Darum gehts
- Am 9. Januar 2026 gedenkt die Schweiz der Opfer der Brandtragödie von Crans-Montana
- 35 Länder, darunter Frankreich und Italien, sind eingeladen
- Es gab auch schon früher nationale Traueranlässe
Nach der verheerenden Brandkatastrophe in Crans-Montana VS mit 40 Toten und 116 teils Schwerverletzten führt der Bund am Freitag zusammen mit den Schweizer Kirchen einen nationalen Trauertag durch. Blick erklärt, was das bedeutet.
Seit Tagen hängen die Fahnen vielerorts in der Schweiz auf halbmast. Am Freitag wird nun an einem nationalen Trauertag der Opfer der Brandtragödie von Crans-Montana gedacht. Im Zentrum steht dabei eine offizielle Zeremonie um 13.45 Uhr im Kongresszentrum Cerm in Martigny VS. Dabei werden Vertreter verschiedener Behörden sowie der Rettungskräfte das Wort ergreifen. Die Zeremonie ist den Opfern, ihren Angehörigen und den Betroffenen gewidmet.
Um 14 Uhr werden zudem in der ganzen Schweiz die Kirchenglocken fünf Minuten lang läuten und eine Schweigeminute abgehalten.
Die Gedenkfeier ist nicht öffentlich und richtet sich in erster Linie an die betroffenen Familien. Eingeladen sind auch internationale, eidgenössische, kantonale und lokale Behörden. Insgesamt werden gut 1000 Personen erwartet.
Die Landesregierung ist dabei mit Bundespräsident Guy Parmelin (66), den Bundesräten Ignazio Cassis (64) und Beat Jans (61) sowie Bundeskanzler Viktor Rossi (57) vertreten.
Das Aussendepartement (EDA) hat zudem 37 Länder sowie die Europäische Union eingeladen. Darunter die direkt von der Tragödie betroffenen Staaten – insbesondere Frankreich und Italien – sowie diejenigen, die ihre Hilfe angeboten haben. Dem Trauertag vom Freitag werde «bewusst eine internationale Dimension verliehen», sagte das EDA der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Erwartet werden verschiedene Staatsvertreter. Der französische Präsident Emmanuel Macron (48) hat seine Teilnahme zusammen mit dem für Europa zuständigen Staatssekretär Benjamin Haddad (40) bereits angekündigt. Teilnehmen wird auch der italienische Präsident Sergio Mattarella (84). Für Belgien nimmt Premierminister Bart De Wever (55) teil und für Luxemburg Grossherzog Henri (70). Roberta Metsola (46) vertritt als Präsidentin das Europäische Parlament.
An der Zeremonie selbst sind nur eingeladene Gäste zugelassen. Für die Schweizer Bevölkerung wird die Gedenkfeier aber übertragen. SRF, RTS und RSI übertragen den Gedenkanlass live im Fernsehen auf SRF 1. Radio SRF 1 und SRF 2 Kultur kommentieren die Gedenkfeier gemeinsam. Die Übertragung startet um 13.30 Uhr.
Eine Übertragung wird zudem für die Bevölkerung in Crans-Montana im Kongresszentrum Le Régent organisiert.
Der nationale Trauertag findet in der ganzen Schweiz seinen Widerhall. Neben Glockengeläut und Schweigeminute werden vielerorts Zeichen der Verbundenheit und Unterstützung für die Betroffenen gezeigt.
Der Kanton Aargau beispielsweise wird am Regierungsgebäude in Aarau drei Flaggen mit Trauerflor hissen. Neben der Schweizer und Aargauer wird die Walliser Flagge wehen. Auch die Baselbieter Regierung lässt «als Zeichen der Solidarität und der Verbundenheit mit dem Kanton Wallis» am Regierungsgebäude in Liestal die Walliser Fahne hissen.
An verschiedenen Orten finden separate Gedenkanlässe statt. Beispielsweise in Zürich um 14.15 Uhr in der Fraumünster-Kirche. Oder in Freiburg wird um 18.15 Uhr in der Kathedrale St. Nikolaus eine Diözesanmesse abgehalten. In Italien findet in Rom eine Messe statt, zu welcher Regierungschefin Giorgia Meloni (48) Vertreter von Regierung und Opposition eingeladen hat.
Auch im öffentlichen Verkehr wird der Trauertag zu spüren sein. Die SBB-Lokführer haben die Erlaubnis, um 13.58 Uhr mit der Zugspfeife ihr Gedenken zu bekunden. «Dieses Pfeifen als Gedenken an die Opfer und ihre Angehörigen machen wir bewusst vor der Schweigeminute», erklärt eine SBB-Sprecherin. Um 13.55 Uhr wird in den Zügen per Durchsage auf die Schweigeminute hingewiesen. Zudem werden die Fahnen an den Bahnhöfen auf halbmast gesetzt. In der Region Bern stehen um 14 Uhr Trams und Busse sogar still: Für 20 Sekunden stoppen alle Bernmobil-Fahrzeuge.
Weiterhin zugänglich ist das Online-Kondolenzbuch für die Opfer des Unglücks in Crans-Montana, welches der Bund eingerichtet hat.
Einen nationalen Trauertag kennt die schweizerische Gesetzgebung nicht. Trotzdem können der Bundespräsident und Bundesrat zu einem Akt des nationalen Gedenkens einladen, was bei verschiedenen Ereignissen bereits getan wurde.
Am 5. März 2021 rief der Bund – schon damals war Guy Parmelin Bundespräsident – zum Gedenken an die Corona-Opfer schweizweit zu einer Schweigeminute auf. Gleichzeitig liessen die drei Landeskirchen ihre Kirchenglocken läuten.
Als 2004 ein Tsunami über die Küsten in Südostasien hereinbrach und auch 113 Schweizerinnen und Schweizer in den Tod riss, gedachte die Eidgenossenschaft der Opfer mit einem nationalen Trauertag, einem zentralen Gottesdienst im Berner Münster, 15 Minuten Glockengeläut im ganzen Land und Fahnen auf halbmast.
Trauerbeflaggung ordnete der Bundesrat auch bei diversen anderen Tragödien an, etwa dem Crossair-Absturz 2001, bei dem 24 Menschen starben, nach einem Busunglück im Wallis mit 28 Toten oder einem Terroranschlag in Burkina Faso 2016, dem zwei Schweizer zum Opfer fielen.
Nein, der nationale Trauertag ist kein offizieller Feiertag und damit auch nicht arbeitsfrei.