Konkurszahlen explodieren
Schweizer Gnadenlos-Reform treibt Tausende Firmen in die Pleite

Die Reform des Schweizer Konkursrechts bringt Unternehmen unerwartet in Nöte: Allein in Genf wurden 2025 fast 3000 Insolvenzen registriert, 82 Prozent mehr als 2024. Wie kann das sein? Die Hintergründe.
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In Genf wurden fast 3000 neue Konkursverfahren eingeleitet.
Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie

Darum gehts

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  • 2025 registrierte Genf fast 3000 Konkurse, ein Anstieg von 15,3 Prozent
  • Neues Gesetz führt zu Konkursen bei unbezahlten Steuern oder Sozialabgaben
  • Schweizweit 15'000 Konkurse 2025 erwartet, 22 Prozent mehr als 2024
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Solène Monney

Nicht viele bekamen es mit, als das Bundesparlament vor drei Jahren ein unscheinbares Gesetz über den Umgang mit Firmenpleiten änderte. Doch der Schritt hatte drastische Folgen: Allein in Genf wurden 2025 fast 3000 neue Konkurse registriert. 

Bisher wurden öffentliche Schulden wie Steuern, Mehrwertsteuer oder Sozialversicherungsbeiträge in der Regel gepfändet. So konnte man einen Teil der geschuldeten Beträge eintreiben, während die Unternehmen normal weiterarbeiteten. Ein Aufschub vor dem Konkurs, der Zeit bringt, um die Firma zu sanieren. 

Seit 2025 gibt es diese Ausnahme nicht mehr. Seitdem können diese Forderungen bei Unternehmen direkt zu einem Insolvenzverfahren führen. Das bedeutet, dass eine unbezahlte Steuer ausreichen kann, um ein Unternehmen zu Fall zu bringen.

Eine Explosion der Konkurse

Die Zahlen aus Genf verdeutlichen das Ausmass: Das erstinstanzliche Zivilgericht verzeichnet einen Anstieg von 15,3 Prozent. «Und die Schuldigen für diesen Anstieg sind ganz klar: Konkurse und Nachlassverträge», sagt Olivier Jornot, der Genfer Generalstaatsanwalt, zu Blick. Fast 3000 Verfahren wurden auf der Grundlage der neuen Regel eröffnet. Das entspricht 82 Prozent mehr Konkursen innerhalb eines Jahres.

Auf längere Sicht ist der Anstieg sogar noch deutlicher: Die Zahl der Fälle stieg seit 2016 um 541 Prozent! Der Generalstaatsanwalt warnt: «Es besteht die Gefahr, dass sich die Verfahren vor dem Zivilgericht häufen.» Er hofft auf eine Stabilisierung in den nächsten Jahren.

Schweizweit sieht es ähnlich aus: In den ersten acht Monaten des Jahres 2025 haben fast 9000 Unternehmen Konkurs angemeldet, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft berichtet. Dies entspricht einem Anstieg von 22 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024. Und auch hier wird die Einführung des neuen Gesetzes als Grund für diesen Anstieg angeführt. Der Verband Creditreform rechnet für das gesamte Jahr 2025 mit insgesamt 15'000 Konkursen.

Schlupflöcher verhindern

Das Parlament wollte mit der Reform verhindern, dass einige Unternehmen den Konkurs als Schlupfloch nutzen. Bisher konnten Unternehmen Steuer- oder Sozialversicherungsschulden anhäufen, ohne automatisch in den Konkurs getrieben zu werden. Dies im Gegensatz zu Unternehmen mit privaten Schulden.

Diese Situation wurde als ungerecht empfunden. Die Reform zielt daher darauf ab, alle Gläubiger gleichzubehandeln. Durch die Reform haben die Unternehmen nun aber weniger Spielraum, da es schwieriger ist, einen Konkurs aufzuschieben.

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