Hoffen, bangen, von Macron abgetrocknet
Wie der Bürgenstock zur Schmach für die Schweiz wurde

Für einen Moment schien der Schweiz endlich wieder eine grosse diplomatische Bühne zu winken. Doch dann kam alles anders: Sie wurde zum Spielball in der trumpschen Weltpolitik. Das Protokoll einer turbulenten Woche.
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Das Hotel Bürgenstock wurde als Austragungsort für die Unterzeichnung des Abkommens zwischen den USA und dem Iran ausgewählt.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Trump unterzeichnet Iran-Deal am 17. Juni 2026 in Versailles, nicht in der Schweiz
  • Schweiz investierte 20 Mio. CHF in Sicherheitsmassnahmen für G7-Treffen
  • 2000 Soldaten im Einsatz auf dem Bürgenstock, trotz Absage des Treffens
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Riccarda CampellRedaktorin Politik

Schon seit Wochen bereitete sich die Schweiz darauf vor, Gastgeberin für die Unterzeichnung des Iran-Deals zu sein. Immer wieder fiel dabei der Name des Landes. Anfang Woche dann wurden die Gerüchte konkreter. Genf wurde als Austragungsort genannt. Ein Aufatmen war zu vernehmen: Die G7-Regierungschefs tagten im benachbarten Évian und reisten über Genf an. Die an Bedeutungsverlust leidende Uno-Stadt schien nun plötzlich wieder im internationalen Fokus zu stehen. Bundespräsident Guy Parmelin (66) empfing sowohl EU-Chefin von der Leyen (67) als auch Brasiliens Präsident Lula da Silva (80) zu Gesprächen. Und er schüttelte US-Präsident Donald Trump (80) die Hand. 

Dann kam es plötzlich doch anders. Auch die Sicherheitsvorkehrungen sprachen für den Bürgenstock, den abgeschiedenen Ort hoch über dem Vierwaldstättersee. Wird der Betrieb der Seilbahn eingestellt, bleibt das Resort nur noch über eine schmale, kurvenreiche Bergstrasse erreichbar. Zudem lässt sich das Hotel räumlich klar trennen: Amerikaner und Iraner könnten in eigenen Bereichen untergebracht werden und sich nur dort begegnen, wo es für die Verhandlungen nötig ist.

2000 Schweizer Soldaten im Einsatz

Die Vermittler-Staaten Pakistan und Katar, dessen Staatsfonds das Hotel besitzt, entschieden sich für den Bürgenstock. Dort liefen die Vorbereitungen sofort an. Rund 2000 Soldaten wurden für die Sicherung des Geländes aufgeboten und der Bund schränkte den Luftraum über dem Nidwaldner Berg bis Samstag ein. Die übrigen Hotelgäste mussten ihre Zimmer räumen und wurden in umliegende Häuser wie das Kempinski Palace in Engelberg oder das Parkhotel Vitznau umquartiert.

Selbst eine Hochzeitsgesellschaft musste ihre Feier absagen: Der Gipfel beanspruchte das gesamte Areal, nicht zuletzt, weil auch US-Vizepräsident J. D. Vance (41) mit einer grossen Delegation erwartet wurde. 

Nach dem Zollstreit-Debakel schien der Schweiz endlich wieder eine grosse diplomatische Bühne zu winken. Hinter vorgehaltener Hand war bereits vom möglichen «Bürgenstock-Deal» die Rede. 

Doch dann kam die überraschende Kehrtwende. Als die Schweiz am Donnerstagmorgen aufwachte, war das Abkommen schon besiegelt. Donald Trump unterzeichnete den Vertrag nicht in der Schweiz, sondern am Mittwochabend auf Schloss Versailles bei Paris. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sass neben ihm und lächelte. Die Bilder gingen um die Welt. Geschichte wurde geschrieben. Nur nicht in der Schweiz, sondern in Frankreich. Die für Freitag geplante Zeremonie auf dem Bürgenstock fiel aus. 

Besonders bitter: Die Schweiz hatte bereits erheblich zum Gelingen des G7-Gipfeltreffens beigetragen. Allein die Kosten für den Einsatz der Genfer Polizei zur Absicherung des Treffens wurden auf rund 20 Millionen Franken geschätzt. Hinzu kamen rund 4000 Armeeangehörige sowie zahlreiche Mitarbeitende des Bundes, die unter anderem für die Sicherung der Grenzen im Einsatz standen. An den Kosten beteiligte sich Macron aber nicht so, wie es die Schweiz möchte.

Der diplomatische Höhepunkt rückt in immer weitere Ferne

Ein Treffen im Hotel Bürgenstock sollte dennoch stattfinden. Die Unterhändler wollten am Freitag das unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran weiter konkretisieren, unter anderem bei der heiklen Frage des iranischen Atomprogramms.

Doch dann ging die über den Erfolg stolze Schweiz am Donnerstagabend zu Bett. Und wachte am Freitagmorgen unter anderen Prämissen auf. Einmal mehr, wie das in Zeiten von Donald Trump oft der Fall ist. Zunächst kam die Nachricht, dass US-Vizepräsident J. D. Vance am Donnerstag nicht wie vorgesehen zu einer weiteren Verhandlungsrunde mit dem Iran in die Schweiz reisen werde. Das Weisse Haus verwies darauf, dass die Pläne für die Gespräche noch nicht endgültig festgelegt seien. Gemäss Insidern soll der Iran gefordert haben, dass zunächst die Kampfhandlungen im Libanon beendet werden müssten, bevor die Gespräche mit den USA in der Schweiz wieder aufgenommen werden könnten. 

Wenig später kam die Absage. Die Gespräche zwischen den Unterhändlern der USA und des Iran auf dem Bürgenstock würden «heute nicht wie vorgesehen stattfinden», teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten am Freitag mit. Die Schweiz bleibe jedoch bereit, Gespräche zwischen den Parteien zu unterstützen. Die Vorbereitungen werden deshalb fortgeführt. Das Hotel Bürgenstock bleibt bereit für einen historischen Moment. Falls er noch kommen sollte.

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