Darum gehts
- Guy Parmelin spricht am 30. September bei McDonald's-Jubiläumsfeier in Bern
- Grüne kritisieren Auftritt wegen Widerspruchs zur Gesundheitspräventions-Strategie
- McDonald’s: 85 Prozent der Zutaten stammen von Schweizer Lieferanten
Guy Parmelin (66) ist ein echter Feinschmecker. Und dazu steht er auch. Ende August hatte ihm Blick einige typische Schweizer Klassiker zum Probieren und Bewerten vorgelegt, vom Brotaufstrich Cenovis über das Kultgetränk Rivella bis zu Paprika-Chips. Der Waadtländer sorgt mit dem Video für Schmunzeln – und erzählte von seinen nicht gerade kalorienarmen Genüssen.
Doch offenbar kennt auch die Feinschmeckerei des Bundespräsidenten eine Grenze. «Nein, Bundespräsident Guy Parmelin ist kein Kunde bei McDonald’s», sagt ein Sprecher Parmelins zu Blick.
Kein Kunde, aber bald Redner. Am 30. September wird Guy Parmelin in Bern an einer privaten Feier zum 50-jährigen Jubiläum des amerikanischen Giganten in der Schweiz das Wort ergreifen. Der Bundespräsident wird sich die Bühne unter anderem mit Beat Imhof, dem Präsidenten von Gastrosuisse, teilen.
«Der Junkfood-Industrie den Garaus machen»
Das dürfte Léonore Porchet (37) den Appetit verderben. Die grüne Nationalrätin aus dem Kanton Waadt hat im Nationalrat eine Anfrage eingereicht. Sie will wissen, wie der Bundesrat diese Teilnahme an der Feier eines Akteurs rechtfertigt, «dessen Angebot der nationalen Gesundheitspräventions-Strategie widerspricht» und dessen «Ausbreitung eine starke Konkurrenz für kleine Gastronomiebetriebe darstellt».
Die Präventions-Strategie? Das ist der Plan des Bundes zum Schutz vor Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen. Für den Zeitraum 2025 bis 2028 hat Bern insbesondere die Prävention von Übergewicht und Adipositas zu einer seiner drei Prioritäten gemacht.
Léonore Porchet spricht Klartext: «Jedes sechste Kind hat Probleme mit Adipositas, wir investieren zu wenig in die Prävention, die grossen Ketten erobern die Innenstädte, und der Bundesrat will den multinationalen Junkfood-Konzernen noch die Hand reichen?»
Die Kritik richtet sich gegen einen Bundespräsidenten, der zugleich Wirtschaftsminister ist. Und genau diese zweite Funktion hebt sein Pressesprecher hervor. Es sei gängige Praxis für einen Wirtschaftsminister, an Wirtschaftsanlässen teilzunehmen, sagt ein Sprecher Parmelins.
McDonald’s spielt die Schweizer Karte aus
Bei McDonald’s seinerseits sieht man kein Problem. Vom Unternehmen heisst es, man habe Guy Parmelin als Wirtschaftsminister eingeladen, und man verweist auf dessen «enge Verbindungen zur Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft».
Zur Untermauerung gibt es eine Flut von Zahlen. Demnach stellt die Kette mehr als 8000 direkte Arbeitsplätze. Rund 85 Prozent der Zutaten stammten von Schweizer Partnern, darunter etwa 6900 Landwirte. Der Konzern verweist zudem auf Einkäufe im Wert von über 290 Millionen Franken bei Schweizer Lieferanten.
Für McDonald’s ist die Anwesenheit von Guy Parmelin daher «ein Zeichen der Anerkennung». Der amerikanische Gigant, der 1976 in Genf Fuss fasste, zählt heute mehr als 190 Restaurants im Land.
Salat statt Pommes
Bleibt noch die andere, von Léonore Porchet angesprochene, Front: die Gesundheit. McDonald’s betont gegenüber Blick, «Fragen rund um Ernährung und Gesundheit ernst zu nehmen». Das Unternehmen verweist auf die Wahlfreiheit und die Vielfalt seiner Speisekarte. Es sei immer möglich, Pommes durch einen Salat zu ersetzen.