Diese Saatkrähen treiben Anwohner in den Wahnsinn
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Lärmbelästigung in Meilen ZH:Saatkrähen treiben Anwohner 2024 in den Wahnsinn

Greift Luzern jetzt durch?
FDP will hartes Vorgehen gegen «Krähen-Terror»

Lärm, Dreck und Frust in Wohnquartieren: Auch im Kanton Luzern wächst der Ärger über Krähenkolonien. Nun fordert ein FDP-Mann schärfere Massnahmen – und macht Druck auf die Regierung, endlich durchzugreifen.
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Sie machen Dreck: Vielerorts in der Schweiz wächst der Ärger über Krähenkolonien in Wohngebieten.
Foto: imago

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Krähenplage in Luzern: Vögel sorgen für Belästigungen, FDP fordert Massnahmen
  • FDP-Kantonsrat Martin Birrer verlangt wirksame Lösungen
  • Beim Löwendenkmal: Dutzende Nester, ständiges Gekreische, Boden weiss von Vogeldreck
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Sie kreischen im Morgengrauen, verdrecken Balkone oder Autos – und lassen manchmal ganze Quartiere verzweifeln: Schweizer Gemeinden kämpfen regelmässig mit Krähenplagen. So auch im Kanton Luzern. In Emmen etwa sei es «aktuell in gewissen Gebieten kaum mehr möglich, sich im Freien aufzuhalten, ohne von Tausenden Krähen belästigt zu werden». Das beklagt die FDP Luzern in einer Mitteilung. Nun sollen die Behörden handeln.

Kantonsrat Martin Birrer (53), selbst aus Emmen, hat dazu ein Postulat eingereicht. Der Freisinnige will den Regierungsrat zu schärferen Massnahmen gegen Saatkrähen-Kolonien bewegen – der Handlungsdruck sei gross. «In manchen Quartieren kann man nicht mehr draussen sitzen», sagt Birrer zu Blick. Herkömmliche Vergrämungsaktionen würden kaum etwas bringen. In Anlehnung an den Filmklassiker bringt er es pointiert auf den Punkt: «Hitchcocks Vögel sind ein Dreck dagegen.»

«Grosses Problem in Siedlungsgebieten»

Wie gross das Problem ist, zeigte sich jüngst auch in der Stadt Luzern. Beim Löwendenkmal sorgte eine brütende Krähenkolonie für Schlagzeilen. Die «Luzerner Zeitung» berichtete von «fast permanentem Gekreische», Dutzenden Nestern in den hohen Bäumen – und einem Boden, der unter den Brutplätzen weiss vom Vogeldreck sei. 

FDP-Mann Birrer will, dass sich die Kantonsbehörden grundsätzlich mit dem Thema befassen. «Neben dem Wolf oder dem Fuchs gehört die Krähe zu einem grossen Problem in den Siedlungsgebieten», hält er in seinem Vorstoss fest.

Es sei längst kein reines Problem der Landwirtschaft mehr, sondern betreffe breite Teile der Bevölkerung direkt im Alltag. Besonders im Fokus steht die Saatkrähe, die in grossen Kolonien nistet und während der Schonzeit von Mitte Februar bis Ende Juli geschützt ist. Genau das erschwere die Bekämpfung, so Birrer. Während für Rabenkrähen unter gewissen Bedingungen eine ganzjährige Jagd möglich sei, gelte dies nicht für Saatkrähen.

Tun Behörden genug?

Aus Sicht der FDP greifen die bisherigen Mittel zu kurz. Vergrämungsaktionen – etwa das Fällen einzelner Bäume – hätten meist nur kurzfristige Wirkung. Die Tiere wichen aus, das Problem verlagere sich lediglich. «Das intelligente Tier ist in Kürze an einer anderen Stelle zu finden», gibt Martin Birrer zu bedenken.

Er fordert deshalb eine umfassende Lagebeurteilung – und vor allem «effektive und zeitnahe Lösungen». Ziel müsse es sein, die Kolonien wirksam zu dezimieren. Er spricht von Massnahmen, die unabhängig von der fünfmonatigen Schonzeit möglich wären. Was genau da infrage kommt, lässt er bewusst offen. 

Welche Massnahmen gibt es?

Es braucht einige Anstrengungen, um Krähen zu vertreiben: Die Tiere sind intelligent, lernfähig und gewöhnen sich rasch an neue Massnahmen. Entsprechend gibt es zwar verschiedene Ansätze – ein Patentrezept aber nicht.

Zum Einsatz kommen mancherorts akustische und visuelle Mittel wie Greifvogelrufe, Drohnen, Uhu-Attrappen oder flatternde Bänder. Diese wirken meist nur kurzfristig, weil die Krähen die Täuschung schnell erkennen. Auch der Einsatz von Falken kann Kolonien stören – dauerhaft verschwinden die Tiere aber selten, sondern weichen aus.

Ein Rückschnitt von Bäumen kann den Nestbau erschweren, ist jedoch nur begrenzt möglich und verlagert das Problem oft. In der Landwirtschaft helfen anbautechnische Massnahmen: Liegt Saatgut nicht offen, verlieren Krähen schneller das Interesse. Unter bestimmten Bedingungen ist auch der Abschuss erlaubt, etwa zur Vergrämung einzelner Tiere oder Schwärme.

Es braucht einige Anstrengungen, um Krähen zu vertreiben: Die Tiere sind intelligent, lernfähig und gewöhnen sich rasch an neue Massnahmen. Entsprechend gibt es zwar verschiedene Ansätze – ein Patentrezept aber nicht.

Zum Einsatz kommen mancherorts akustische und visuelle Mittel wie Greifvogelrufe, Drohnen, Uhu-Attrappen oder flatternde Bänder. Diese wirken meist nur kurzfristig, weil die Krähen die Täuschung schnell erkennen. Auch der Einsatz von Falken kann Kolonien stören – dauerhaft verschwinden die Tiere aber selten, sondern weichen aus.

Ein Rückschnitt von Bäumen kann den Nestbau erschweren, ist jedoch nur begrenzt möglich und verlagert das Problem oft. In der Landwirtschaft helfen anbautechnische Massnahmen: Liegt Saatgut nicht offen, verlieren Krähen schneller das Interesse. Unter bestimmten Bedingungen ist auch der Abschuss erlaubt, etwa zur Vergrämung einzelner Tiere oder Schwärme.

Und die Behörden? Laut einem Merkblatt der Luzerner Dienststelle Landwirtschaft und Wald sind Eingriffe oft wenig sinnvoll. Konkret heisst es: Massnahmen seien «häufig wirkungslos und können sogar kontraproduktiv sein». Der FDP-Vorstoss wiederum kritisiert auch die Behörden. Die Dienststelle stehe Gemeinden und Bevölkerung derzeit «nicht mit grosser und effektiver Hilfe zur Seite».

Nun ist die Luzerner Regierung am Drücker. Sie muss darlegen, ob sie ebenfalls zusätzlichen Handlungsbedarf ortet.

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