Darum gehts
- SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz fordert mehr Förderung für Schweizer Hülsenfrüchte
- Amaudruz ist Verwaltungsratspräsidentin eines Mühlenunternehmens, das davon profitieren würde
- 152’000 Franken erhielt sie 2025 für ihr Mandat bei der GMSA
Der Lobbyismus ist in Bundesbern seit jeher verankert. Zumeist geschieht er jedoch im stillen Kämmerchen, idealerweise unbemerkt. Doch ab und zu drängen auch Versuche ans Licht, bei denen kaum etwas verschleiert wurde.
Ein Beispiel: Plötzlich setzt sich eine SVP-Nationalrätin mit grosser Leidenschaft für Schweizer Hülsenfrüchte ein. Die Krux: Sie ist zugleich Verwaltungsratspräsidentin einer der grössten Mühlen der Schweiz. Ist das bereits schamlos oder bloss besonders informiert?
Mehr Geld für Erbsenbauern
Die Genfer Parlamentarierin Céline Amaudruz (47, SVP) fällt im Bundeshaus normalerweise mit Vorstössen zum Schweizer Finanzplatz oder dem Schutz von Frauen und Kindern auf. In der Sommersession brach die Vermögensverwalterin in neue Gefilde auf: In gleich drei Vorstössen fordert sie vom Bundesrat Massnahmen, um die inländische Produktion von Hülsenfrüchten – insbesondere Eiweisserbsen und Ackerbohnen – zu schützen.
Zum einen will Amaudruz, dass die Landesregierung Anbau-Beiträge einführt – analog zu Zuckerrüben, die vom Bund spezifisch gefördert werden. «Eiweisserbsen und Ackerbohnen sind für die Schweizer Landwirtschaft von strategischer Bedeutung», schreibt die Nationalrätin in ihrem Vorstoss. «Sie sorgen für eine vielfältigere Fruchtfolge, verbessern die Bodenfruchtbarkeit, verringern die Abhängigkeit von der Einfuhr pflanzlicher Proteine und begünstigen eine nachhaltigere Ernährung im Einklang mit den geltenden Ernährungsempfehlungen.»
Muss der Bundesrat den Grenzschutz schärfen?
Damit nicht genug: Ebenfalls soll der Bundesrat ein koordiniertes Impulsprogramm – «vom Anbau bis zum Absatz» – einführen. Über sechs Jahre sollen mindestens 20 Millionen Franken investiert werden, um Schweizer Körnerleguminosen zu fördern. «20 Millionen Franken über sechs Jahre sind ein bescheidener Betrag, mit dem eine fragile Nische in eine echte Schweizer Wertschöpfungskette verwandelt werden kann», so Amaudruz, die immer wieder als künftige SVP-Bundesratskandidatin gehandelt wird.
Wie es sich gehört, geht es im dritten Vorstoss der SVP-Parlamentarierin auch um den Grenzschutz: Höhere Zolltarife und Kontingente sollen dafür sorgen, dass pflanzliches Protein aus dem Ausland nicht mehr die Schweizer Produktion übertrumpft. «Die Schweizer Hülsenfrüchte werden sich nicht nachhaltig entwickeln, solange sie weiter mit günstigeren Importen im Wettbewerb stehen, die zu anderen Kosten oder unter anderen Standards produziert werden», schreibt Amaudruz.
Satte Vergütung für das Mühlen-Mandat
Es ist ein sattes Paket, das die Nationalrätin dem Bundesrat serviert. Dieser anerkennt zwar den Handlungsbedarf, lehnt die Vorschläge aber alle ab. Doch woher kommt die Motivation für die grosse Hülsenfrüchte-Offensive? Amaudruz ist bereits seit 2023 Verwaltungsratspräsidentin der Groupe Minoteries SA (GMSA). Die Westschweizer Mühlengruppe verarbeitet und vermarktet vorwiegend Getreide und pflanzliche Rohstoffe aus der Schweiz. Heisst: Von einer Inlandförderung für Hülsenfrüchte würde das Unternehmen – und wohl auch Amaudruz selbst – direkt profitieren.
Für ihr Mandat kassierte Amaudruz vergangenes Jahr 152’000 Franken. Dazu kommen Aktienbeteiligungen für sie und ihre Familie. Auf die heikle Verbindung angesprochen, wiegelt die Nationalrätin ab: Natürlich sorge ihr VR-Mandat dafür, dass sie konkrete Einblicke in die Lebensmittelwirtschaft habe – «aber keiner meiner Vorstösse sieht einen besonderen oder spezifischen Vorteil für die GMSA vor».
Lobbyismus sei verkürzt, so Amaudruz
Ihr Interesse gelte also nicht einem spezifischen Unternehmen, sondern der Schweizer Ernährungssicherheit. Da stelle sich die Frage, wie sich die einheimische Produktion in Bereichen stärken lässt, in denen die Landwirtschaft noch über Entwicklungspotenzial verfügt. «Hülsenfrüchte sind ein gutes Beispiel dafür», so die Nationalrätin zu Blick. Sie seien etwa für Fruchtfolge und Bodenfruchtbarkeit von grosser Bedeutung – und würden dennoch grösstenteils importiert.
Ihr dafür gleich Lobbyismus anzukreiden, sei verkürzt, merkt Amaudruz an. «Wir haben in der Schweiz ein Milizparlament», so die Parlamentarierin. «Sein Prinzip besteht gerade darin, dass die Parlamentarier eine berufliche und zivilgesellschaftliche Verankerung behalten und die Probleme, denen sie konkret vor Ort bei Bürgern wie auch bei Unternehmen begegnen, nach Bern tragen.» Solange dies transparent geschehe, sieht die SVP-Politikerin darin kein Problem – auch ihr Mühlen-Mandat habe sie selbstverständlich jederzeit offengelegt.