Darum gehts
- Schweizer SBS-Schiffe meiden Konstanz, Streit mit deutscher BSB eskaliert
- BSB wirft SBS Vertragsbruch vor wegen Partyboot-Euregia-Fahrten
- 15 geplante Fahrten mit je 600 Gästen, erste am 9. Mai
Auf dem Bodensee ist der Teufel los! Schiffe der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) fahren diese Saison den deutschen Hafen Konstanz nicht mehr an. Hinter den Kulissen tobt ein Streit mit den deutschen Bodensee-Schiffsbetrieben (BSB). Es geht um Ticketgelder und Tarifsysteme. Man habe im letzten Jahr über 5400 Passagiere befördert, die eigentlich im Besitz eines Billetts der deutschen BSB waren. Damit ist jetzt Schluss.
Nun weitet sich der Knatsch zwischen den Schweizern und Deutschen weiter aus. Im Zentrum steht die Party-Fähre Euregia. Gegenüber der «Thurgauer Zeitung» spricht SBS-Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer Benno Gmür von «Theater» und «Kindergarten mit den Deutschen». Diese unterstellen der SBS Vertragsbruch – und drohen mit Massnahmen, die die Durchführung der Partyboot-Anlässe gefährden.
Streit um Auslegung des Vertrags
Die Euregia verkehrte von 1996 bis Ende 2024 als Autofähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen. Sie gehörte je hälftig der BSB und SBS, war wirtschaftlich aber nicht mehr tragbar. Eine aufwendige Sanierung für mehr als 2,5 Millionen Franken sei für die deutsche BSB nicht infrage gekommen.
Die SBS übernahm die Fähre für einen symbolischen Euro. Vertragliche Bedingung: Die Euregia dürfe nur gastronomisch genutzt werden. Sollte sie zwischen Romanshorn TG und Friedrichshafen wieder als Kursfähre eingesetzt werden, müsste die SBS den BSB 50 Prozent des aktuellen Marktwerts des Schiffs als Entschädigung zahlen.
Schon seit 2011 war die Euregia als Partyboot vermietet worden. Für diese Saison seien 15 Fahrten mit je 600 Gästen geplant. Die Mehrheit der Anlässe: ausverkauft. Die Euregia soll jeweils von Romanshorn nach Friedrichshafen fahren, wo die Partygäste einsteigen. Dann tuckert das Schiff über den Bodensee. Nach der Party steigen die Gäste in Friedrichshafen wieder aus. Die Euregia fahre in den Schweizer Heimathafen zurück.
Deutsche sehen sich geprellt
Die deutsche BSB habe über Social Media davon erfahren – und erkenne einen Vertragsbruch. Von einer «im Hafen liegenden Gaststätte» könne keine Rede sein. Der Fähren-Anteil der beiden Unternehmen betrage deshalb wieder halbe-halbe. Auch fordere die BSB die Neuschätzung des Materialwerts des Schiffs und die Hälfte dieses Betrags.
Die Schweizer SBS dagegen sehe die Nutzung als Charterboot als vertragskonform und weise die Forderung zurück. Bisherige Gespräche und auch «Friedensangebote» seitens der SBS wie des Partyboot-Mieters seien von deutscher Seite aber abgelehnt worden.
«Der fortgesetzte Betrieb der Euregia als Partyboot war so nicht vereinbart», wird BSB-Geschäftsführer Norbert Reuter von der «Thurgauer Zeitung» zitiert. «Partyfahrten sind keine Liegendnutzung. Die Schweizer verhalten sich somit nicht vertragsgemäss.» Daher müsse man das Schiff gemäss gemeinsamem Vertrag neu schätzen.
«Wir lassen uns nicht schikanieren»
Der Streit dauert an. Und die Zeit drängt. Die erste Partyfahrt mit der Euregia steht bereits in knapp drei Wochen an. Die Leute hätten bezahlt, alles sei gebucht. Das Ziel sei nach wie vor der Hafen von Friedrichshafen.
Die Schweizer SBS habe mittlerweile Anwälte eingeschaltet. «Wir sind sicher, dass unser Vertrag wasserdicht ist und lassen uns deshalb nicht schikanieren», so SBS-Geschäftsleiter Gmür. Die Schweizer Gesellschaft wolle am 9. Mai die erste Fahrt starten – und dann schauen, was in Friedrichshafen passiert. Affaire à suivre.