Darum gehts
- Alenka Bonnard wird am 1. April Präsidentin von Pro Senectute
- Sie kritisiert die 13. AHV-Rente und fordert gezieltere Unterstützung
- Bonnard hält eine Reform der Ergänzungsleistungen für dringlich
Nicht alle Rentnerinnen und Rentner brauchen mehr Geld vom Staat. Das sagt die neue Präsidentin von Pro Senectute, der grössten Schweizer Organisation für Altersfragen: Alenka Bonnard (41), die am 1. April auf alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (70) folgen wird, äussert sich in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» kritisch zur 13. AHV-Rente. Wörtlich sagt sie: «Mich persönlich stört, dass ein grosser Teil der Pensionierten keine 13. AHV-Rente bräuchte. Diesen Menschen geht es finanziell sehr gut.»
Wer von Armut betroffen sei, «wird auch mit einer 13. Rente die finanziellen Sorgen im Alltag nicht los». Gerade im Kampf gegen Altersarmut hält Bonnard andere Wege für deutlich wirksamer: «Wir können dazu nur sagen, dass wir eine Stärkung der Ergänzungsleistungen als wirkungsvolleres Instrument gegen die Altersarmut betrachten.»
«Gezielte Lösungen, kein Giesskannenprinzip»
Bonnard stellt damit weniger zusätzliche Unterstützung für Rentner infrage als deren breite Verteilung. «Wir wollen, dass die Altersarmut in der Schweiz eliminiert wird. Dazu braucht es gezielte Lösungen, kein Giesskannenprinzip», sagt sie.
Besonders dringlich sei aus ihrer Sicht denn auch eine Reform bei den Ergänzungsleistungen. Diese müssten «schneller angepasst werden». Als Beispiel nennt sie die Wohnkosten: «Gerade bei den Wohnpauschalen dauert es oft Jahre, bis der Bund diese an die höheren Mieten anpasst.» Das habe direkte Folgen für Betroffene. «Wer in den Städten Zürich oder Genf umziehen muss, bekommt mit den aktuellen EL-Pauschalen ein grösseres Problem», warnt Bonnard im Interview mit dem «Tages-Anzeiger».
Die künftige Pro-Senectute-Präsidentin setzt damit früh einen Akzent. Die Juristin ist in Lausanne geboren und lebt in Zürich. Dem Stiftungsrat von Pro Senectute Schweiz gehört sie bereits seit mehreren Jahren an. Bonnard will sich als Brückenbauerin zwischen den Generationen einbringen.
Im Dezember wird die 13. AHV-Rente erstmals ausbezahlt. Sie kostet jedes Jahr vier bis fünf Milliarden Franken. Im Parlament wird um ihre Finanzierung gestritten.