Darum gehts
- Migros-Chef warnt vor Folgen der 10-Millionen-Initiative
- 90 Prozent der Fleischzerleger sind ausländische Arbeitskräfte
- Junge SVP fordert nachhaltigeres Bevölkerungswachstum
Es waren deutliche Worte, mit denen sich Migros-Boss Mario Irminger (61) im Abstimmungskampf zur 10-Millionen-Initiative zu Wort meldete: Kommt die Initiative durch, drohen «kürzere Öffnungszeiten, weniger Filialen – oder allenfalls auch weniger Fleisch, weniger Auswahl», sagte er in einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende».
Schon heute gebe es beispielsweise in der Fleischverarbeitung kaum genügend Arbeitskräfte. «Aktuell sind rund 60 Prozent unserer Micarna-Mitarbeitenden ausländische Staatsbürger, in der Zerlegerei, wo also das Fleisch ausgebeint wird, sind es sogar 90 Prozent. Wir sind auf sie angewiesen – heute schon und um die Lücken zu füllen, die auf uns zukommen.»
Vorwurf von Lohndumping
Das Interview kommt hingegen bei der Jungen SVP um Präsident Nils Fiechter (28) nicht gut an. In einem offenen Brief kritisieren sie die Migros scharf. Die Abhängigkeit von Zuwanderung sei keine Stärke, «sondern ein Zeichen fehlender Nachhaltigkeit». Die Initiative verlange kein Nullwachstum oder eine Rückführung von Personen. «Es geht darum, das Wachstum auf ein gesundes Mass zu bringen.»
Die EU-Personenfreizügigkeit ermögliche es Firmen wie der Migros, Lohndumping im grossen Stil zu betreiben und so die Löhne künstlich tief zu halten. «Logisch, lassen sich immer weniger Schweizer Arbeitnehmer für offene Stellen finden, wenn sich die Löhne sukzessive dem EU-Niveau annähern.»
Migros-Chef Irminger hatte sich bereits im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» zu den Löhnen geäussert. «Die Löhne sind aus unserer Sicht angemessen. Im internationalen Vergleich – etwa mit Deutschland oder Frankreich – sind sie zwei- bis dreimal so hoch.»
Fiechter hat den offenen Brief am Mittwochvormittag vor einer Migros-Filiale in Zürich vorgetragen und dabei auch ein Plakat präsentiert, das für die Initiative wirbt – und dabei das ikonische Migros-Logo und ein Bild von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler (1888–1962) verwendet: «Er hätte bestimmt kein Modell unterstützt, das dauerhaft auf immer höheres Bevölkerungswachstum und eine immer grössere Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften setzt», heisst es im offenen Brief.