Darum gehts
Grosse Unternehmen der Lebensmittelindustrie haben sich mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) auf eine «freiwillige» Einschränkung der Werbung geeinigt, die sich explizit an Kinder unter 13 Jahren richtet. Im Fokus steht Werbung für besonders süsse, salzige und fettige Produkte.
Konkret: Werbung für ungesunde Lebensmittel soll an Primarschulen und auf Plakaten im Umkreis von 50 Metern rund um Schulhäuser untersagt sein. Ebenso wenig soll sie künftig vor Kindersendungen im Fernsehen und auf Websites, in sozialen Netzwerken oder auf Spielplattformen erscheinen.
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Spiel-Sites: Junkfood-Werbung erreicht Millionen Kinder
Doch die Lebensmittelbranche konnte sich ausbedingen, dass in diesem Bereich nur auf Werbung verzichtet wird, wenn das Zielpublikum zu mindestens 30 Prozent aus unter 13-Jährigen besteht. Sprich: Auf den derzeit populärsten Spielplattformen wie Roblox, Minecraft und Fortnite kann die Branche deshalb weiterhin für ihre ungesunden Produkte werben.
Diese Spiel-Sites sind für die Lebensmittelindustrie längst Werbeplattformen für Junkfood. Trotz der neuen Vereinbarung mit der Industrie dürfte sich hier wenig ändern: Auf Minecraft etwa erreicht die Industrie weiterhin Millionen Kinder und Jugendliche. Bei geschätzten 200 Millionen monatlich aktiven Spielern sind gemäss Nutzeranalysen rund 40 Millionen jünger als 15-jährig. Die Zahl der unter 13-Jährigen wird nicht erhoben.
Lebensmittelindustrie entschärfte die Werberegeln
Ursprünglich wollte das BLV strengere Werbeeinschränkungen festhalten: Vorgeschlagen war ein Werbeverbot im Umkreis von 100 Metern rund um Schulen. Auch vor Kinderfilmen im Kino hätte die Werbung eingeschränkt werden sollen. Doch damit kam der Bund nicht durch. Die freiwillige Selbstregulierung sieht nun immerhin vor, dass die Industrie bei der Werbung vor Ostern und Weihnachten nicht mehr auf mehr Freiheiten beharrt.
Noch sei diese «freiwillige Selbstverpflichtung» der Lebensmittelindustrie nicht unter Dach und Fach, betont das Bundesamt gegenüber dem Beobachter: «Wir beabsichtigen, den Kreis der beteiligten Unternehmen noch zu erweitern. Diese Gespräche laufen.» Ziel sei es, die Vereinbarung dieses Jahr abzuschliessen und 2027 in Kraft zu setzen. Zugestimmt haben der Werbeeinschränkung bereits Coop, Migros, Aldi, Lidl und einige grosse Firmen wie Nestlé, Coca-Cola, Emmi, Rivella und Zweifel, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Chocosuisse und Danone sind hingegen nicht dabei.