Darum gehts
- Englisch wird bei SBB-Durchsagen immer präsenter, kritisiert Nationalrat Daniel Ruch
- Analyse: Bei 40 Prozent der Züge nur Deutsch und Englisch verwendet
- Ruch fordert: Mindestens zwei Landessprachen vor Englisch bei SBB-Durchsagen
Wer mit dem Zug in den Hauptbahnhof Zürich einfährt, wähnt sich oft in einer Endlosschleife: Kaum sind alle Anschlusszüge auf Deutsch aufgezählt, folgt dieselbe Liste auf Französisch und Englisch. Dabei gewinnt das Englische bei den SBB an Bedeutung: Auch auf den Perrons werden wartende Passagiere immer häufiger über ihren «next stop» oder «connecting trains» informiert. Kürzlich berichtete CH Media zudem, dass die grossen Anzeigetafeln in den Bahnhöfen neuerdings auch auf Englisch beschriftet sind.
Dem Waadtländer FDP-Nationalrat Daniel Ruch (63) ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge. In vielen Fällen verdränge Englisch die Landessprache, kritisiert er in einem Vorstoss. Dieses Fazit basiert auf einer akribischen Analyse von 50 Zugfahrten nach Zürich. Das Ergebnis: Bei über 40 Prozent der Fahrten waren die Durchsagen lediglich auf Deutsch und Englisch zu hören. In fast einem Viertel der Züge wurde Englisch vor dem Französischen durchgegeben. Nur bei einem weiteren Viertel entsprach die Reihenfolge Deutsch, Französisch und danach Englisch. Italienisch tauchte so gut wie gar nicht auf.
Zweite Landessprache soll obligatorisch sein
Zwar sei diese Entwicklung noch nicht in allen Regionen der Schweiz gleich stark ausgeprägt, doch sie dürfe sich keinesfalls weiter verstärken oder ausweiten, findet Ruch. Die grosse Mehrheit der Passagiere im öffentlichen Verkehr seien in der Schweiz wohnhafte Personen. «Die zweite Sprache, in der sich die SBB an ihre Kundschaft wendet, sollte daher logischerweise eine Landessprache sein und nicht Englisch.»
Ruch hat deshalb eine Interpellation eingereicht. Er will vom Bundesrat wissen, ob er bereit ist, auf dem Verordnungsweg oder per Richtlinie an die SBB und andere konzessionierte Unternehmen ein Machtwort zu sprechen. Ruch fordert eine klare Regel: Bei allen Durchsagen an die Reisenden müssen künftig mindestens zwei Landessprachen jeder Nicht-Landessprache vorausgehen.
Ruch geht es bei seinem Vorstoss um mehr als um Durchsagen im Zug. Der sprachliche Zusammenhalt des Landes sei in einer heiklen Phase. «Die Verteidigung der Schweizer Mehrsprachigkeit erfordert auch den täglichen Kontakt mit den anderen Landessprachen, sowohl im öffentlichen Raum als auch im Verkehr», schreibt Ruch im Vorstoss.