Englische Härte dient als Vorbild
Jans will Fussball-Chaoten rote Karte zeigen

Nach Krawallen beim YB-Spiel gegen Aston Villa und harten Strafen in England könnte die Schweiz nachziehen. Justizminister Beat Jans will Schnellrichterurteile prüfen, um Gewalt in Stadien effizienter zu ahnden.
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YB-Chaoten warfen bei der Europa-Partie gegen Aston Villa Ende November Gegenstände aufs Spielfeld und lieferten sich ein Handgemenge mit der Polizei.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • YB-Fans warfen beim Europa-Spiel im November in England Gegenstände – es kam zu Festnahmen
  • Britische Schnellurteile beeindrucken die Schweiz, die Regierung prüft Gesetzesänderungen
  • Ein 36-Jähriger bekam zwei Monate Haft, die Namen der Festgenommenen wurden öffentlich gemacht
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Daniel BallmerRedaktor Politik

Die Bilder sorgten für Aufregung: YB-Chaoten warfen bei der Europa-Partie gegen Aston Villa Ende November Stadionsitze, Münzen und Becher aufs Spielfeld und lieferten sich ein Handgemenge mit der Polizei. Noch im Stadion kam es zu Verhaftungen. Am Folgetag wurden am Flughafen von Birmingham weitere Berner festgenommen.

In England gilt eine Nulltoleranz bei Attacken auf Polizisten. Das bekamen die Verhafteten zu spüren. Nur wenige Stunden später wurde ein erstes Urteil bekannt: Ein 36-Jähriger musste für zwei Monate ins Gefängnis. Die britische Polizei publizierte zudem die Namen und das Alter der festgenommenen YB-Fans. So waren sie für Freunde und Arbeitgeber leicht identifizierbar.

Wie am Freitag bekannt wurde, darf der 36-jährige Oberstufenlehrer nach den verbüssten zwei Monaten Haft nun wieder in Fraubrunnen BE unterrichten. Die Schulleitung habe zuvor eine rechtliche und pädagogische Beurteilung vorgenommen, wie sie mitteilte.

«Folgen Strafen unmittelbar, schreckt das ab»

Das harte britische Vorgehen findet auch in der Schweiz Anhänger. Justizminister Beat Jans (61, SP) scheint die Schraube ebenfalls anziehen zu wollen. Der Bundesrat hat soeben einen Vorstoss von Mitte-Ständerätin Andrea Gmür (61) angenommen. Die Regierung soll aufzeigen, welche Änderungen nötig wären, «damit nach Gewaltvorfällen in Stadien so rasche Urteile gefällt werden können».

Das britische Verfahren scheine äusserst schnell und effizient zu sein, zeigt sich die Luzernerin Gmür beeindruckt: «Folgen die Strafen unmittelbar auf die Tat, hat dies auch abschreckende Wirkung.» Daher stelle sich die Frage, warum das in der Schweiz nicht möglich ist. Oder welche Gesetze anzupassen sind, um eine Beschleunigung zu erreichen.

Keller-Sutter war Vorreiterin

Eine Premiere wären rasche Urteile gegen Chaoten aber auch im Schweizer Fussball nicht. Als damalige St. Galler Justizdirektorin hatte die heutige Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62, FDP) als Erste das Konzept eines Schnellrichters eingeführt. Dieser konnte bei Fussball- oder Eishockeyspielen im Ruckzuckverfahren Urteile fällen.

Wurde ein Pyro-Zünder oder Gewalttäter ertappt, identifiziert und dem Schnellrichter vorgeführt, konnte dieser sofort eine Busse erteilen. So reist der Täter schon mit einem Einzahlungsschein vom Spiel ab. Oder spätestens nach einer Nacht in der Zelle.

«Es zeigt sich, dass Schnellrichter bei Chaoten eine präventive Wirkung haben. Vor und nach Spielen ist es deutlich ruhiger geworden. Die Sachbeschädigungen gingen zurück», sagte Keller-Sutter 2010. Doch: Für die Bekämpfung der Fanprobleme sind die Kantone und die Städte zuständig, das St. Galler Modell wurde nicht landesweit übernommen.

Und auch in St. Gallen kam es seit langem zu keinem Einsatz eines Schnellrichters mehr. Der Grund: das ligaweite Good-Hosting-Konzept, das Gästefans als Gäste und nicht als Feinde behandelt. Ausserdem gab es beim Expressverfahren rechtliche Fragezeichen. Auf solche Fragen will Justizminister Beat Jans nun Antworten finden.

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