Darum gehts
- Im Kanton Luzern wurden auf mehreren Kantonsstrassen nach Sanierungen die Mittellinien entfernt
- Politiker von links bis rechts fordern sie zurück und befürchten Abnahme der Sicherheit
- Behörden widersprechen: Mittellinien nur bei breiteren Strassen sinnvoll
Führen Mittellinien zu mehr oder weniger Sicherheit? Diese Frage stellt sich derzeit in Bezug auf mehrere Kantonsstrassen im Kanton Luzern. Auf mehreren Strassenabschnitten wurden diese nach Sanierungen entfernt. Jetzt fordert Mitte-Kantonsrätin Eliane Graber (37) die Mittellinien auf Kantonsstrassen, auf denen 80 gefahren werden darf, zurück. Sie argumentiert mit der Verkehrssicherheit – und wird von Mitgliedern aus allen Parteien im Kantonsrat unterstützt.
«Die betroffenen Strassen haben sich über Jahrzehnte mit Mittellinie bewährt», schreibt Graber in ihrem Postulat. Die Mittellinien sorgten für die optische Führung des Verkehrs, erleichterten die Orientierung und erhöhten das Sicherheitsempfinden. Die Entfernung sorge für Unverständnis und Verunsicherung bei den Verkehrsteilnehmern.
Probleme sieht Graber auch bei modernen Fahrerassistenzsystemen. Diese seien für ihren regulären Betrieb stets auf gut erkennbare Fahrbahnmarkierungen angewiesen. Seien diese nicht vorhanden oder nur schwer erkennbar, schalteten die Systeme aus, warnten den Fahrer oder versuchten, in die Mitte der Fahrbahn zu lenken. Das könne bei Gegenverkehr zu «sehr gefährlichen Situationen führen», so Graber.
«Aus Sicht der Verkehrssicherheit sinnvoll»
Grund für die Entfernung der Mittellinien sind rechtliche Normen, wie das zuständige Departement des Kantons gegenüber der «Luzerner Zeitung» erklärt. Unter 6 Meter Strassenbreite werden keine Leitlinien markiert – wegen der Verkehrssicherheit. Welchen Einfluss haben Mittellinien darauf?
Das Bundesamt für Strassen (Astra) erklärt auf Anfrage, dass Mittellinien zwar die Orientierung erleichterten und den Verkehrsraum strukturierten. Aber ob sie zu mehr Verkehrssicherheit führten, hänge immer von der örtlichen Gegebenheit ab. Auf schmaleren Strassen könne eine Fahrbahn ohne Mittellinie dazu beitragen, dass die Verkehrsteilnehmenden vorsichtiger unterwegs seien.
«Deshalb wird bei Strassensanierungen auch geprüft, ob eine Mittellinie überhaupt zweckmässig ist oder ob ein Verzicht die örtliche Verkehrssicherheit besser unterstützt», so das Astra weiter. Mittellinien setzte man erst ab einer gewissen Fahrbahnbreite ein.
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) argumentiert gegenüber Blick ähnlich. «Unter sechs Metern kann es bei Gegenverkehr eng werden. Deshalb ist es aus Sicht der Verkehrssicherheit sinnvoll, wenn keine Mittellinie vorhanden ist». Diese Massnahme führe dazu, dass stärker in die Mitte gefahren werde, dafür aber langsamer. «Den Verkehrsteilnehmern ist bewusst, dass sie bei Gegenverkehr ausweichen müssen.»
Ausserorts sei es hingegen sinnvoll, Randlinien zu markieren oder Orientierungshilfen am Strassenrand zu platzieren.
«Person am Steuer bleibt verantwortlich»
Bedenken bezüglich der Fahrassistenzsysteme sind für die BfU nichts Neues. Es sei zwar korrekt, dass sich diese teilweise an klar erkennbaren Strassen- und Fahrbahnrändern orientierten. Doch sie müssten auch Strassen ohne Mittellinien lesen können. Ganz wichtig sei zudem: «Die Person am Steuer ist und bleibt jederzeit für ihr Fahrzeug verantwortlich.» Man dürfe den Assistenten nie das Lenken überlassen.
Ferner nutzten moderne Systeme auch weitere Sensoren und digitale Informationen, ergänzt das Astra.