Kosten: Bis zu 15 Millionen
Willes geheimer UKW-Plan

SRG-Chefin Susanne Wille hat versprochen, die Ultrakurzwelle so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen – lässt sich aber Zeit.
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SRG-Chefin Susanne Wille verspricht, so schnell wie möglich wieder auf UKW zu senden.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SRG kehrt im dritten Quartal 2026 mit Radioprogrammen auf UKW zurück
  • Erster Ausbau kostet 6,6 Mio. Franken und deckt 85 % der Bevölkerung ab
  • Vollständige UKW-Abdeckung für 95 % erst bis Ende 2028 geplant
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Die Kehrtwende kam kurz vor der SRG-Abstimmung: Im Dezember 2025 gab SRG-Chefin Susanne Wille (52) bekannt, die öffentlich-rechtlichen Radioprogramme würden wieder zu UKW zurückkehren. Eine Entschuldigung für den Zickzackkurs in der Sendetechnik brachte sie nicht über die Lippen – immerhin räumte sie ein, es tue ihr leid.

Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) hat letzte Woche die neuen Rahmenbedingungen zur Vergabe von UKW-Funkkonzessionen festgelegt. Gute Nachricht für die SRG: Die bisherigen Frequenzen werden nicht neu ausgeschrieben, sondern blieben reserviert. Entsprechend schnell könnte nun alles gehen. «Die Freigabe der UKW-Frequenzen tritt ab dem 1. Juli 2026 in Kraft», teilt das Bakom mit.

SRG im gemächlichen Tempo

Zwar hatte die SRG ausreichend Zeit, das UKW-Comeback vorzubereiten. Doch der 1. Juli dürfte angesichts ihres üblicherweise gemächlichen Tempos zur Herausforderung für die SRG werden. Aus internen Dokumenten, die SonntagsBlick vorliegen, geht hervor: Susanne Wille plant ein dreistufiges Comeback.

  • 1. Schritt: Neben den 21 Standorten mit ehemaliger Stromversorgung sollen zusätzlich maximal 24 bestehende Sendestandorte wieder aufgeschaltet werden. Damit könnten rund 85 Prozent der Bevölkerung wieder mit UKW versorgt werden – insbesondere entlang der grossen Verkehrsachsen. Mit diesem ersten Ausbauschritt wären in der Deutschschweiz auch die Regionaljournale wieder über UKW empfangbar. Die Betriebskosten belaufen sich auf rund 6,6 Millionen Franken pro Jahr. Die SRG geht davon aus, im Laufe des dritten Quartals 2026 auf Sendung gehen zu können.
  • 2. Schritt: Hier geht die SRG von 67 Standorten aus – praktisch alle wichtigen Verkehrsachsen und die regional wichtigen Ballungsräume wären mit UKW versorgt – rund 90 Prozent der Bevölkerung. Zusammen mit dem ersten Schritt würde dieser Ausbau 8,1 Millionen Franken pro Jahr kosten und wäre frühestens im Oktober 2026 realisiert.
  • 3. Schritt: Nun gäbe es 156 Sendestandorte, die neben den wichtigsten Verkehrsachsen und Agglos auch die wichtigsten Seitentäler in allen drei Sprachregionen umfassen. So könnten rund 95 Prozent der Bevölkerung versorgt werden. Kosten: 14,8 Millionen pro Jahr – realisierbar bis Ende 2028.
    Jeder Ausbauschritt soll einzeln geprüft werden. «Nach der Inbetriebnahme des ersten Ausbauschritts wird sich zeigen, wie die Bevölkerung und die Politik darauf reagieren und wie viele Hörerinnen und Hörer zurückgewonnen werden können», steht in einem internen SRG-Papier.

Für den vom Aussterben bedrohten Nischensender Radio SRF 2 Kultur indes gibt es eine gute Nachricht: Die SRG plant, alle drei Hörfunk-Programme wie früher auf UKW auszustrahlen. Ein Verzicht auf die Kultursendung wäre «medienpolitisch schwer vermittelbar», schreibt die SRG. Susanne Wille hofft, einen Teil der verlorenen Hörer wieder zurückzugewinnen. Aber: Laut der internen Publikumsforschung werde es schwierig, auf die ursprünglichen Werte zurückzukommen.

Gesamtkosten unklar

Gegenüber SonntagsBlick betont SRF: «Wir kehren so rasch wie möglich auf UKW zurück. Dazu braucht es neben den freigegebenen Frequenzen aber noch einige andere Faktoren, die erfüllt sein müssen, insbesondere die Erteilung der Konzession sowie vertragliche und technische Aspekte.» Zu den Gesamtkosten will sich die SRG noch nicht äussern. Auch entsprächen die beschriebenen Szenarien nicht mehr dem aktuellen Stand, so die Medienstelle weiter – ohne den Status quo mitzuteilen. Klar ist: Die UKW-Kosten fallen zusätzlich zum Enavant-Sparauftrag an und werden zu weiteren Entlassungen und Streichungen führen.

Roger Schawinski (80) kritisiert Wille: «Die SRG hat den gesetzlichen Auftrag, alle Gebührenzahler gleichzubehandeln. Dass man dies vor 2028 nicht schafft, ist verblüffend. Beim unsinnigen Ausknipsen aller UKW-Sender war man erheblich schneller», sagt Schawinski zu SonntagsBlick.

Schawinski will mit Wille diskutieren

Gerne würde Radiopionier mit der SRG-Chefin über das UKW-Chaos diskutierten – für ihn ist es «das grösste Debakel in der Geschichte der SRG». Bislang habe Susanne Wille jedoch keine Zeit für ihn gehabt, so Schawinski: «Wenn man über ein Jahr lang nicht einmal eine Stunde freischaufeln kann, hat man Probleme im Zeitmanagement.» In Wirklichkeit hat Schawinskis Radio 1 für Wille keine Priorität. Immerhin gibt es von ihr eine versöhnliche Nachricht: «Dafür wird es einen geeigneten Zeitpunkt geben.» Strawinski spöttisch: «Ich rechne mit 2029.»

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