Bundesrat will härtere Flugregeln
Beamte dürfen bald nicht mehr nach Brüssel jetten

Nach Brüssel reisen Bundesangestellte besonders gern mit dem Flugzeug. Mit einer neuen Regel will der Bundesrat dem einen Strich durch die Rechnung machen – und umweltfreundlicher werden. Beamte sollen auf den Zug gezwungen werden.
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Der Bundesrat will die Flugreisen der Verwaltung einschränken. Künftig sollen sie nur noch erlaubt sein, wenn die Zugreise länger als acht Stunden dauert.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bundesrat plant, Flugreisen für Bundesangestellte erst ab acht Stunden Fahrzeit im Zug zu erlauben
  • 1661 Flüge zwischen Bern und Brüssel laut Flugliste 2024
  • 2024 verursachte die Bundesverwaltung 44,4 Millionen Flugkilometer, das sind 61 Prozent CO2-Emissionen des Bundes
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Lucien FluriCo-Ressortleiter Politik

Wer mit dem Zug von Bern nach Brüssel fährt, braucht Zeit: 6 Stunden und 43 Minuten dauert die Reise, bestenfalls. Mit Umsteigen in Paris. Schweizer Beamte, die aus der Bundesstadt in die europäische Machtzentrale fuhren, durften für die Strecke deshalb bisher das Flugzeug nehmen.

Denn grundsätzlich gilt: Dauern Zugreisen länger als sechs Stunden, ist auch die Airline erlaubt. Bei kürzeren Reisezeiten ist das Fliegen nur in Ausnahmefällen zulässig. Das hat der Bundesrat bereits 2019 beschlossen. Er will damit den CO2-Ausstoss der Bundesverwaltung reduzieren. 

Brüssel im Fokus

Jetzt plant der Bundesrat, die Regel anzupassen. Dies schreibt er in einer Antwort auf einen Vorstoss der Grünen-Nationalrätin Franziska Ryser (34, SG). «Es ist vorgesehen, diese Schwelle von sechs auf acht Stunden zu erhöhen, bevor eine Flugreise zugelassen wird.»

Das trifft vor allem die Strecke nach Brüssel. Aktuell ist die europäische Schaltzentrale eine der Destinationen, in die die Bundesangestellten besonders oft fliegen. 1661 Flüge von oder nach Brüssel zeigt die Flugliste des Bundes 2024. 

Zahl der Flüge kaum gesunken

Dass der Bundesrat über schärfere Regeln nachdenkt, kommt nicht von ungefähr: Zuletzt ist weder die Zahl der Flüge noch die Zahl der geflogenen Kilometer spürbar zurückgegangen. Dabei sind die Flüge für 61 Prozent der CO2-Emissionen der Bundesverwaltung verantwortlich. 

Über 23’670 Flüge zählte die Bundesverwaltung laut den letzten verfügbaren Daten im Jahr 2024. Das entspricht nicht weniger als 44,4 Millionen Flugkilometern – rund 1000 Kilometern für jeden der 43'513 Bundesangestellten. 

Dass bereits die Sechs-Stunden-Regel Folgen hatte, zeigt sich an der Zahl der Flüge mit der Enddestination Paris (4 Stunden und 30 Minuten Fahrzeit im TGV): Es gab 2024 gerade mal ein paar Dutzend Flüge in die französische Hauptstadt. 

Die Zugfahrten nach Rom, Wien oder Berlin dauern länger als acht Stunden. Diese dürften auch mit der neuen Regel noch angeflogen werden. 

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