Eklat nach homophoben Drohungen
Co-Präsidentin der Jungen EVP wechselt die Partei

Nach queerfeindlichen Anfeindungen tritt die lesbische Politikerin Lea Blattner per sofort aus der EVP aus. Sie fühlt sich von der Partei im Stich gelassen.
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Jungpolitikerin Lea Blattner verlässt die EVP.
Foto: Keystone
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Fabian EberhardStv. Chefredaktor SonntagsBlick

EVP-Politikerin Lea Blattner (32) zieht einen Schlussstrich. Nachdem sie queerfeindlich bedroht worden war und die Partei ihrer Meinung nach zu wenig dagegen unternommen hat, gibt sie am Montag ihren Austritt aus der EVP bekannt. Das hat Blick aus zuverlässiger Quelle erfahren. 

Noch ist unklar, wohin es sie zieht. Aller Voraussicht nach dürfte sie künftig bei der SP oder den Grünen politisieren. Blattner war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Drohungen, weil sie lesbisch ist

Die Baselbieter Politikerin outete sich vor einem Jahr als lesbisch. Daraufhin erhielt sie Beschimpfungen und Morddrohungen. «Seit meinem Coming-out habe ich innerhalb der EVP und ihrem Umfeld viel Liebe, aber auch wiederholt Ablehnung und Hass erlebt», schrieb sie auf Instagram. Diese Angriffe verortete die Jungpolitikerin bei Personen «aus Parteinähe». Anfang Jahr gab Blattner schliesslich ihren Rücktritt als Co-Präsidentin bekannt.

Am Freitag verschickte die EVP eine Medienmitteilung, in der sie betonte, das Thema Homophobie ernst zu nehmen. Man wolle Betroffene künftig besser schützen und richte eine unabhängige Meldestelle ein.

Zeitgleich dankte die EVP Blattner «für die geleistete Arbeit» und wünschte ihr «alles Gute». Davon wiederum fühlte sich diese offensichtlich überrumpelt. Auf Instagram schrieb sie, dass sie nichts von der Medienmitteilung wusste und sich dazu vorläufig nicht äussere.

Kritik von Lesbenorganisation

Die Lesbenorganisation Schweiz (LOS) kritisiert das Vorgehen der Partei. Co-Geschäftsleiterin Alessandra Widmer begrüsst zwar, dass die EVP einen Wandel anstossen will. Gleichzeitig stellt sie jedoch fest, dass die Partei ihr Image weiterhin über das Wohl der zurückgetretenen Jung-Präsidentin stelle.

«Mit der nicht abgesprochenen Mitteilung bringt die Partei Lea Blattner abermals in eine heikle Situation», sagt Widmer. Es entstehe ein «unfaires Kräfteverhältnis zwischen einer Einzelperson und einer Partei». Laut der LOS-Geschäftsführerin besteht weiter die Gefahr, dass Blattner erneut Drohungen und Anfeindungen erhalte.

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