: Der Rententopf könnte überstrapaziert werden, die Gesundheitskosten drohen ins Unermessliche zu steigen.
Beim Bund ist beides natürlich auch weit oben auf der Traktandenliste. Besonders Gesundheits- und Sozialministerin Elisabeth Baume-Schneider versucht etwa mit der AHV-Reform, die sinkende Geburtenrate und die immer länger werdende Lebenserwartung abzufedern. Ein neuer Bericht der Eidgenössischen Finanzverwaltung (EFV) warnt jedoch noch weitaus breiter: Neben den zunehmenden Altersleistungen könnten der Schweiz auch immer mehr Steuereinnahmen durch die Lappen gehen.
Braucht es die Vermögenssteuer?
Das Problem: In der Schweiz läuft die Besteuerung von natürlichen Personen vorwiegend über das Erwerbseinkommen. Heisst: Sind zu viele Schweizerinnen und Schweizer bereits im Rentenalter, «könnte sich die künftige Steuerbasis abschwächen», so die EFV.
Müsste der Bund also schleunigst bei seinem Steuersystem über die Bücher? So prekär ist die Situation wohl dann laut dem Bericht doch nicht: Erste internationale Studien der OECD würden nämlich darauf hindeuten, dass der Effekt doch eher mässig sei.
Inwiefern sich die Resultate aus dem Ausland auf die Schweiz übertragen lassen, hält der Bericht des Bundes jedoch offen. Gut möglich also, dass höhere Steuern auf Vermögen, Dividenden oder gar Unternehmen dann doch irgendwann als Lösungen für die Überalterung aufs Tapet kommen.
Zuwanderung als Lösung?
Die naheliegende Massnahme – nämlich mehr Kinder zu kriegen – ist laut der EFV kurzfristig eher unrealistisch. Doch habe der Geburtenschwund für die öffentliche Hand auch seine positiven Seiten: Während bei den Renten die Ausgaben zwar steigen, fallen sie bei familienbedingten Leistungen wie etwa Kinderzulagen weiter weg.
Zudem streicht der Bund besonders einen Kniff hervor, der auch wiederholt in der Debatte rund um die 10-Millionen-Schweiz aufgeworfen wird: die Zuwanderung. «Eine arbeitsmarktorientierte Zuwanderung kann den finanzpolitischen Druck mindern, da Zugewanderte in der Schweiz im Durchschnitt mehr Steuern und Sozialversicherungsbeiträge entrichten, als sie staatliche Leistungen beziehen», schreibt die Finanzverwaltung.