Darum gehts
- Schweizer Firmen schulden noch 2,8 Milliarden Franken aus Corona-Krediten
- Bund zahlte bisher 93,6 Millionen Franken für Jagd auf Corona-Betrüger
- Eingetrieben wurden so 136 Millionen Franken
Sechs Jahre sind vergangen, seit die Pandemie die Schweiz erreicht hatte. Die Corona-Kredite beschäftigen aber auch heute noch Tausende Schweizer Unternehmen. Unter dem Strich stehen nach wie vor 2,8 Milliarden Franken aus – knapp 17 Prozent des insgesamt gewährten Kreditvolumens.
Landesweit wurden 6148 Strafanzeigen gegen Geschäftsinhaber erstattet, meist wurden sie des Betrugs beschuldigt. Besonders betroffen ist das Gastronomiegewerbe: Fast die Hälfte der Kredite sind hier noch nicht zurückgezahlt worden.
Eine Kanzlei allein streicht fast 75 Millionen ein
Die Jagd auf Corona-Sünder geht ins Geld, wie der Bundesrat einräumen muss. Allein an die Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard wurden bis Ende März insgesamt 74,6 Millionen Franken ausbezahlt. Für die juristische Begleitung und Einreichung der Strafanzeigen wurden 258'539 Arbeitsstunden verrechnet. Anfang Jahr war Kritik laut geworden, weil das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) den Auftrag ohne Ausschreibung vergeben hatte.
Doch die 74,6 Millionen sind noch nicht alles. Zur Unterstützung seien weitere 19 Millionen Franken an Drittfirmen ausbezahlt worden. Macht Gesamtkosten von 93,6 Millionen. Anfang Jahr war noch von 66,7 Millionen Franken die Rede. Die Kosten sind demnach innert eines halben Jahres nochmals um rund ein Drittel angestiegen.
Der Vertrag der Bundesbehörden mit der Kanzlei Kellerhals Carrard sieht Stundenansätze zwischen 100 und 390 Franken vor. Mit weiteren Beauftragten seien vertraglich je nach erbrachter Leistung Fallpauschalen zwischen 20 und 85 Franken vereinbart.
Bundesrat überzeugt, dass Geld gut investiert ist
In seiner Antwort auf einen Vorstoss des Genfer SP-Nationalrats Christian Dandrès (45) zeigt sich der Bundesrat aber überzeugt, dass das Geld gut investiert ist: «Die externen Beauftragten haben einen grossen Teil dazu beigetragen, dass 136 Millionen Franken an Wiedereingängen eingetrieben werden konnten.»
Kritische Stimmen weisen allerdings darauf hin, dass Kosten von über 93 Millionen Franken recht hoch erscheinen, um Schulden von 136 Millionen einzutreiben.
Nach Beginn des Lockdowns im März 2020 waren innerhalb weniger Wochen fast 17 Milliarden Franken freigegeben worden, um rund 140'000 Unternehmen zu unterstützen. Bis heute hat die Eidgenossenschaft rund 13,5 Milliarden Franken zurückerhalten.