Hä? Wir verstehen nichts!
Zuschauer nerven sich über zu laute Musik bei SRF

Zu laute Hintergrundmusik vermiest uns oft den TV- Abend. SRF nimmt Stellung zum Dialog-Desaster.
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Die Tele-Leser möchten lieber verstehen, was im TV gesprochen wird.
Foto: Getty Images/Westend61

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Viele TV-Zuschauer klagen über laute Hintergrundmusik, die Dialoge übertönt
  • SRF verteidigt Musik als Stilmittel, räumt jedoch technische Herausforderungen ein
  • Moderne TVs mit KI verbessern Dialogverständlichkeit durch angepasste Klangprofile
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Regula Elsener
Tele

Weshalb braucht es dieses überflüssige Gedudel, das nur die eine Funktion hat: das gesprochene Wort einzunebeln?!», fragt sich TELE-Leser Josef Zemp. Und bringt damit den Ärger und den Frust vieler Leidensgenossen auf den Punkt.

Es geht – einmal mehr – um die als störend wahrgenommene Hintergrundmusik in TV-Sendungen. Ein Thema, das in so regelmässigen Abständen wiederkehrt wie das Amen in der Kirche. Derzeit erreichen unsere Redaktion wieder vermehrt E-Mails und Briefe.

Der Fall Emil

Auslöser war u. a. der Kinofilm «Typisch Emil», den SRF im Januar zeigte. «Schade, schade, schade!», schreiben etwa Katharina und Konrad Weber Filli aus Niederglatt ZH. «Gerne hätten wir verstanden, was Emil erzählte. Noch nie haben wir ihn so gesehen.» Sogar von seiner Mutter habe er erzählt. «Doch die Musik war so laut – man verstand überhaupt nichts.»

Trailer vom Dokumentarfilm «Typisch Emil»
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Emil Steinbergers Leben:Trailer vom Dokumentarfilm «Typisch Emil»

Dem schliesst sich Hans-Rudolf Ott aus Zofingen AG an: «Die Sendung war ein typisches Beispiel dafür, dass man immer noch nicht in der Lage ist, Sprache und Musik auf die richtige Lautstärke einzustellen.»

Nicht nur die Musik, auch die Übersetzung fremdsprachiger O-Töne in News-Sendungen sorgt für Kopfschütteln. «Wenn das geneigte Publikum weder die Originalaussagen einer Person noch die deutsche Übersetzung versteht, ist der Beitrag eigentlich für die Katz», schreibt Gaby Burgermeister aus Basel.

SRF verteidigt sein Sounddesign

Doch warum, ums Himmels willen, bekommt man dieses Problem nicht in den Griff? Bei SRF heisst es auf Anfrage: «Menschen nehmen Klänge, Töne und Lautstärken subjektiv wahr.» Es gebe jedoch ein Sounddesign, das als angenehm empfunden werde. «Unsere eigenproduzierten Sendungen entsprechen diesem Design.»

Bei angeliefertem Material aber könne die Verständlichkeit variieren, «etwa wegen unterschiedlicher Tonmischungen oder wenn die Formate nicht optimal für die TV-Wiedergabe ausgelegt sind». SRF akzeptiere darum nur noch fernsehtaugliche Mischungen.

Offenbar klappt das nicht immer. Das erwähnte Emil-Porträt wurde ja nicht von SRF produziert, ist vielmehr eine Produktion von Gorps Film und Wasabimayo. Laut SRF habe man keine negativen Rückmeldungen des Publikums erhalten, wolle die Sendung aber überprüfen.

Weiter wird betont: «Musik und Toneffekte sind elementare Stilmittel, die zu einem deutlich besseren Gesamtprodukt beitragen, wenn sie korrekt eingesetzt werden.»

Die heikle Frage der richtigen Mischung

Korrekt eingesetzt – genau das ist der Punkt. Die Pegelung zwischen Sprache und Musik sei herausfordernd, erklärt SRF, «unsere Spezialisten sind konstant an der Optimierung einer ausgewogenen Mischung».

Eine Mischung, auf die einige gut verzichten könnten. So auch Leserin Gaby Burgermeister. Sie empfindet die Begleitmusik häufig als zu laut, bei Naturdokus sogar als störend. «Das Zwitschern der Vögel, das Murmeln des Bachs oder das Zirpen der Grillen wird oft mit einem Teppich belangloser, unpassender Musik zugedeckt.»

Ein Artikel aus «Tele»

Das ist ein Beitrag aus «Tele». Das Fernsehmagazin der Schweiz taucht für dich nach den TV- und Streamingperlen.

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Technik als Rettung?

Nebst der subjektiven Wahrnehmung spielen auch die Audio-Einstellungen am TV-Gerät eine Rolle. SRF rät: «Die Sprache wird grundsätzlich klarer, wenn man die Höhen anhebt und die Bässe senkt.»

Hilfreich könne zudem der Einsatz einer Soundbar sein, da diese die Wiedergabequalität gegenüber den in vielen TV-Geräten verbauten Lautsprechern steigere.

Ausserdem: Neue, moderne TVs nutzen KI, um den Klang zu verbessern. Die KI erkennt Stimmen und hebt sie hervor, während laute Hintergrundgeräusche/-musik heruntergefahren werden. Die Folge: Dialoge sind deutlicher hörbar. Zusätzlich analysiert KI den Raum und passt den Schall der Umgebung an.

Warum nicht einfach weniger Musik?

Alles gut und recht. Aber warum verzichtet SRF für eine bessere Verständlichkeit nicht einfach auf Hintergrundmusik? «Wir erhalten immer wieder Rückmeldungen dazu. Einige sind kritisch, doch mehrheitlich werden Beiträge mit diesem akustischen Stilmittel als ansprechender wahrgenommen.» Darum werde man es weiter einsetzen. «Wir tun dies jedoch nicht unüberlegt und analysieren laufend die Resonanz aus dem Publikum.»

Eine allgemeingültige Lösung, die alle glücklich macht, scheint es also nach wie vor nicht zu geben. Walter Graf aus Wetzikon ZH spricht wohl vielen TELE-Lesern aus dem Herzen, wenn er schreibt: «Ich hoffe, den Machern wird bewusst, dass das Gesprochene um einiges wichtiger ist als die Hintergrundmusik!» Diese sollte nur eingesetzt werden, wenn sie eine sicht- oder eben hörbare Aufgabe habe.

So wie im Filmklassiker «Spiel mir das Lied vom Tod». Hier werde jede Hauptfigur durch ein eigenes Motiv angekündigt und begleitet. «Im Hintergrund – im wahrsten Sinne des Wortes! Da hat sicher noch nie jemand reklamiert.»

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