Darum gehts
- Bundesangestellte buchten 2024 23670 Flüge, CO₂-Emissionen blieben hoch
- Bundesrat gehört mit seinen Jets zu grössten Klimasündern unter der Bundeshauskuppel
- Bundesverwaltung reduzierte CO₂-Ausstoss seit 2006 um 48 Prozent
Ob Bangkok, Lima oder La Paz, ob Helsinki, New York oder Abu Dhabi: Es gibt wohl kaum eine grössere Stadt in der Welt, die 2024 nicht Besuch von einem Schweizer Bundesangestellten bekommen hat. Das zeigt die neuste Flugliste der Bundesverwaltung. Über 23’670 Flüge sind dort gelistet, Anschluss- und Rückflüge mitgezählt.
Seit der Pandemie reisen die Bundesangestellten wieder, nicht weniger als 44,4 Millionen Flugkilometer waren es 2024. Das macht rund 1000 Kilometer für jeden der 43'513 Bundesangestellten - oder einen Flug nach Paris und zurück.
Brisant: Im Vergleich zum Vorjahr ist weder die Zahl der Flüge noch die Zahl der geflogenen Kilometer spürbar zurückgegangen. Dabei sind die Flüge für 61 Prozent der CO₂-Emissionen der Bundesverwaltung verantwortlich (aufs Heizen gehen 15 Prozent zurück, auf Autofahrten 21 Prozent und 8 Prozent auf den Papierverbrauch). Es gab im letzten Jahr nur rund 100 Flüge weniger als noch 2023.
Weniger Business sorgt für weniger CO₂-Ausstoss
Tatsächlich gebe es sowohl bei der Zahl der Flugkilometer als auch beim CO₂-Ausstoss nur einen «sehr leichten Rückgang», bestätigt das Departement von Umweltminister Albert Rösti (58), das für den soeben veröffentlichten Umweltbericht verantwortlich ist. Er zeigt jährlich den Treibhausgas-Ausstoss der Verwaltung auf, mit Ausnahme des Verteidigungsdepartements. Dieses verfasst eigene Analysen.
Dass der CO₂-Ausstoss bei den Flügen der Bundesangestellten leicht gesunken ist, hat vor allem einen Grund: Es wurde weniger Business geflogen. Sowohl das Aussendepartement von Ignazio Cassis (64) als auch das Innendepartement von Elisabeth Baume–Schneider (61) hatten 2024 Regeln erlassen, die Business-Flüge zur Ausnahme erklärten. Diese gelten als weniger umweltfreundlich, weil die Passagiere mehr Platz einnehmen und die luxuriösen Sitze schwerer sind. Wer die CO₂-Bilanz senken will, muss also nicht zwingend weniger fliegen, sondern nur etwas weniger komfortabel.
Bundesratsjet sorgt für schlechte CO₂-Bilanz
Zu den grössten «Klimasündern» in der Bundesverwaltung gehört der Bundesrat. Die Flüge der sieben Bundesratsmitglieder in den Helikoptern oder dem Bundesratsjet sorgten für einen – im Vergleich mit dem Rest der Bundesverwaltung – immensen CO₂-Ausstoss. 3760 Tonnen CO₂ entsprachen die Flüge.
Die Flugreisen der anderen Angestellten (ausser dem erwähnten VBS) stiessen dagegen 11'550 Tonnen CO₂ aus. Insgesamt listet der Bericht für die Verwaltung einen Treibhausgas-Ausstoss von fast 25’000 Tonnen auf. Damit entfallen 15 Prozent auf den Bundesratsjet.
Immerhin: Der Bundesrat ist 2024 weniger geflogen als im Vorjahr und sorgte mit den 3760 Tonnen CO₂-Äquivalent für deutlich weniger Emissionen als 2023 (damals waren es 5222 Tonnen). Nun liegt er wieder auf dem Niveau von 2019. Die Bundesverwaltung erreichte im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 40 Prozent bei den geflogenen Kilometern.
Ein Viertel in der Businessclass
Insgesamt ist die Bundesverwaltung erfolgreich unterwegs: Sie konnte seit 2006 den CO₂-Ausstoss um 48 Prozent senken. Insbesondere beim Strom und beim Heizen gingen die Emissionen stark zurück. Noch nicht so deutlich ist der Rückgang bei den Autofahrten. Dort macht sich bemerkbar, dass die Elektroautos erst nach und nach Einzug halten.
Bei den Flügen der Bundesangestellten sorgt vor allem ein Umstand für einen Rückgang des CO₂-Ausstosses: Es wird deutlich weniger Business geflogen. Jetteten die Beamten 2019 noch auf 40 Prozent der Strecken in der luxuriösen Klasse durch die Welt, sind es nun noch 25 Prozent.
Um den Treibhausgas-Ausstoss weiter zu senken, wollen die Generalsekretäre der Departemente nun zusätzliche Massnahmen ergreifen. Unter anderem mit weniger Businessflügen, ebenso sollen die Bedingungen für Autofahrten verschärft werden. Und bis zum Jahr 2040 sollen die Departemente eine kontinuierliche Reduktion der Flüge planen.
Wie die Bilanz für 2025 aussehen mag? Das wird auch davon abhängen, wie oft der Bundesrat seinen Jet nutzt. Zuletzt sorgte der Zoll-Hammer von US-Präsident Donald Trump (79) für einen regen Flugbetrieb nach Washington und zurück.