«Unerwünschte Vorteile im Zivildienst werden beseitigt»
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Guy Parmelin:«Unerwünschte Vorteile im Zivildienst werden beseitigt»

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Abstimmung vom 14. Juni
So viel härter will der Bundesrat künftig Zivis anpacken

Am 14. Juni stimmt die Schweiz über eine Zivildienst-Reform ab. Ab 14.30 informiert Bundesrat Guy Parmelin über die Vorlage. Blick beantwortet schon jetzt die wichtigsten Fragen und Antworten.
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Der Zivildienst soll unattraktiver werden.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schweiz stimmt am 14. Juni 2026 über Zivildienst-Änderungen ab
  • Neue Regeln machen Zivildienst unattraktiver, um Abwanderung aus der Armee zu stoppen
  • 2025 gab es 7211 Zulassungen zum Zivildienst, stetiger Anstieg seit 2021
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Tobias BruggmannRedaktor Politik

Wer nicht durch den Wald robben und stundenlange Wachen schieben will, kann heute relativ einfach den Militärdienst verweigern und in den Zivildienst wechseln. Doch das soll neu erschwert werden. Am 14. Juni 2026 entscheidet die Schweiz darüber. Die wichtigsten Fragen und Antworten. 

Was soll sich ändern?

Bundesrat und Parlament wollen mit sechs Massnahmen erreichen, dass weniger Leute vom Militär in den Zivildienst «abschleichen».

  • Wer in den Zivildienst wechselt, muss mindestens 150 Zivildiensttage leisten, unabhängig davon, wie viele Tage im Militär noch übrig wären.
  • Wer alle Armee-Ausbildungstage gemacht hat, kann nicht mehr die Schiesspflicht umgehen, indem er in den Zivildienst wechselt.
  • Auch Unteroffiziere und Offiziere sollen 1,5 Zivildiensttage pro Militärdiensttag leisten. Bislang galt für sie ein tieferer Faktor.
  • Einsätze, die ein begonnenes Medizinstudium verlangen, sind nicht mehr erlaubt. Dies, weil der Armee medizinisches Personal fehlt.
  • Zivis müssen ab dem Jahr nach dem ersten Einsatz jährlich Dienst leisten.
  • Wer vor oder während der RS ein Gesuch für den Zivildienst stellt, muss neu den langen Einsatz von 180 Tagen bereits im Jahr nach der Zulassung absolvieren.

Wer macht noch Zivildienst?

Der Zivildienst ist beliebt: 2025 gab es 7211 Zulassungen, seit 2021 ist die Zahl von über 6100 stetig gestiegen. 2008, als es noch eine Gewissensprüfung gab, gab es rund 3700 Zulassungen.

Kommt die Gewissensprüfung zurück?

Nein, darüber stimmen wir nicht ab. Doch es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Gewissensprüfung bald wieder zum Thema wird: Der Bundesrat muss im Auftrag des Nationalrats einen Bericht über eine mögliche Wiederaufnahme schreiben

2009 ist die Gewissensprüfung abgeschafft worden. Wer keinen Militärdienst leisten will, muss einen sogenannten «Tatbeweis» erbringen, indem er einen 1,5-mal so langen Ersatzdienst im Zivildienst leistet.

Bis die Gewissensprüfung tatsächlich wieder eingeführt wird, dauert es aber noch. Nach dem Bericht beginnt der politische Prozess, der dürfte noch Jahre dauern. 

Was bedeutet das für das Militär?

Der Bund möchte, dass weniger Leute aus dem Militärdienst in den Zivildienst abwandern. Die Befürworter argumentieren, dass man so einen Beitrag dazu leiste, dass Armee und Zivilschutz genügend Leute bekommen. 

Wann wird zwischen Militär und Zivildienst gewechselt?

Der grösste Teil der Zulassungen im vergangenen Jahr, nämlich 55,4 Prozent, wechselte schon vor der Rekrutenschule, 11,2 Prozent während der RS und etwas mehr als ein Drittel nach bestandener RS. 

Wo kann man Zivildienst machen?

Über die Hälfte aller Zivi-Einsätze werden im Sozialwesen geleistet, also zum Beispiel im Alters- oder Pflegeheim. Zivis lesen den älteren Menschen vor, gehen mit ihnen spazieren, helfen bei der Körperpflege oder begleiten sie zu Arztbesuchen oder Veranstaltungen.

Auch im Schulwesen – also zum Beispiel als Klassenassistenz – oder im Gesundheitswesen gibt es viele Aufträge. Insgesamt machen diese drei Branchen über drei Viertel aller Diensttage aus. 

Wer ist für die Änderungen?

Bundesrat und Parlament unterstützen die Änderung. Auch die bürgerlichen Parteien sind dafür. Es müsse Schluss sein mit der Umgehung der Wehrpflicht durch ein «bequemes Ausweichmodell namens Zivildienst», sagte SVP-Nationalrätin Stefanie Heimgartner (38) in der Ratsdebatte. Der Zivildienst sei kein Wunschmodell, sondern nur für den Fall eines unüberbrückbaren Gewissenskonflikts vorgesehen.

Wer kämpft dagegen?

Grüne, SP und weitere linke Gruppen haben das Referendum ergriffen. Die Massnahmen hätten einen «Strafcharakter», sagte SP-Nationalrätin Priska Seiler-Graf im Nationalrat. «Sie sind offensichtlich in erster Linie dafür da, den Zivildienst unattraktiv zu machen. Das macht die Armee aber nicht automatisch attraktiver.» Die Massnahmen würden nur dazu führen, dass sich die Leute vermehrt auf dem medizinischen Weg befreien lassen.

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