Darum gehts
- Pascal Couchepin kritisiert Gesundheitssystem wegen einer teuren Salbe gegen Ausschlag ohne Rezept
- Salbe kostet ohne Rezept 10 Franken mehr trotz Verzicht auf Bürokratie
- 17 Jahre nach Amt: Couchepin (84) spricht über Gesundheit und Renten
Bereits 17 Jahre ist Pascal Couchepin (84) nicht mehr Bundesrat – dennoch diskutiert der FDP-Mann weiterhin gerne über die Politik. Besonders leidenschaftlich tut der ehemalige Innenminister dies über die Renten und das Gesundheitswesen.
Bei Letzterem ist Couchepin auch als Ex-Gesundheitsminister nicht vor Stolpersteinen gefeit. «Es ist wahr, das System ist kompliziert», sagte der alt Bundesrat im «Tagesgespräch» bei Radio SRF. Und offenbart einen überaus frustrierenden Besuch in der Apotheke.
Gesund trotz Wirbelsäulenbruch
«Ich bin noch ziemlich gesund für mein Alter», sagte Couchepin im Interview mit SRF-Redaktor Philippe Reichen. Trotz eines Unfalls: Er sei vor einigen Jahren im Wald gestürzt – und zog sich dabei einen Bruch in der Wirbelsäule zu.
Mittlerweile hat sich Couchepin davon erholt. Arzneimittel braucht der FDP-Rentner dennoch gelegentlich. «Gestern ging ich zur Apotheke, um Medikamente zu holen», sagt er bei Radio SRF. «Einige übernimmt die Krankenkasse, einige bezahlte ich aus der eigenen Tasche.» Er wolle ja nicht immer bei allem zur Prämienlast beitragen.
Salbe gegen Ausschlag plötzlich 10 Franken teurer
Nur: Das ging bei einem Produkt gründlich in die Hose. Wie Couchepin erzählt, habe er eine Salbe kaufen wollen, die er bereits zuvor einmal angewendet hatte. «Sie sagten mir, es sei nur gegen ein ärztliches Rezept möglich. Ich antwortete, dass ich es aber selbst bezahlen möchte», so der alt Bundesrat. Die Antwort: Das gehe schon – nur koste das Mittel dann halt 10 Franken mehr.
«Wie denn? Ich spare Ihnen die Bürokratie und es kostet mehr?», habe Couchepin laut eigener Erzählung erwidert. Und wurde durch den Grund noch baffer: Es handle sich um ein Abkommen zwischen Ärzteschaft und den Versicherern, so der Apotheker. «Man soll gezwungen werden, zum Arzt zu gehen, um ein solches Heilmittel zu erhalten», sagt ein enervierter Couchepin. Dann fallen die Kosten der Arztkonsultation noch an.
Noch kurze Zeit vorher referierte der Ex-Magistrat darüber, dass die steigenden Krankenkassenprämien durchaus nachzuvollziehen seien, wenn man sich richtig damit beschäftige. Doch die Episode zeigt: Selbst Fachmänner blicken beim Schweizer Gesundheitswesen nicht immer durch.