Darum gehts
- Badi Pruntrut führt neues Preissystem mit doppelten Kosten für Nichtansässige ein
- Erwachsene zahlen 15 Franken, Jugendliche 10 Franken; keine Saisonabos möglich
- Neues Reglement wegen Einsprachen blockiert; Starttermin bleibt unklar
Die Badi Pruntrut erhitzte vergangenen Sommer die Gemüter. Nach Vorfällen mit französischen Badegästen verhängte sie ein Zutrittsverbot für Ausländerinnen und Ausländer. Die Badi blieb Menschen vorbehalten, die in der Schweiz wohnen oder arbeiten – und sorgte so international für Schlagzeilen.
Vergangenen Samstag hat die Badi-Saison in der jurassischen Gemeinde wieder begonnen. Nun gibt ein neues Preissystem zu reden, wie 20 Minuten berichtet. Nichtansässige zahlen neu doppelt so viel wie Ansässige: Bei Erwachsenen sind es 15 statt 7.50 Franken und bei Jugendlichen 10 statt 5 Franken. Weiter können sie ihr Ticket nur online kaufen und sie haben keinen Anspruch auf ein Saisonabonnement.
Zugang soll beschränkt werden
Eigentlich will sich die Gemeinde die Möglichkeit für weitere Massnahmen offenhalten. Im März hat sie ein neues Reglement verabschiedet – damit sollte bei starkem Andrang oder bei erhöhtem Sicherheitsbedarf der Zugang von bestimmten Gruppen vorübergehend eingeschränkt werden können.
Dagegen gingen allerdings Einsprachen ein. Deshalb kann das beschlossene Reglement noch nicht in Kraft treten. «Es ist legitim, dass ein so sensibles Thema Reaktionen auslöst», sagte Pruntruts Gemeindepräsident Philippe Eggertswyler (57) im Interview mit «24 heures». Dennoch habe die Gemeinde die Verantwortung, konkrete Antworten auf Probleme zu geben.
Ein Datum für den möglichen Starttermin der Neuregelung kann Eggertswyler noch nicht nennen. Der Gemeinderat, also die Regierung der Gemeinde, werde am Schlichtungsverfahren teilnehmen, danach liege das Dossier bei den zuständigen Stellen. Eggertswyler betont allerdings: «Falls es notwendig sein sollte, werden wir die erforderlichen Massnahmen ergreifen.»
«Habe die Kritik ernst genommen»
Vergangenes Jahr hatte sich sogar die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) zu Wort gemeldet, wie Blick berichtete. «Ein pauschales Badiverbot für ausländische Personen ist problematisch und irritierend», so die EKR. «Die Gemeinde muss prüfen, ob das Pauschalverbot wirklich verhältnismässig ist und ob es nicht weniger einschneidende Massnahmen gäbe, wie zum Beispiel individuelle Badiverbote für Personen, die sich wiederholt nicht an die Regeln halten.»
«Ich habe die Kritik ernst genommen», sagt Eggertswyler dazu. «Wenn sich eine solche Instanz äussert, muss man ihr zuhören und sich selbst hinterfragen.» Das bedeute aber nicht, dass man nicht mehr handle, sondern dass die Gemeinde ihre Entscheide rechtlich und politisch besser absichere. Genau das sei das Ziel des neuen Reglements.