Günstig war vor 25 Jahren einmal!
So stark kletterten die Krankenkassen-Prämien – so stark sind Einkommensschwache betroffen

Seit dem Jahr 2000 ist die durchschnittliche Krankenkassenprämie um 170 Prozent gestiegen. Rund die Hälfte der einkommensschwachen Haushalte hat mittlerweile oft oder zeitweise Schwierigkeiten, die Prämien zu bezahlen.
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Die durchschnittliche Krankenkassen-Prämie kostete im Jahr 2000 nur 154 Franken im Monat.
Foto: CHRISTIAN BEUTLER

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Durchschnittliche Krankenkassenprämie steigt in 27 Jahren von 154 auf 412 Franken pro Monat
  • Das jährliche Plus betrug im Schnitt 3,7 Prozent – kumuliert sind das fast 170 Prozent
  • Ein Viertel der einkommensschwachen Haushalte hat regelmässig Mühe, die Prämien zu zahlen

Es ist ein Ritual, auf das Schweizerinnen und Schweizer gerne verzichten würden: Jeden Herbst tritt der Bundesrat vors Volk und verkündet, um wie viel die Krankenkassen im nächsten Jahr teurer werden.

2027 droht ein durchschnittlicher Prämienanstieg um 4,5 bis 5 Prozent, wie das Vergleichsportal Bonus.ch diese Woche prognostiziert hat. In Extremfällen soll sich die Prämie sogar um bis zu 20 Prozent verteuern. Dies nach einem Anstieg um 4,4 Prozent Anfang des laufenden Jahres.

Prämien stiegen um 170 Prozent

Langfristig hat der jährliche Prämienanstieg drastische Folgen: Im Jahr 2000 kostete die durchschnittliche Krankenkasse laut Bundesamt für Gesundheit noch 154 Franken pro Monat. Sollten sich die Bonus-Prognosen bewahrheiten, sind es nächstes Jahr 412 Franken. Ein Plus von insgesamt fast 170 Prozent. Zum Vergleich: Die allgemeine Teuerung in diesem Zeitraum betrug nur rund 17 Prozent.

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Der Prämienanstieg trifft Haushalte mit tiefen Einkommen besonders hart. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Erhebung des Vergleichsdiensts Comparis hat aktuell jede vierte Person mit tiefem Einkommen wiederholt Schwierigkeiten, die Prämien zu bezahlen. Weitere 22 Prozent gaben an, zumindest zeitweise Mühe zu haben, das nötige Geld für die Krankenkasse aufzutreiben. Und das, obwohl in dieser Einkommensklasse (bis 4000 Franken Haushaltseinkommen) fast zwei von drei Personen eine Prämienverbilligung erhalten.

Schere zwischen Arm und Reich immer grösser

Für Comparis-Finanzexperte Michael Kuhn (47) ist das nur eine Ausprägung eines grösseren gesellschaftlichen Problems: «Die Wirtschaft wächst, und die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich weiter. Das ist sozialer Sprengstoff.»

Die finanzielle Kluft zeige sich nicht nur bei der Krankenkasse: Für 41 Prozent der Personen mit tiefem Einkommen hat sich die finanzielle Lage seit letztem Jahr verschlechtert, wie die Umfrage zeigt. Das sind mehr als doppelt so viele wie bei den Haushalten mit einem Einkommen von über 8000 Franken.

Ein ähnliches Bild beim Sparen: Ein Drittel der Befragten mit tiefem Einkommen sagt, dass sie selten oder nie Geld auf die Seite legen können. Bei den Gutverdienern dagegen sparen zwei Drittel regelmässig. Fast die Hälfte investiert freie finanzielle Mittel. Bei den tiefen Einkommen machen das nur 7 Prozent.

Früher war nicht alles besser

Um die Lage der Geringverdienenden zu verbessern, sieht Kuhn verschiedene Lösungen: «Eine Massnahme wäre zum Beispiel eine automatische Auszahlung einer genügend hohen Prämienverbilligung an berechtigte Personen.» Laut Kuhn wissen manche gar nicht, dass sie Anspruch auf diese Gelder haben. Deshalb brauche es «einen einfacheren Zugang zu Finanzinformationen und Vergleichsmöglichkeiten». 

Untersuchungen der Berner Fachhochschule haben 2021 tatsächlich ergeben, dass fast jede fünfte Person ihren Anspruch auf Prämienverbilligung nicht geltend macht.

Um die Kosten- und Prämienexplosion zu bremsen, wurde in den 90ern auch das aktuelle Krankenversicherungsgesetz (KVG) ins Leben gerufen. Die Prämien stiegen trotzdem weiter – seit dem Jahr 2000 im Schnitt um 3,7 Prozent pro Jahr. Das ist viel. Allerdings kamen die Ökonomin Aline Froidevaux und ihr Kollege Christoph Kilchenmann 2016 zum Schluss: Früher war alles noch schlimmer. Im Zeitraum 1985 bis 1993, also vor der Einführung des KVG, verteuerte sich die Grundversicherung jedes Jahr im Schnitt sogar um 7 Prozent.

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