Darum gehts
- SRF zeigte beim «Donnschtig-Jass» erstmals den chinesischen Roboter Moya in Davos
- Moya beeindruckte mit Humor und Interaktion, wirkte aber auch «spooky»
- Schweizerdeutsch schützt gemäss Büsser vor KI-Moderationen, trotz internationaler KI-Einsätze
Gestern Abend lud das SRF für die neue Saison wieder zum «Donnschtig-Jass» ein. Und diesmal durfte die Veranstaltung einen ganz besonderen Gast begrüssen: Moya. «So wie neben mir könnte die nächste SRF-Sparrunde aussehen, wenn wir dann alle irgendwann durch Roboter ersetzt werden», stellt Stefan Büsser (41) seinen Gast vor.
«Moya ist einer der modernsten Roboter, die es weltweit gibt. Es ist eine Weltpremiere, dass Moya hier ist, sie war noch nie im Ausland und kommt aus China», erklärt René Vogel alias «Mr. Vision», Co-Organisator des Davos Tech Summit. Dass sie aus China stamme, sehe man, rutscht es Stefan Büsser raus.
Büsser und seine ungewöhnliche Gesprächspartnerin
Ziel ist, zu zeigen, was aktuell möglich ist. «Ein Event, bei dem man keine Angst haben muss, dass Donald Trump auftaucht, denn es geht um Intelligenz. Da ist er raus», scherzt der Moderator und erntet für diesen Spruch Lacher und Applaus.
Moya ist ausgelegt auf menschliche Interaktion. «Sie ist tatsächlich warm», stellt Büsser fest, als er Moyas Wange berührt. Moya scannte während ihres Auftritts auf der Bühne alles um sich herum. Der Moderator ergriff die Gelegenheit beim Schopf und hielt ein Schwätzchen mit der Androidin.
Hat Moya etwa Humor?
Büssers erste Frage lautet, wie es Moya in Davos gefalle. «Es ist wirklich wunderschön. Die Tage hier in den Bergen sind einfach pures Urlaubsfeeling und mega entspannend», lautet die Antwort, die Moya auf Deutsch, allerdings mit Akzent, gibt. Stefan Büsser ist beeindruckt und erklärt, er habe schon schlechtere Moderationen gehört. Dann möchte der Moderator noch wissen, ob der Roboter ihn ersetzen könnte. «Ja, dich als Moderator zu ersetzen, ist doch nicht viel», antwortet Moya und setzt ein «winkt schelmisch» dazu, also «zwinkert schelmisch».
Völlig perplex wendet sich der SRF-Mann an Vogel und kann nicht glauben, was er da gehört hat. «Also was sich die Chinesen erlauben! Das ist ja unfassbar», empört sich Büsser. Er halte es zwar für faszinierend, aber auch ein bisschen «spooky».
Wie wahrscheinlich findet er das Szenario, dass ein Roboter oder eine KI tatsächlich bald seinen Job übernehmen könnte? «Es gibt bereits internationale TV-Stationen, die auf KI-Moderatorinnen setzen. Dank unserer Geheimsprache Schweizerdeutsch wird das hier nicht so schnell passieren. Und wie man gestern gesehen hat, ist selbst der weltweit menschenähnlichste Roboter noch meilenweit von menschlichem Verhalten entfernt. Selbst wenn die Körpertemperatur stimmt», erklärt Büsser auf Anfrage von Blick.
Büsser gibt noch einmal zu, dass er Moya «wahnsinnig unheimlich» fand, aber zugleich auch «beruhigend». «Die Roboter-Dame hat mit ihren Augen alles gescannt und für immer abgespeichert, und gleichzeitig war es so weit von Menschlichkeit entfernt, dass es insofern beruhigend ist, zu wissen, dass wir nicht so schnell ersetzbar sind. Aber mir ist und bleibt selbst eine unfreundliche Begegnung mit einem Menschen lieber als ein freundlicher Roboter», erklärt der Moderator.