TV-Zuschauer genervt
Zwangswerbung bei SRF sorgt für Wut

Seit April gibt es auch bei SRF sogenannte Replay-Ads. Wer die Werbung beim zeitversetzten Fernsehen überspringen will, muss extra bezahlen.
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Der Hickhack um Replay-TV geht in die nächste Runde.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Replay-TV zeigt seit April 2026 auch bei SRF Zwangswerbung
  • SRG begründet Replay-Ads mit 30 % zeitversetzter TV-Nutzung
  • Werbefreie Zusatzpakete kosten monatlich 5 bis knapp 11 Franken
Mischa Christen
Tele

Warum kann ich bei SRF die Werbeblöcke nicht mehr überspringen, ohne dass mir zusätzliche Werbung aufgezwungen wird?» – «Sogar, wenn ich die Pausetaste drücke, werde ich damit belästigt! Ich wollte bei einem Fussballspiel in Ruhe die Aufstellung studieren. Stattdessen überdeckte ein Werbebanner das komplette Bild!»

So und ähnlich tönt es aus den Leserbriefen, die seit ein paar Wochen unsere Redaktion erreichen. Der Hickhack um Replay-TV geht in die nächste Runde.

Schauen wir zurück: Bis Ende 2022 konnten Zuschauer mit entsprechendem TV-Abo das Programm der meisten Sender bis zu sieben Tage rückwirkend anschauen und dabei die Werbeblöcke bequem überspulen. Gerade das machte Replay-TV so beliebt. Doch die Sender kritisierten, ihnen entgingen erhebliche Werbeeinnahmen.

Nach zähen Verhandlungen einigten sich TV-Sender, Verbreiter und der Konsumentenschutz auf den «Gemeinsamen Tarif 12». Dieser verpflichtet die Provider (Swisscom, Sunrise und Co.), für Replay-TV zusätzlich zu bezahlen. Kosten, die wenig überraschend an die Kundinnen und Kunden weitergegeben wurden.

Diese haben nun zwei Optionen: Sie entrichten einen monatlichen Betrag, um die Werbeblöcke zu überspringen (dazu später mehr) oder werden mit Ersatzwerbung berieselt, sogenannten Replay-Ads.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Warum plötzlich auch SRF Werbung zeigt

Anfänglich griffen nur Privatsender wie RTL oder Pro 7 zu dieser Massnahme. Mitte 2025 kündigte aber die SRG an, ebenfalls Teil der Branchenlösung zu werden. Die Einführung war für Ende 2025 geplant, verzögerte sich dann aus technischen Gründen bis April dieses Jahres.

Wer nun bei den SRG-Sendern zeitversetzt schaut, wird vor Sendungsbeginn sowie beim Pausieren oder Vorspulen ebenfalls mit diesen Replay-Ads konfrontiert. Wie andere Sender begründet auch SRF diesen Schritt mit dem Rückgang der Werbeeinnahmen. Da mittlerweile «rund 30 Prozent der TV-Nutzung zeitversetzt erfolgt», habe das Vorspulen von Werbung die Verluste erhöht.

Replay-Werbung sei deshalb ein wichtiger Beitrag, um Werbegelder im Schweizer Markt zu halten und den Medienstandort Schweiz zu stärken. Zudem gibt die SRG zu bedenken, als Medienunternehmen sei sie darauf angewiesen, sich neben der Serafe-Gebühr auch über kommerzielle Einnahmen zu finanzieren. Verständnis für Werbung hin oder her: Die Pausen-Ads gehen den TV-Konsumenten besonders auf die Nerven, wie die Leserreaktionen deutlich zeigen. Die Ausgestaltung der Werbebanner sei Teil der Branchenvereinbarung, erklärt Sunrise auf Anfrage von TELE.

So lässt sich die Werbung umgehen

Doch für Geduldige gibts eine Lösung! «Die Kundinnen und Kunden», so Sunrise, «können ein Pausen-Ad nach 60 Sekunden mit der Back-Taste wegklicken.» Wer ganz auf Werbung verzichten will, kann die verpassten Sendungen via Play SRF bzw. den Streamingdienst Play Suisse schauen. Beides bleibt weiterhin werbefrei.

Nutzern von linearem, zeitversetztem TV bieten sich hingegen nur zwei Möglichkeiten, die Werbung zu umgehen. Die erste besteht darin, Sendungen aufzuzeichnen. Allerdings lassen sich Werbeblöcke auch bei Aufnahmen erst 7 Tage nach der Ausstrahlung vorspulen.

Die zweite Variante kostet zusätzlich: Mit Optionen wie «Skip Ads» oder ähnlich klingenden Zusatzpaketen der TV-Anbieter können Werbeunterbrechungen übersprungen werden. Je nach Anbieter fallen dafür monatlich zwischen fünf und knapp elf Franken an.

Wer zahlt – und wer profitiert?

Wie viel von diesen Einnahmen bei der SRG landet, wird nicht ausgewiesen, eine detaillierte Aufschlüsselung gibt es nicht. Die SRG rechnet jedoch «aufgrund der hohen Betriebskosten für Replay-TV-Werbung nur mit einem jährlichen Ertrag im tiefen einstelligen Millionenbereich».

Von der Schweizer Branchenlösung ausgenommen sind ausländische öffentlich-rechtliche Sender wie ARD, ZDF, ORF. Da diese keine CH-Werbefenster haben, gelten dort die Replay-Regeln nicht. Wer deren Programme zeitversetzt schaut, kann also kostenlos und ohne Zwangswerbung vor- und zurückspulen.

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