Kandidatur für Winterspiele 2038 in heisser Phase
Ruth Wipfli Steinegger: Sie will Olympia einlochen

Die Schweiz soll 2038 die olympischen Winterspiele ausrichten. Dafür kämpft Ruth Wipfli Steinegger. Warum das ganze Land profitiert, woher ihre Sportbegeisterung kommt und welche Rolle ihr Mann einnimmt.
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Als Co-Präsidentin von Switzerland 2038 engagiert sich Ruth Wipfli Steinegger für die Olympischen Winterspiele in der Schweiz.
Foto: freshfocus

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ruth Wipfli Steinegger kämpft für die Olympischen Winterspiele 2038 in der Schweiz
  • 200 Millionen Franken sollen ohne Volksabstimmung durch Sponsoren und Kantone finanziert werden
  • Umfrage: Über 60 Prozent der Bevölkerung unterstützen die Olympia-Kandidatur
Text jessica pfisterFotos fabienne bühler
Schweizer Illustrierte

Ruth Wipfli Steinegger (69) weiss, was sie tut. Die Füsse schulterbreit verankert, zieht sie den Golfschläger in einer fliessenden Bewegung nach oben. Für einen Augenblick steht die Zeit still, bevor sie den Ball präzise trifft. Trotz Gegenwind fliegt er den Hügel runter und bleibt zwei Meter vom Loch 13 auf dem Rasen liegen. «Damit kann ich arbeiten», sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

Auf dem Golfplatz in Andermatt kann die Urnerin, die mit ihrem Mann – FDP-Urgestein Franz Steinegger (83) – in Flüelen UR lebt und gemeinsam eine Anwaltskanzlei führt, den Kopf lüften. «Hier oben in der rauen Natur ist die Hektik des Alltags weit weg.»

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Seit dreieinhalb Jahren kommt Wipfli Steinegger selten vor halb neun abends aus dem Büro. Als Co-Präsidentin von Switzerland 2038 engagiert sie sich für eines der grössten Sportprojekte der Schweiz: die Olympischen und Paralympischen Winterspiele. «Nach über 50 gescheiterten Versuchen hat die Schweiz mit dieser Kandidatur eine einzigartige Chance.» Eine wichtige Hürde steht in der Herbstsession an: Vertreter aus SP, Grünen und SVP wollen das Volk über die Finanzierung von 200 Millionen Franken abstimmen lassen.

Der Bundesrat hält das bei diesem Betrag nicht für nötig, zumal er bei einem Defizit keine Kosten übernimmt. «Der Löwenanteil der Finanzierung erfolgt über private Geldgeber, Sponsoring und Tickets», versichert Wipfli Steinegger, deren Team ohne ein Ja zur Finanzierung die Kandidatur nicht weiterführen kann. Die betroffenen Kantone und Gemeinden hätten ein Mitspracherecht und können separat abstimmen. «Die letzte Umfrage mit über 60 Prozent Ja-Stimmen für die Olympia-Kandidatur zeigt: Die Unterstützung ist gross.»

«Es gibt noch viel zu tun», sagt Ruth Wipfli Steinegger zu Hause in Flüelen. Ihr Mann Franz Steinegger macht in der gemeinsamen Anwaltskanzlei «Stallwache».
Foto: Fabienne Bühler

«Frage ihn nur im Notfall um Rat»

In der Küche ihrer Wohnung in Flüelen hängt eine Fotocollage von einem anderen historischen Grossprojekt: der Expo 2002. Franz Steinegger hatte die Landesausstellung als Krisenmanager übernommen und zum Erfolg geführt. «Es ist speziell, dass in dieser Wohnung zwei so grosse Würfe Gestalt annehmen», sagt der langjährige FDP-Chef, während er seiner Frau einen Kaffee serviert. Dass sie heute im Rampenlicht steht, findet er wunderbar. Allerdings würden sie zu Hause selten über die Arbeit sprechen. «Das trennen wir bewusst», sagt sie. Um Rat fragen würde sie ihren Mann, wenn es einen Notfall gebe. «Ich antworte nur auf Anfrage», sagt «Katastrophen-Franz» schmunzelnd.

Wipfli Steineggers Engagement für Olympia ist eng mit ihrer Liebe zum Sport verknüpft. Schon als Fünfjährige verdiente sie als Ballmädchen auf dem Tennisplatz ihr erstes Sackgeld. «Von meinem Vater gabs 50 Rappen pro Stunde.» Mit ihm verfolgte das älteste von drei Kindern auch jedes Skirennen vor dem TV. «Weil es damals noch keine Live-Zeitmessung gab, notierte ich mir alles.» Als Gymi-Schülerin erlebte sie dann jenen olympischen Moment, der sich in ihr Gedächtnis eingebrannt hat: Der 7. Februar 1972, als Skirennfahrer Bernhard Russi in Sapporo Abfahrtsgold gewann. «Es gab eine Freinacht, wir Kinder hatten schulfrei.» Dieser Erfolg hätte in Uri eine wahnsinnige Euphorie ausgelöst und sei der Push für die touristische Entwicklung in Andermatt gewesen.

120 Wettkämpfe in 14 Gemeinden. «Ein Anlass für alle», sagt Wipfli Steinegger. Im Hintergrund ihr Vater bei den Tellspielen.
Foto: Fabienne Bühler

«Wunsch kommt von der Basis»

Einen Schub sollen laut Wipfli Steinegger auch die Olympischen Winterspiele im eigenen Land auslösen. «Olympia ist viel mehr als nur ein sportlicher Event. Die Schweiz kann sich als innovative, nachhaltige und offene Gastgeberin präsentieren.» Erstmals in der Olympia-Geschichte würde ein ganzes Land von Zürich bis Genf als Austragungsort agieren. «Das bringt uns näher zusammen.» Studien würden zudem eine Bruttowertschöpfung von rund 3,5 Milliarden und Steuereinnahmen von bis zu 350 Millionen Franken prognostizieren. «Wesentlich ist für mich aber, woher der Wunsch, eine Olympiade durchzuführen, kommt: von der Basis, den Ski- und Wintersportverbänden, den Athletinnen und Athleten.»

«Ruth hat sehr viel Power. Und im Gegensatz zu mir ein feines Gspüri für Menschen», sagt Franz Steinegger am Küchentisch – im Hintergrund hängt ein Foto ihres Sohnes Benjamin als Sechsjähriger im Bundeshaus.

Als ihr Mann während zwei Jahrzehnten politisch stark eingespannt war, hat Wipfli Steinegger stets ihre eigene Karriere als Juristin und Sportfunktionärin vorangetrieben. «Für mich ist es der Tod für eine Beziehung, wenn ein Partner in der Warteschlaufe steht.» Natürlich sei die Doppelbelastung herausfordernd gewesen und an die kritischen Blicke an Elternabenden habe sie sich gewöhnen müssen. «Wir hatten eine Haushaltshilfe, und als Franz mehr Zeit hatte, nahm er am Sonntag den Staubsauger in die Hand oder stand am Herd.» Für die Jungen heute sei Gleichberechtigung viel selbstverständlicher. Das sehe sie bei ihrem Sohn, der als Physiker bei Swiss Re arbeitet und mit Partnerin in München lebt.

Sport schaut das Ehepaar getrennt. «Ich kommentiere halt alles», sagt Ruth Wipfli Steinegger.
Foto: Fabienne Bühler

In Benjamins ehemaligem Zimmer befindet sich Wipfli Steineggers Büro. Vom Bücherregal baumeln unzählige Badges von Sportveranstaltungen wie dem Lauberhornrennen, Wimbledon oder den French Open. Tennis war lange ihre grösste Leidenschaft, bis eine Knorpelverletzung am Knie sie zum Umstieg auf Golf zwang – als Vizepräsidentin von Swiss Tennis bleibt sie dem Sport aber eng verbunden.

«Zum Sport gehören Emotionen»

Im Fernsehen – sie hat ihr eigenes TV-Gerät im Büro – schaue sie weit mehr als Tennis oder Ski. «Ich will ja informiert sein, wo unsere künftigen Olympia-Konkurrenten stark sind.» Manchmal komme ihr Mann, um reinzuspienzeln. «Wenn sie besonders lärmt», sagt er augenzwinkernd. «Zum Sport gehören Emotionen», sagt sie. Um das olympische Feuer in der Schweiz zu entfachen sowieso.

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