Darum gehts
- Glücksspielbranche Schweiz: 2025 Einnahmen von weit über 800 Millionen Franken
- Organisierte Kriminalität verursacht Einnahmeverluste, 580 illegale Seiten gesperrt
- Spielbankenkommission fordert modernes Strafrecht, aktuelles stammt aus 1974
In dieser Branche lockt das Geld: Casinos und Glücksspiele sorgen für Milliardenumsätze in der Schweiz. 564 Millionen Ertrag spülten die «Spielhöllen» 2025 in die Kassen der Betreiber, hinzu kommen 314 Millionen aus Onlinespielen. Davon profitieren alle: Die AHV bekam über 350 Millionen Franken aus der Gewinnspielabgabe.
Wo das Geld locker zu holen ist, fehlen auch illegale Machenschaften nicht: Die organisierte Kriminalität mischt in der Hoffnung auf enorme Gewinne mit. Sie ist digital aufgestellt und gut vernetzt. Durch ihre Parallel-Angebote entgehen dem Bund saftige Einnahmen. Im vergangenen Jahr hat die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) deshalb 105 neue Verfahren eröffnet, 28 Hausdurchsuchungen durchgeführt und 580 illegale Onlineseiten sperren lassen. Das schreibt die ESBK in ihrem neusten Jahresbericht.
Doch im Kampf gegen illegale Angebote sind den Behörden oft die Hände gebunden. Das Recht gibt den Ermittlern längst nicht die Möglichkeiten, die sie gern hätten. Sie können fast nur Bussen aussprechen. Anders als sonst im Strafrecht dürfen sie keine Haft anordnen, wenn Wiederholungsgefahr besteht. Und die Kommission kann keine Telefonkontrollen durchführen.
Verbrecher sind digital unterwegs, Gesetz stammt von 1974
«Auch Gewinne kann die Behörde kaum abschöpfen», nennt die ESBK auf Anfrage von Blick einen weiteren Mangel. Die Ermittler können Gelder nur beschlagnahmen, wenn sie deren Herkunft aus illegalen Quellen lückenlos nachweisen. «Für eine sofortige Schliessung oder Versiegelung von durchsuchten Spiellokalen fehlt die gesetzliche Grundlage – ein Umstand, den Betreiber oft für die umgehende Wiedereröffnung nutzen», so die ESBK.
Der Grund: Das Verwaltungsstrafrecht, mit dem die Spielbankenkommission arbeitet, stammt aus dem Jahr 1974. «Das war das Jahr, in dem Deutschland mit Beckenbauer und Müller Fussballweltmeister wurde», kritisiert Fabio Abate (60). Der Tessiner Ex-Ständerat präsidiert die Spielbankenkommission. Abates Forderung: «Die Ermittlungsbehörden müssen über angemessene Mittel verfügen.» Die Kommission fordert ein modernes Verwaltungsstrafrecht, um die sich rasch ausbreitenden kriminellen Strukturen «effizient strafrechtlich zu verfolgen und zu bekämpfen».
Scheitern Verbesserungen am Geld?
Das Departement von Bundesrat Beat Jans (61) muss derzeit einen Vorschlag für ein neues Verwaltungsstrafrecht ausarbeiten. Doch es ist gut möglich, dass die Kommission auch künftig nicht so viel Biss erhält, wie sie gern möchte. Denn der Bundesrat und die Kantone wollen das Verwaltungsstrafrecht so modernisieren, dass kaum zusätzliche Kosten entstehen.
Die Spielbankenkommission aber fordert zusätzliche Ressourcen. «Heute ist die ESBK regelmässig auf die Unterstützung von kantonalen Polizeibehörden und anderen Bundesbehörden angewiesen», schreibt die Kommission auf Anfrage von Blick. «Mit einer eigenen Gerichtspolizei und den damit verbundenen Ressourcen könnte die Wirksamkeit namentlich in der Ermittlungsarbeit gesteigert werden.» Bis es so weit ist, haben die illegalen Abzocker im Zockermilieu leichtes Spiel.