Kurz im TV, lang im Kopf
So tickt SRF-Börsenfrau Sina Freiermuth

Für Sina Freiermuth («Börse») ist ihr Fachgebiet alles andere als abstrakt: «Wir wohnen, kaufen ein, arbeiten, erhalten Lohn.»
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«Make-up und Pumps gehören zur Rolle»: Sina Freiermuth (30) im Studio von SRF-«Börse».
Foto: SRF/Gian Vaitl

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Sina Freiermuth moderiert seit 2023 SRF-«Börse» in Zürich
  • Ihr Weg begann mit einem Kindertraum und einem Wirtschaftsstudium
  • Highlights: WEF Davos, Swiss Economic Forum, Alpakawanderung geplant
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Miriam Zollinger
Tele

Seit bald zweieinhalb Jahren moderiert sie SRF-«Börse», berichtet über Konzerne, Krisen, Umsätze, Bilanzen etc. Da wärs doch schön, Sina Freiermuth (30) ein bisschen näher kennenzulernen. Zumal sie, kaum am Bildschirm, schon wieder weg ist. Zwei bis drei Minuten dauert das Format nur.

Dem Gespräch mit Tele gehen ein paar Mails voraus, in denen sie das eine oder andere Emoji platziert und zweimal ein selbstironisches «So, habe geschlossen» setzt.

Es blitzt also schon auf, was sich dann im Videoanruf bestätigt: Freiermuth hat Humor, als man sie nach zwei gescheiterten Anläufen auch hört, nicht nur sieht. Der dritte Versuch startet mit Gelächter.

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

Vom Kindertraum zum Wirtschaftsjournalismus

Sich vorgängig über sie informieren? Schwierig. Abgesehen von ihrem Instagram-Account findet sich wenig. Nur noch die spröde Pressemitteilung von SRF, als sie den «Börse»-Job übernahm. Wie also kam sie dahin, wo sie jetzt ist?

«Journalismus war ein Traumjob, seit ich in der Primarschule ein fiktives Interview mit Ruedi Rüssel führte», erzählt sie bereitwillig.

Ein Schlüsselmoment. Klein Sina findet Gefallen am Schreiben. «Ich war schon damals eine neugierige Person.» Später, im Gymi, jobbt sie bei einer Lokalzeitung.

Anders als geplant, verliert sie das Ziel aber aus den Augen und entscheidet sich fürs Wirtschaftsstudium, aus Interesse und «weil man da meist klare Resultate berechnen kann». Medienwissenschaften hingegen waren ihr – sie sucht nach dem passenden Ausdruck – zu wenig greifbar. «Das andere hat mir einfach mehr zugesagt», bringt sie es schmunzelnd auf den Punkt.

Frühe Faszination für das Fernsehen

Die Faszination, TV zu machen, verspürt die Baselbieterin aber früh, seit sie im «Sportpanorama» war: Zweimal sitzt sie mit ihrem Vater Rico (Viererbob-Weltmeister im Schlitten von Silvio Giobellina 1982, Olympia-Dritter 1984) total begeistert im Publikum. Und als Kind spielte sie diverse Sendungen nach.

Die Medien lassen Freiermuth also nicht los. Sie absolviert nach dem Bachelor 2019 ein Praktikum in der SRF-Wirtschaftsredaktion, studiert danach weiter. Knapp ein Jahr später ist sie erneut im TV, arbeitet für die News und «Eco Talk», parallel zum Studium. «Eigentlich wider Erwarten», räumt sie ein, «SRF war eher ein langfristiges Ziel, doch ich bin hängengeblieben.»

Als 2023 bei SRF-«Börse» eine Stelle frei wird, kann sie sich nicht vorstellen, vor der Kamera zu stehen («ich war dran, den Master zu machen»), liess sich dann aber von ein paar Leuten aus dem Team weichklopfen. Zum Glück ging sie doch ans Casting, sie lächelt fein.

Ein Blick in den Arbeitsalltag

«Vielseitig und ganz schön vollgepackt», das die Kurzfassung eines Arbeitstages. Vor der Moderation geht sie wann immer möglich nach draussen, um Zitate einzuholen. «Im direkten Gespräch erfährt man nicht nur Zahlen, sondern hört auch sonst viel Spannendes.»

Was für Menschen fesseln sie am meisten? «Na ja», sagt sie sec, «es geht bei uns ja meist um die Sache.» Später kommentiert sie via Mail ihre erste Antwort als «ziemlich mit der Börsenbrille betrachtet». Sie finde «Menschen interessant, die etwas wagen oder über Umwege dahin kamen, wo sie jetzt sind».

Börse ist das eine, Berichte für SRF-Newsformate das andere. Dort wiederum zeige sich, dass ihr Fachgebiet keineswegs nüchtern, abstrakt und kompliziert sei, wie manche vermuten. «Wirtschaft begegnet uns überall. Wir wohnen, kaufen ein, arbeiten, erhalten Lohn.»

Nun erwähnt sie, dass sie kürzlich ein Elternpaar begleiten durfte, dessen Kind rund um die Uhr Betreuung braucht. «Hautnah mitzuerleben, was sie neben dem Job täglich leisten, war eindrücklich und berührend.» Auch solche Aspekte sichtbar zu machen, das ist ihr Anspruch an sich selber.

Persönliche Highlights der letzten Monate? Das WEF in Davos und das Swiss Economic Forum in Interlaken. Tage, an denen enorm viel laufe und alle wichtigen Player an einem Ort seien. «Die muss man dann», sie schaut amüsiert drein, «anhechten, um ein Zitat zu erhalten – was nicht immer klappt.»

Persönlichkeit und Eigenschaften

Dieses Verhalten sei allerdings gar nicht typisch für sie, relativiert sie, sondern halt ihre Rolle im Job. «Ich bin sonst eher zurückhaltend.»

Da wären wir bei den Charaktereigenschaften und der interessanten Frage, in welche Schubladen man sie sonst noch stecken könnte. «Ich muss immer alles perfekt machen», das falle auch ihrem Umfeld auf. «Gut ist manchmal gut genug», sagte ihr mal eine Freundin.

Und sonst? Sie gebe ungern die Kontrolle ab, fährt Freiermuth fort, könne ab und zu auch pingelig sein. «Wenn mir jemand Tüpflischiisser sagt, kann ich nicht unbedingt widersprechen», sie schmunzelt.

Vor allem aber würden ihre Freunde wohl allesamt sagen, dass sie eine hoffnungslose Optimistin sei. «Das ist fast noch bezeichnender, ich versuche wirklich immer, an allem etwas Positives zu sehen.»

Ausgleich abseits der Zahlen

Wie gesagt, ihre Arbeitstage sind dicht getaktet: Aktien, Anleihen, Kurse, SMI, Dax, Dow Jones und vieles mehr. Den mit Zahlen gefüllten Kopf lüftet sie beim Sport.

«Ich powere mich im Indoor-Cycling aus oder gehe joggen.» Und sie entspannt sich bei Gesprächen im Freundeskreis oder indem sie sich in Bücher vergräbt.

Was liest sie denn aktuell? «Ich denk, ich denk zu viel», ein Sachbuch der Schweizer Journalistin Nina Kunz. «Ich fürchte, das trifft auch auf mich zu …»

Vom Job her sei sie gewohnt, alles kritisch zu prüfen und ständig zu hinterfragen. «Dabei vergisst man fast, dass es ab und zu auch eine Portion Bauch und Herz braucht.»

Bodenständig trotz Karriere

Ja, ihr Herz, das schlägt auch nach langer Zeit als Wochenaufenthalterin in Zürich für die Heimat. «Ich finds schön auf dem Land», schwärmt sie, «so nahe der Natur, man kennt sich auf dem Dorf.»

Und das wiederum hört man nach wie vor ihrer Baselbieter Mundart an. Einmal, verrät sie lachend, erhielt sie von Arbeitskollegen das Buch «Züritüütsch verstaa, Züritüütsch rede» geschenkt.

Angesichts ihrer beruflichen Pläne ist das sicher von Nutzen, denn Sina Freiermuth gefällt es sehr gut bei SRF. «Es ist schön, wie es ist, und ich geniesse es.»

Obwohl sie eigentlich eine sei, die immer ein Ziel hat, irgendwo hinstrebt. Was steht denn so auf ihrer privaten Wunschliste?

«Ganz zuoberst eine Bobfahrt», verrät sie und schaut nach, was da sonst noch aufgeführt ist. «Die Liste fing ich während der Masterarbeit an, zur Motivation», sie lächelt.

Nun zählt sie auf: «Nordlichter, Gleitschirmflug, Tanz- und Tenniskurs, Eislaufen beim Rockefeller Center in New York, eine Alpakawanderung.» Bereits erledigt ist das «Meteo»-Dach. «Da wollte ich schon immer hoch.»

Das Gespräch geht weiter

Ein Blick auf die Uhr verrät: Mit Sina Freiermuth lässt es sich wunderbar verschwatzen. Beziehungsweise verschreiben – denn nach dem Gespräch ist vor der erwähnten Mail-Korrespondenz.

Fast schon entschuldigend sagt sie: «Im Nachhinein kommen mir eben jeweils noch tausend Sachen in den Sinn.» Das ist sie wieder, die Perfektionistin.

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