Darum gehts
- Aline Trede und Balthasar Glättli könnten wichtige Bundeshausposten verlassen
- Grüne-Fraktion könnte erfahrene Mitglieder verlieren
- Über sechs Jahre Erfahrung bei meisten Fraktionsmitgliedern im Nationalrat
Bei den Grünen im Bundeshaus bahnt sich ein Umbruch an. Ausgelöst ausgerechnet durch politische Siege: Im Kanton Bern will Aline Trede (42) Ende März den Regierungsratssitz der abtretenden Christine Häsler (62) erobern. In Zürich könnte Balthasar Glättli (54) bereits drei Wochen zuvor in die Stadtregierung einziehen.
Damit droht der Bundeshausfraktion ein massiver Verlust an Erfahrung. Trede ist Fraktionschefin, sass zwischen 2013 und 2015 und seit 2018 wieder im Nationalrat. Glättli gehört der grossen Kammer seit über 14 Jahren an, er war Fraktions- und Parteichef.
Kommt es bei den Grünen zum Machtvakuum? Schliesslich sitzt auch Parteipräsidentin Lisa Mazzone (38) nicht mehr im Parlament. Die Partei kann sie im Bundeshaus also nur bedingt steuern.
Schnell Fuss fassen
Fraktionschefin Trede wiegelt ab. «Wir sind gut aufgestellt. Ich habe vier Vizepräsidentinnen in der Fraktion, die bereits viel Erfahrung haben, und langjährige Kantonalpräsidentinnen.» Der Grossteil der Fraktion sei seit mindestens sechs Jahren im Amt, so Trede.
Auch der Wahlkampf 2027 sei gesichert. «Wir haben bereits jetzt vieles aufgegleist – und frischer Wind ist immer gut.» Wichtig sei, dass die neuen Nationalräte, die nachrücken könnten, rasch ankommen. «Sie müssen schnell in der Parlamentsarbeit Fuss fassen und in den richtigen Kommissionen eingesetzt werden. Dann können sie mit Motivation in die Wahlen 2027 steigen. Das haben wir selbst in der Hand.»
Bereits Anfang Dezember 2025 kam Rudi Berli (63) neu in die Fraktion, da der Genfer Nicolas Walder (59) in die Regierung gewählt werde. Per Ende April 2026 wird zudem Felix Wettstein (68) zurücktreten und die Solothurner Kantonsrätin Laura Gantenbein (36) nachrücken.
Nachfolger stehen bereit
Balthasar Glättli betont derweil, seine Kandidatur sei «für Zürich, nicht gegen Bern». Bei Themen wie der Bekämpfung des Klimawandels hätte er in der Stadtregierung mehr Hebel als in Bern. «In Bern setzen wir Ziele, in Zürich kann ich sie umsetzen – etwa beim Ausbau der Solarenergie.»
Der Zeitpunkt sei günstig. «2019 kamen viele Grüne neu in den Nationalrat. Sie haben inzwischen fast sechs Jahre Erfahrung. Manchmal stehen wir Arrivierten ihnen etwas im Weg.» Seine Nachfolgerin in Bern könnte Anna-Béatrice Schmaltz (33) werden.
Erste Nachrückerin für Trede wäre Natalie Imboden (55), die bereits 2022 kurzzeitig im Nationalrat sass. Doch wie sie gegenüber Blick sagt, strebt sie keine Rückkehr ins Bundeshaus an.
Somit könnte die Thuner Grossrätin Andrea de Meuron (53) nach Bern wechseln. Allerdings kandidiert sie im Herbst auch als Thuner Stadtpräsidentin. «Sollte sich diese Möglichkeit tatsächlich ergeben, würde ich sie ernsthaft prüfen und wohl auch wahrnehmen – nicht zuletzt, weil ich überzeugt bin, dass es auch für Thun eine Chance wäre.»
Wenn sie trotzdem verzichtet, wäre auf Platz drei Magdalena Erni (23). Sie amtete als Präsidentin der jungen Grünen und erreichte nationale Bekanntheit mit ihrem Kampf für die Umweltverantwortungs-Initiative, die das Volk vor einem Jahr ablehnte.