Darum gehts
- Nationalrat Marc Jost forderte Promillegrenze auf Skipisten wegen hoher Unfallzahlen
- Doch der Bundesrat will nichts davon wissen
- Jährlich über 60'000 Verletzte im Schneesport, volkswirtschaftliche Kosten: 600 Millionen Franken
Für viele gehört es zum Skifahren einfach dazu. Ein Kafi Lutz beim Zwischenhalt in der Hütte. Ein, zwei Bier oder eine Flasche Rotwein zum Mittagessen. Ein Glühwein vor der letzten Abfahrt. Zurück auf der Piste gehts mit Schuss den Hang hinab. Der Alkohol kann dabei auf Wahrnehmung, Reaktionszeit, Gleichgewicht oder Urteilsfähigkeit wirken. Mit teilweise fatalen Folgen.
Das Problem ist auch dem Bundesrat bewusst: «Die Gefahr eines Unfalles im Schneesport nimmt mit Alkoholkonsum zu.» Und die Landesregierung um die federführende Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (62) versichert, dass sie der Sicherheit im Schneesport eine hohe Bedeutung beimesse. Dennoch: Von einer Promillegrenze auf der Skipiste will sie nichts wissen.
In Italien drohen Bussen bis 1000 Euro
Ins Spiel gebracht hat die Promillegrenze der Berner EVP-Nationalrat Marc Jost (52). Er verweist darauf, dass sich in der Schweiz jedes Jahr mehr als 60'000 Personen beim Schneesport verletzen. Meist handelt es sich um Selbstunfälle wegen Selbstüberschätzung oder überhöhtem Tempo.
Die volkswirtschaftlichen Kosten lägen pro Jahr bei 600 Millionen Franken, weshalb Jost als Mitglied beim Blauen Kreuz das Alkohollimit als zusätzliche Präventionsmassnahme anregt.
In Italien gilt als einzigem Alpenland seit 2022 eine Pisten-Promillegrenze von 0,5. Bei Verstössen drohen Bussen von 250 bis 1000 Euro und der Entzug des Skipasses; ab 0,8 Promille gilt es als Straftat. Carabinieri auf Ski können bei Auffälligkeiten Alkoholtests anordnen. 2025 fanden allein im norditalienischen Trentino fast 2000 Kontrollen statt, rund drei Dutzend Personen wurden gebüsst.
Er verfolge die Entwicklungen in anderen Ländern, versichert der Bundesrat in seiner Antwort. Erste Erkenntnisse aus Italien lägen zwar vor, sie reichten aber noch nicht für eine verlässliche Beurteilung zu Auswirkungen auf Unfallzahlen oder Präventionswirkung.
Unfall kann schon heute teuer zu stehen kommen
Und der Bundesrat hat denn auch nicht vor, selber die Initiative für eine Promillegrenze auf Schweizer Skipisten zu ergreifen. Vielmehr erachte er derzeit andere Präventionsmassnahmen, Sensibilisierungskampagnen sowie die Eigenverantwortung der Schneesporttreibenden als zentral.
Doch selbst wenn auf Schweizer Pisten bisher keine Promillegrenze gilt: Ein Unfall unter Alkoholeinfluss kann teuer zu stehen kommen. So gilt ein solcher als grob fahrlässig, was zu erheblichen Leistungskürzungen bei Versicherungen führen kann.
Abgesehen vom Strassenverkehr kürzt die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt Suva die Leistungen ab 1,5 bis 1,99 Promille um 10 Prozent; bei über 2 Promille sind es 20 Prozent. Allerdings sind solche Fälle gemäss Schweizer Unfallversicherern sehr selten.