Darum gehts
- Pater Andri Tuor (51) wird neuer Weihbischof im Bistum Chur
- Überraschung: Tuor kommt von ausserhalb
- Tuor war 2023 in Hildesheim (Deutschland), zuvor leitete er die Schule in Engelberg
Das Bistum Chur erhält einen neuen Weihbischof: Nach Informationen von Blick soll der frühere Schulleiter des Klosters Engelberg, Pater Andri Tuor (51), die Bistumsleitung verstärken. Offiziell ernannt wird Tuor von Papst Leo (70). Das Bistum Chur will die Personalie nicht kommentieren und verweist auf das päpstliche Geheimnis.
Mit Pater Andri Tuor gelingt Bischof Joseph Bonnemain (77) eine Überraschung: Er befördert keinen seiner Kaderleute, sondern setzt auf frischen Wind von aussen. Tuor hatte 2023 Engelberg verlassen und ein längeres Sabbatical in Hildesheim (D) eingelegt.
«Hamburger und Pommes ausgeben»
Zu seinem Abschied sagte der Ordensmann zu kath.ch: «Ich kann mir vorstellen, an einer Schule zu unterrichten, mich wissenschaftlich zu betätigen, als Seelsorger in einem Sterbehospiz zu wirken oder aber bei McDonald’s zu arbeiten.» Denn: «Warum nicht als Mönch Hamburger und Pommes ausgeben und so ganz nah bei den Menschen sein?»
Mit Pater Andri dürfte Bischof Bonnemain drei Akzente setzen:
- Bildung: Die Personalie stärkt das katholische Schulwesen. Mit Einsiedeln, Engelberg und Disentis verfügt die katholische Kirche über renommierte Schulen. Der Religionsunterricht leidet im Lehrplan 21; von Tuor dürften sich Religionspädagogen neue Impulse erhoffen. Wie langweilig der Reli-Unterricht sein kann, weiss Tuor aus eigener Erfahrung: «Eigenartigerweise bin ich als Schüler nicht so gerne in den Religionsunterricht gegangen.»
- Synodaler Prozess: Tuor gilt als offen und zuhörend. In Hildesheim hat er verfolgt, wie die Kirche Antworten auf die Fragen der Gegenwart sucht. In Hildesheim haben die Gläubigen bei der Bischofswahl sogar ein Wörtchen mitzureden.
- Missbrauchsdossier: Wenn die Universität Zürich im Januar 2027 ihre nächste Studie zum Missbrauchskomplex vorlegt, dürften die Klöster schlecht wegkommen. Dem Vernehmen nach verhielten sich ein Teil der Klöster wenig kooperativ. Als Ordensmann könnte Tuor den Druck erhöhen, damit Klöster Prävention und Aufarbeitung stärker gewichten.
Tuor gilt als aufgeschlossen und wenig klerikal. Aus seinem Umfeld ist zu hören, dass er kein Freund kirchlicher Verkrustung ist. «In vielen Klostergemeinschaften wird Veränderung oft als bedrohlich empfunden», kritisierte Tuor zu seinem Abschied. Offen beklagte er: «So gibt es bis jetzt unter den Mitbrüdern kaum eine offene Auseinandersetzung mit meinem Weg. Man spricht nicht mit mir darüber. Das bedauere ich. Auch Klostergemeinschaften müssen stets an ihrer Gesprächskultur arbeiten.»
Er stammt aus der Surselva
Vor drei Jahren sagte Tuor: «Doch wer leben will, muss aufbrechen, wenn er des Himmels Murmeln in sich hört.» Auch die Bündner Murmeltiere dürften sich freuen, dass sie mit Tuor einen Weihbischof erhalten, der aus der Surselva stammt – und zumindest ein bisschen Rätoromanisch kann.